Stefanie Voss zu Gast bei Daniel Korth

Wagemut beginnt dort, wo Sicherheit endet – Veränderung ist der Schlüssel zu persönlichem Wachstum.
Mut, Veränderung und die Piratenstrategie: Wie ich meine eigene Route zum Erfolg segelte.
Ich hatte die Freude, im Podcast „Mehr Mut zum Glück“ mit Daniel Korth über meine Reise von der Corporate-Karriere zur Selbstständigkeit zu sprechen. In dieser Folge teile ich, wie meine Weltumsegelung mich verändert hat, warum Mut im Berufsleben essenziell ist und wie die Piratenstrategie hilft, Herausforderungen entschlossen anzugehen.
Das erwartet dich im Interview:
➔ Was ich durch meine Weltumsegelung über Selbstführung gelernt habe
➔ Warum Unternehmen und Menschen mehr Mut brauchen
➔ Wie die Piratenstrategie als Erfolgsprinzip funktioniert
Hier geht es direkt zum Interview:
Links zu Daniel Korth und dem Podcast „Mehr Mut zum Glück“:
Spotify: https://open.spotify.com/show/41IQYFAtoBqsMp4vjxfDEL?si=6ddce25fa4d24e0e
Website: https://mehr-mut-zum-glueck.de/
Instagram: https://www.instagram.com/finanzrocker/
Transkript
Stefanie Voss [00:00:00]:
Also du brauchst mutige Menschen, andere mitzureißen. Also das ist wirklich ein Funke, der überspringen muss. Die Weltumsegelung war dann sozusagen nochmal das Hardcore-Training in Bezug auf ich bin das Problem, aber zum Glück bin ich auch die Lösung, wenn ich nämlich anfange, meine Haltung und mein Verhalten massiv zu verändern. Solange wir in einem Setting sind, wo alle so ähnlich sind wie wir, glauben wir ja, dass die Welt so ist. Und die Welt ist eben nicht so. Und je mehr ich merke, dass ich derjenige bin, der andersartig ist, desto mehr bin ich natürlich auch zu einer inneren Auseinandersetzung gezwungen. Aber Corona hat mich auch volle Kanne getroffen und habe aber da auch sehr schnell gelernt, dass so eine Opferhaltung und die anderen sind doof und ich bin richtig, ja das ist halt das dümmste, was du machen kannst. Solche Schicksalsschläge auch, das sind einfach echte Aufwecker und die wecken dich nicht auf, wenn es dich nicht ganz persönlich betrifft.
Ja, wenn ich auch so etwas wie Glück wieder empfinden möchte, wenn mein Glück davon abhängt, dass die Dinge stabil sind, dann wird es in der Zukunft verdammt schwierig, glücklich zu sein.
Daniel Korth [00:01:00]:
Heute im Interview die Keynote-Speakerin Stefanie Voss. Moin moin und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von mehr Mut zum Glück. Mein Name ist Daniel Korth und heute habe ich die Keynote-Speakerin und Weltumseglerin Stefanie Voss zu Gast. Ja und Stefanie hat einen sehr interessanten Lebenslauf, über den wir ausführlich sprechen und wir haben zahlreiche Themen angesprochen. Also sie ist sehr früh ins Ausland gegangen für ihren Arbeitgeber, hat eine Weltumsegelung gemacht, hat danach Karriere im DAX-Konzern gemacht und hat diese Corporate-Karriere dann an den Nagel gehängt. Den Grund dafür erzählt sie dann im Interview und seit einigen Jahren arbeitet sie als Kino-Speakerin. Sie ist Leadership und Teamcoach und beschäftigt sich mit sehr vielen interessanten Themen, über die wir auch sprechen, wie beispielsweise Vielfalt, Veränderung und die Piratenstrategie. Was es damit auf sich hat, das erzählt Stefanie gleich.
Daniel Korth [00:02:02]:
Und wir gehen jetzt ab zum Interview mit Stefanie. Auf geht’s. Untertitel im Auftrag des ZDF, 2021 Meine Leitung geht heute nach NRW zu Stefanie Voss. Sie ist Weltumseglerin, Speakerin und Businessfrau mit der Piratenseele. Was sich hinter der Piratenseele versteckt, erzählt sie uns gleich. Herzlich willkommen bei Memo zum Glück, Stefanie.
Stefanie Voss [00:02:20]:
Ja, schönen Dank, schön, dass ich da sein darf.
