STEUERST DU DEIN LEBEN?
Oder lässt Du andere steuern?

Azubi oder Auszubildende? Warum Sprache im Berufsalltag einen Unterschied macht

Vielleicht denkst du jetzt: „Ach komm, das ist doch nur ein Wort.“ Aber genau solche kleinen Wörter prägen unsere Unternehmenskultur oft viel stärker, als uns bewusst ist. Begriffe wie „Azubi“ oder „Azubine“ wirken schnell verniedlichend – besonders im professionellen Kontext. In diesem Beitrag erfährst du, warum Sprache etwas mit Wertschätzung zu tun hat, weshalb Auszubildende respektvolle Bezeichnungen verdienen und wie du durch bewusste Kommunikation deine Zusammenarbeit verbessern kannst.

Heute geht es um eine Kleinigkeit. Zumindest wirkt sie auf den ersten Blick wie eine Kleinigkeit. Und gleichzeitig sind es genau diese kleinen Dinge, die im Berufsalltag oft unglaublich viel über unsere Haltung verraten. Es geht um den Begriff „Azubi“. Und ganz besonders um die „Azubine“.

Vielleicht kennst du das aus deinem eigenen Unternehmen. Vielleicht benutzt du die Begriffe sogar selbst ganz selbstverständlich. Und wahrscheinlich ist das überhaupt nicht böse gemeint. Aber Sprache macht etwas mit Menschen. Immer. Und gerade junge Menschen, die neu ins Berufsleben starten, merken oft sehr genau, wie über sie gesprochen wird.

Warum wirkt der Begriff „Azubine“ auf viele Menschen nicht besonders wertschätzend?

Die Abkürzung Azubi wirkt oft kleiner und weniger professionell als der Begriff Auszubildende oder Auszubildender. Gerade junge Menschen, die neu ins Berufsleben starten, sollten sprachlich nicht zusätzlich verkleinert werden.

Ich habe selbst vor vielen Jahren eine Ausbildung begonnen. Das ist mittlerweile über 30 Jahre her. Und schon damals gab es etwas, das mich irgendwie gestört hat, auch wenn ich es damals noch nicht so klar formulieren konnte.

Es war dieser Begriff: „unsere Azubine“.
Nicht dramatisch. Nicht offen respektlos. Aber eben auch nicht wirklich professionell.

Wenn wir ehrlich sind, spüren die meisten Menschen sofort den Unterschied zwischen:

„Das ist unsere Auszubildende Franziska.“ und „Das ist unsere Azubine Franzi.“

Das klingt anders. Und es fühlt sich auch anders an und genau darum geht es.

Was bedeutet die Abkürzung Azubi eigentlich?

Die Abkürzung Azubi steht für Auszubildender oder Auszubildende. Sie wird im Berufsalltag häufig verwendet, ist aber keine offizielle Berufsbezeichnung.

Natürlich weiß jeder, was mit Azubi gemeint ist. Die Abkürzung hat sich längst etabliert. Trotzdem finde ich spannend, dass wir ausgerechnet diese Berufsbezeichnung so häufig verkürzen.

Denn bei anderen Rollen machen wir das normalerweise nicht.

Wir sagen schließlich auch nicht:

  • das Schäffchen
  • die Ingenieuse
  • der Chefi

Sondern ganz selbstverständlich:

  • der Chef
  • die Chefin
  • die Ingenieurin
  • der Ingenieur

Gerade deshalb lohnt sich die Frage, warum wir bei Auszubildenden oft automatisch zur verkleinerten Form greifen.

Dabei starten diese jungen Menschen ohnehin schon in einer Phase, in der vieles neu und ungewohnt ist. Sie müssen ihren Platz finden, lernen Abläufe kennen und sich in Teams integrieren. Müssen wir sie dann zusätzlich auch noch sprachlich verkleinern?

Warum ist respektvolle Sprache für Auszubildende so wichtig?

Respektvolle Sprache vermittelt jungen Menschen Anerkennung, Zugehörigkeit und Professionalität. Gerade Auszubildende orientieren sich stark daran, wie über sie gesprochen wird.