Daniel Korth [00:02:23]:
Ich freue mich, dass du zugesagt hast. Ich habe vor einigen Wochen eine begeisterte E-Mail von einem Hörer bekommen, der dich als Interviewgast vorgeschlagen hat, weil er von deinem Lebenslauf und auch deinem Vortrag bei seinem Arbeitgeber so begeistert war. Warst du denn schon häufiger in Podcasts zu Gast?
Stefanie Voss [00:02:37]:
Ja, ich war schon häufiger in Podcasts zu Gast. Ich hatte sogar meinen eigenen Podcast. Ist schon lange, lange her. Ich habe 2010 mit dem Podcasten angefangen und war, wie soll ich sagen, ich war meiner Zeit voraus. Ich habe drei Jahre gepodcastet und das Format kannte keiner, wollte keiner, hat keinen interessiert. Ich habe hunderte von Stunden Arbeit rein investiert und habe dann 2013 total frustriert wieder aufgehört und habe mich einige Zeit später zum Video dann zugewendet und hab einen YouTube-Kanal aufgemacht. Und jetzt bin ich immer mal wieder in Podcasts zu Gast. Ich hab für mich entschieden, ich liebe dieses Format, ich bin ein begeisterter Podcast-Hörer.
Ich zieh aber keinen eigenen Podcast mehr auf. Das ist mir einfach zu viel Arbeit neben all den anderen Dingen. Dann müsste ich irgendwas anderes weglassen, was ich mache. Insofern freue ich mich über Interview-Angebote wie das hier bei dir. Und gucke auch, dass ich dadurch mein Netzwerk spannende Menschen erweitere. Ich bin also mit dem Format sehr, sehr vertraut, aber habe keinen eigenen Podcast.
Daniel Korth [00:03:37]:
Okay, dann lass uns mal so ein bisschen ins Thema reingehen. In meinem Podcast geht es ja die Themen Mut und Glück. Wie definierst du denn Glück für dich persönlich?
Stefanie Voss [00:03:46]:
Ja, spannende Frage. Ich habe das irgendwann mal für mich so richtig ausgearbeitet. Ich mache ja Coaching und mache auch ganz viel Selbstcoaching und so eine Definition, die ich mal im Selbstcoaching zum Thema Glück für mich erarbeitet habe, die ist hängen geblieben. Und das sind Für mich ist Glück, sind kleine Momente, in denen ich gerne die Zeit anhalten möchte. Und das können ganz kleine Momente sein. Ich hatte gerade vor ein paar Wochen wieder so einen, es war an einem Sonntag, ich glaube es war halb zwei ungefähr, und meine gesamte Familie, also ich habe zwei Kinder und einen Mann, Wir alle vier hatten noch einen Schlafanzug an und haben zusammen im Wohnzimmer gesessen und so ein bisschen rumgelungert und gelesen und Fernsehen geguckt und gequatscht und Kaffee getrunken. Und die Kinder natürlich nicht, die Kinder haben es anders getrunken. Und das sind so Momente, Da sitze ich manchmal da und gucke mir diese Szene an und denke so, ja, das ist Glück, dass das da ist und dass das geht.
Also das ist so für mich im Privaten sind es die ganz, ja, die kleinen Momente, diese kleinen Situationen, wo ich für mich fühle, ich will die Zeit anhalten. Hier bin ich jetzt genau mit den richtigen Leuten am genau richtigen Ort. Das ist für mich privates Glück. Und im Beruflichen habe ich es auch schon mal tatsächlich definiert. Für mich ist Glück beruflich, wenn es mir gelingt, Menschen wirklich zu berühren. Also nicht einfach nur zu trainieren, nicht einfach nur was beizubringen, was zu erklären, guten Vortrag zu halten. Wenn nach dem Vortrag dann jemand zu mir kommt oder wenn mir ein paar Tage später jemand schreibt oder so wie hier, wenn jemand mich hört und dir dann vorschlägt, mich einzuladen, dann weiß ich, ich hab den berührt. Irgendwie hab ich bei dem was ausgelöst.
Und das find ich halt ist total schön. Mhm. Ja,
Daniel Korth [00:05:24]:
dann lass uns mal so ein bisschen in das Thema einsteigen. Ich hab dein Profil gelesen, und da bezeichnest du dich als Mrs. Blackbeard und als Businessfrau mit der Piratenseele. Ich hab’s ja eben eingangs schon erwähnt. Was hast du denn jetzt mit den Piraten mit dem langen schwarzen Bart gemeinsam?
Stefanie Voss [00:05:39]:
Ja, also erst mal bin ich keine Verbrecherin. Ich möchte erst mal auf die Unterschiede eingehen, weil das natürlich schon gewagtes Bild ist, mit Piraten zu arbeiten. Was mich an Piraten sehr fasziniert, und das wissen die meisten Menschen nicht, Piraten hatten eine sehr klare Werteorientierung. Und die waren jetzt nicht einfach, ich sag mal, Verbrecher oder Gewalttäter, weil sie das so super finden, andere Leute auszurauben, sondern die hatten in ihrer Gemeinschaft so einen starken, fairen Zusammenhalt, waren wirklich als Mannschaft unterwegs. Sie waren ja sehr häufig von den, ich sag mal, reinen Fakten und Rahmenbedingungen unterlegen, waren meistens weniger Leute, weniger Waffen, weniger Schiffe und haben aber trotzdem unglaubliche Dinge geleistet. Das haben sie über eine sehr starke Teamorientierung geschafft, über eine sehr starke Werteorientierung, über ein sehr großes Miteinander, das gefällt mir an den Piraten. Und was mich besonders begeistert, ist der Wagemut. Also, du hast ja Mut zum Glück.
Ich find ja das Wort Wagemut noch schöner, weil was verbirgt sich für mich dahinter? Wagemut heißt für mich, ich hab eine klare Werteorientierung, an denen orientier ich mich. Aber ich tue Dinge, die auch mal sehr ungewöhnlich sind. Und Piraten haben immer wieder sehr überraschend ihre Gegner besiegt. Haben sich also immer wieder überlegt, womit würde eigentlich gar keiner rechnen. Und genau das machen wir. Und das ist das, was mir gut gefällt. Und das passt eben auch zu mir und zu meinem Lebenslauf.
Daniel Korth [00:07:04]:
Finde ich spannend, weil gerade jetzt in Deutschland ist so das Thema Wagemut vor allem in großen Unternehmen so gut wie gar nicht vorhanden, würde ich jetzt persönlich behaupten.
Stefanie Voss [00:07:13]:
Genau, deswegen kommt mein Vortrag da so gut an, weil die merken, dass sie das brauchen.
Daniel Korth [00:07:19]:
Ist es tatsächlich so? Also nach dem Vortrag dann überdenken viele Geschäftsführer dann auch so bestimmte Punkte?
Stefanie Voss [00:07:26]:
Also Geschäftsführer spezifisch vielleicht gar nicht, sondern überhaupt der allgemeine Zuschauer. Also der Vortrag dreht sich tatsächlich das Thema Wagemut. Wie kann ich mehr Wagemut in mein Leben bringen? Also wie kann ich nicht einfach Dinge tun, die witzig sind oder leichtsinnig sind oder verrückt sind, sondern wie kann ich an meinen Werten orientiert ungewöhnliche neue Schritte gehen? Und ich lade immer meine Zuhörer nach dem Vortrag ein und sage, das war jetzt Ihr netter Vortrag, Sie haben mir das Wertvollste geschenkt, was Sie haben, nämlich Ihre Zeit und Ihre Aufmerksamkeit. Was machen Sie denn jetzt draus? Und dann sage ich immer, wenn Sie innerhalb von 24 Stunden irgendetwas Wagemutiges tun, Dann schreiben Sie mir und Sie bekommen ein kleines Geschenk von mir. Und zwar so richtig mit der Post zugeschickt. Das ist ja auch für heute ziemlich ungewöhnlich. Und es kommen die irrsten Rückmeldungen. Wirklich irre, irre, irre Sachen von Ich bin zu einem Kollegen gegangen, mit dem ich schon längere Zeit einen Konflikt habe, und hab den angesprochen und hab mit dem das Gespräch gesucht.