Vielleicht erinnerst du dich noch an deinen eigenen Berufseinstieg. Die meisten Menschen beginnen ihre Ausbildung relativ jung. Oft sind sie die Jüngsten im Unternehmen und müssen sich erst einmal orientieren.

Dabei beobachten sie sehr genau:

  • Wie werde ich vorgestellt?
  • Wie sprechen Kolleginnen und Kollegen über mich?
  • Werde ich ernst genommen?
  • Bin ich wirklich Teil des Teams?

Und genau deshalb ist Sprache eben nicht nebensächlich.

Gerade Unternehmen, die viel über moderne Führung, Teamkultur und Wertschätzung sprechen, sollten auch auf solche kleinen Dinge achten. Denn Mitarbeitende erleben Unternehmenskultur nicht auf PowerPoint-Folien, sondern im Alltag.

In Meetings. In Gesprächen. In kleinen Formulierungen.

Warum lohnt es sich, bewusster mit Sprache im Unternehmen umzugehen?

Sprache beeinflusst, wie Menschen sich im Unternehmen fühlen. Kleine sprachliche Gewohnheiten können Motivation, Zugehörigkeit und Zusammenarbeit stärken oder unbewusst schwächen.

Vielleicht denkst du jetzt: „Das ist doch wirklich nur ein Wort.“ Ja, natürlich. Und trotzdem transportieren Worte Haltung.
Die meisten Menschen meinen es überhaupt nicht abwertend, wenn sie „Azubi“ oder „Azubine“ sagen. Aber Wirkung entsteht trotzdem.

Gerade Führungskräfte unterschätzen häufig, wie stark Sprache Atmosphäre prägt. Dabei braucht es oft nur kleine Veränderungen.

Aus: „Das ist unser Azubi Maxi.“ wird: „Das ist unser Auszubildender Maximilian.“

Das wirkt sofort professioneller. Wertschätzender. Erwachsener.

Und genau das wünschen sich die meisten jungen Menschen im Berufsleben auch. Sie möchten lernen und sich entwickeln. Aber sie möchten eben auch ernst genommen werden.

Warum solltest du auch bei Vornamen im Business-Kontext genauer hinschauen?

Abgekürzte Vornamen wirken häufig informeller und weniger professionell. Gerade in offiziellen Situationen lohnt sich deshalb ein bewusster Umgang damit.

Nicht nur die Begriffe Azubi oder Azubine spielen eine Rolle. Auch bei Vornamen lohnt es sich, genauer hinzuhören.

Denn auch hier verändert Sprache unsere Wahrnehmung.

Zum Beispiel:

  • Maximilian oder Maxi
  • Jennifer oder Jenny
  • Franziska oder Franzi

Natürlich dürfen Menschen selbst entscheiden, wie sie genannt werden möchten. Darum geht es überhaupt nicht.

Aber gerade in offiziellen Situationen – bei Kundenterminen, Vorstellungsrunden oder Meetings – wirken vollständige Namen oft professioneller und respektvoller.

Manchmal lohnt es sich deshalb zu hinterfragen, ob wir Spitznamen verwenden, weil die Person das wirklich möchte oder weil wir unbewusst eine eher „kleine“ Rolle zuschreiben.

Wie können Unternehmen Auszubildenden mehr Wertschätzung zeigen?

Wertschätzung zeigt sich oft in kleinen Alltagssituationen. Bewusste Sprache und respektvolle Kommunikation sind einfache Möglichkeiten, jungen Menschen Anerkennung entgegenzubringen.

Viele Unternehmen fragen sich heute, wie sie junge Talente langfristig binden können. Dabei wird oft nach großen Strategien gesucht. Aber ganz ehrlich: Unternehmenskultur entsteht meistens im Kleinen.

Zum Beispiel darin,

  • wie wir Menschen vorstellen,
  • wie wir mit ihnen sprechen,
  • und wie wir über sie sprechen.

Wer Auszubildende ernst nimmt, zeigt das oft schon durch kleine sprachliche Entscheidungen. Genau daraus entsteht das Gefühl von Zugehörigkeit.

Und genau das bleibt jungen Menschen meistens lange in Erinnerung.

Fazit: Sprache ist niemals „nur Sprache“

Die Begriffe „Azubi“ oder „Azubine“ wirken auf den ersten Blick harmlos. Und meistens sind sie auch überhaupt nicht böse gemeint. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Denn Sprache beeinflusst, wie Menschen wahrgenommen werden und wie sie sich fühlen. Gerade junge Menschen merken oft sehr schnell, ob sie als vollwertiger Teil des Teams gesehen werden oder eher als „die Kleinen“.

Deshalb finde ich: Auszubildende verdienen dieselbe Professionalität und denselben Respekt wie alle anderen im Unternehmen auch.

Und manchmal beginnt genau das bei einem einzigen Wort.

Häufige Fragen zum Thema Azubi und Auszubildende

Was bedeutet die Abkürzung Azubi?

Azubi ist die Kurzform für Auszubildender oder Auszubildende und wird häufig im Berufsalltag verwendet.

Warum wird der Begriff Azubine kritisiert?

Viele Menschen empfinden den Begriff Azubine als verniedlichend oder wenig professionell, besonders im Business-Kontext.

Ist Azubi eine offizielle Berufsbezeichnung?

Nein. Die offizielle Bezeichnung lautet Auszubildender oder Auszubildende.

Warum ist respektvolle Sprache im Unternehmen wichtig?

Sprache beeinflusst Unternehmenskultur, Motivation und Zugehörigkeit. Gerade junge Mitarbeitende reagieren sensibel darauf, wie über sie gesprochen wird.

Wie können Unternehmen Auszubildende wertschätzender ansprechen?

Indem sie professionelle Begriffe verwenden, vollständige Namen nutzen und jungen Menschen auf Augenhöhe begegnen.

Klartext statt Kauderwelsch

Sag, was du meinst – klar, souverän und verständlich. Du willst treffende Botschaften setzen - auch in stürmischen Situationen? Ob 1:1 oder vor großem Publikum – lerne, wie du überzeugend kommunizierst. Mit Tools für Wirkung, Haltung & Präsenz, die SOFORT greifen.
Stefanie Voss - Keynote Speaker Leader on my Ship

PIRATENPOST
Jeden 2ten Dienstag Tipps für Business und Karriere, natürlich kostenlos, aber hoffentlich nicht umsonst.
Neueste Beiträge
IN BEITRÄGEN SUCHEN
SCHLAGWÖRTER

Über STEFANIE VOSS

Stefanie Voss ist eine international gebuchte Keynote-Speakerin, Business-Coach, Workshop-Moderatorin und Autorin – und sie ist Weltumseglerin. Schon immer geht sie unkonventionell und wagemutig ihren eigenen Weg, deswegen nennt man sie auch „die Businessfrau mit der Piratenseele“.

Mit 16 war sie Austauschschülerin in den USA, mit 19 Praktikantin in Paris, mit 23 zog sie für ihren Arbeitgeber nach Argentinien und mit 25 heuerte sie auf einem Segelschiff an, um als Teil einer internationalen Crew die Welt zu umrunden. Bereits mit 31 wurde sie Abteilungsleiterin im DAX-Unternehmen. Nach 15 Jahren erfolgreicher Konzernkarriere gründete sie 2009 ihr eigenes Unternehmen. Zu den Themen Leadership und Kommunikation, VUCA-Welt, Diversity und Agilität ist sie für unterschiedlichste Organisationen in ganz Europa unterwegs.

Sie ist Jahrgang 1974 und lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Söhnen in der Nähe von Düsseldorf.

Keynote Vortrag Speakerin Stefanie Voss | Expertin für Leadership

KEINEN BEITRAG MEHR VERPASSEN!

Der Newsletter liefert dir jeden zweiten Dienstag gute Tipps für Business und Karriere. Natürlich kostenlos, aber hoffentlich nicht umsonst.