Stefanie Voss [00:08:23]:
Bis hin zu, wenn es jetzt nicht Firmenvorträge sind, sondern eher öffentliche Vorträge, schrieb mir eine Frau, ich hab so tolle Nachbarn, ich hab noch nie Danke gesagt für die Nachbarschaft, ich hab heute Morgen zwei riesengroße Blumensträuße gekauft, bin zu meinen Nachbarn rechts und links gegangen und habe mich einfach mal für die tolle Nachbarschaft bedankt. Und es kommen aber auch Sachen natürlich wie Leute, die sagen, ich habe jetzt das und das und das gemacht, habe da und da eine Bewerbung geschrieben, habe jetzt ein Bewerbungsgespräch. Und eine der allerschönsten Rückmeldungen war eine ältere Dame, die saß mal in einem piraten Vortrag, den ich bei so einer Zeitung gehalten habe, die schrieb mir, Frau Voss, ich wollte schon so lange mal einen Sommer als Senderin auf einer Alm arbeiten und ich habe immer gedacht, Das kann man doch nicht machen, ich bin so alt und so weiter. Ich habe nach ihrem Vortrag die Bewerbung geschrieben, habe mich bei mehreren Almen beworben und ich werde jetzt im nächsten Sommer da und da und da den Sommer auf der Alm verbringen. Und sie waren der entscheidende Tropfen, der das fast zum Überlaufen gebracht hat. Und das sind Glücksmomente.
Daniel Korth [00:09:17]:
Ja, und das heißt aber, du gibst anderen Leuten dann auch Mut, neue Ideen und neue Wege zu gehen.
Stefanie Voss [00:09:23]:
Ja, ich glaube, ich zeige durch meine Geschichte und vor allem natürlich durch die Geschichte der Piraten, dass dieser bewusste Schritt in eine ungewöhnliche Richtung, dass der gar nicht so viel Risiko mit sich bringt, wie Sie manchmal denken. Das Überwinden dieses, das kann ich doch nicht machen, wird einfacher, wenn da vorne jemand dir eine Stunde lang erklärt, was Menschen alles für interessante Dinge erreicht und bekommen haben, dadurch, dass sie einfach mal etwas gemacht haben, was ein Mann in Anführungsstrichen nicht tut. Du
Daniel Korth [00:09:57]:
hast ja schon einiges getan, was man so normal nicht macht. Lass uns darauf doch mal eingehen, weil das ist natürlich dann auch ein interessanter Hinweis zu dem, was du heute machst und dieser Weg dahin, der war ja sehr spannend. Du bist mit 16 als Austauschschülerin in die USA gegangen und ich habe vor kurzem auch mit dem erfolgreichen Unternehmer David Zimmer gesprochen. Der hat sich in den USA so stark weiterentwickelt, dass er mit dem deutschen Schulsystem nicht mehr klarkam. Wie war das bei dir, als du mit 16, 17 wieder zurückgekommen bist? Hast du auch da was mitgenommen, was dich extrem geprägt hat?
Stefanie Voss [00:10:29]:
Ja, ich sag so, im Nachhinein betrachtet immer, ich bin in den USA echt erwachsen geworden. Ich hatte keine besondere Schule, so wie David Zimmer, das war es bei mir nicht. Ich habe unheimliche Probleme gehabt in meiner ersten Gastfamilie. Ich bin nach einigen Monaten aus meiner Gastfamilie rausgeschmissen worden. Ich bin gar nicht so schlimm, aber die hatten irgendwie ein sehr anderes Verständnis von Eltern-Kind-Beziehung, von Kultur, von allem, was dazu gehört. War eine klassische, kleine, mittelständische, amerikanische Familie mit sehr eingeschränktem Blick auf die Welt. Oder eingeschränkt, das ist ja Arrogant, das zu sagen. Aber mit einem anderen Blick auf die Welt als ich und meine Familie.
Stefanie Voss [00:11:11]:
Das hat nicht funktioniert. Die haben mich mehr oder weniger von einem auf den anderen Tag vor die Tür gesetzt. Dann saß ich da und hab nur gedacht so okay. Und hört sich jetzt alles lustig an. In dem Moment war ich sehr sehr am Boden zerstört. Ich habe das aber hingekriegt. Ich habe dann da meine Betreuung vor Ort aktiviert. Dann hat mich erst mal mein Betreuer zu sich genommen.
Stefanie Voss [00:11:30]:
Dann habe ich eine andere Familie gefunden und bin aber tatsächlich doch noch wirklich gut aus dieser Zeit dann wieder zurückgekommen. Also ich habe den ich habe den Karren da noch aus dem Dreck gezogen und hab für mich noch mal klargekriegt, okay, es ist einfach ein ganz anderes Land mit einer ganz anderen Kultur. Aber deswegen bin ich jetzt nicht falsch. Ich bin aber auch nicht richtig und die anderen sind falsch. Sondern das ist einfach so, wie es ist. Ich bin zurückgegangen mit so einem Gefühl von, wow, die Welt ist unterschiedlich. Und obwohl wir uns doch so ähneln, Wenn du jetzt erst mal als Schüler nach USA kommst, denkst du, ja, ist ja so ähnlich wie hier. Sind die kulturellen Unterschiede mir da sehr bewusst geworden.
Stefanie Voss [00:12:08]:
Und das hat mich extrem geprägt. Und ja, dass ich das einfach geschafft habe. Also das war wirklich so eine Hauruck-Aktion. Die haben gesagt, du hast jetzt zwei Stunden Zeit, pack deine Koffer und dann raus hier. Und dass ich da aus diesem Tal der Tränen rausgekommen bin und trotzdem am Ende ein gutes Gefühl hatte, als ich nach Hause geflogen bin, das war schon so ein, das hat mich total gestärkt.
Daniel Korth [00:12:27]:
Ja, das kann ich mir auch vorstellen. Vor allen Dingen in dem Alter, da ist man natürlich auch völlig überfordert davon.
Stefanie Voss [00:12:33]:
BG’IN DR. Ja, genau.
Daniel Korth [00:12:34]:
BG’IN DR. Du bist ja dann mit 23 wieder ins Ausland gegangen für deinen Arbeitgeber nach Argentinien. Hattest du da Fernweh oder warum bist du diesen speziellen Schritt gegangen?
Stefanie Voss [00:12:44]:
BG’IN DR. Also Das war so ein bisschen, hingen ein bisschen mit meiner Ausbildung zusammen. Ich habe so eine klassische BWL-Ausbildung gemacht, so eine Abiturientenausbildung, die es damals in verschiedenen deutschen Großkonzernen gab. Und eigentlich war immer vorgesehen, dass man mit dieser Ausbildung dann auch irgendwann mal ins Ausland geschickt wird. Das war so ein ganz Klassischer Karriereschritt eigentlich. Was ungewöhnlich war in meinem Fall war Argentinien, denn ich bin ja auch schon ein paar Jahre älter, also es war 1997. 1997 als junge deutsche Frau nach Lateinamerika als Expet zu gehen, war sehr ungewöhnlich. Ich war im Bayer-Konzern die allererste Frau, die als Expert nach Lateinamerika ging.
Stefanie Voss [00:13:21]:
Fand das natürlich wahnsinnig cool. Fand ich natürlich sehr, sehr toll. Als ich in Argentinien war, habe ich relativ schnell verstanden, warum man da bis dahin keine Frauen hingeschickt hatte. Weil das Arbeitsleben und die Arbeitswelt schon, ja auch da wieder eine kulturelle Unterschiede war einfach sehr anders als das in Mitteleuropa war. Und ich meine, wir hatten ja in Deutschland 97 auch noch ganz andere Arbeitsstrukturen, so gerade was das Gender-Thema angeht als heute. Aber Argentinien war natürlich noch viel, viel extremer.
Daniel Korth [00:13:52]:
Aber du hast dann trotzdem Spanisch gelernt, bist rübergegangen und hast dann auch wieder deinen Weg gemacht.
Stefanie Voss [00:13:59]:
Genau, und auch Da war es wieder so ein bisschen was, so durch das Tal der Tränen durch. Ich habe da ganz schön gekämpft, da klarzukommen, weil ich natürlich da in jeder Hinsicht ein totaler Exot war. Also die Argentinier fanden mich als Expat natürlich irgendwie, man hat als Expat mehr verdient, die Firma hat einem die Wohnung bezahlt, hat ein Auto finanziert. Man hatte schon so eine privilegierte Stellung. Das war für die etwas älteren und in höheren Positionen angesiedelten männlichen Kollegen, die aus Deutschland kamen, kein Problem. Aber für Eine junge Frau hat mich das in eine ziemliche Außenseiterposition gebracht. Heißt, ich musste mir meine Freundeskreise und mein soziales Umfeld außerhalb der Firma suchen. Ich hatte allerdings eben auch erst drei Monate vorher angefangen, Spanisch zu lernen.
Stefanie Voss [00:14:41]:
Ich war also gezwungen, sehr schnell dann die Sprache wirklich so gut zu sprechen, dass ich Freundschaften aufbauen kann und habe dann in Argentinien angefangen zu segeln. Ich bin da zum Segelclub gegangen und habe dann auf Spanisch einen Segelschein gemacht. Und wer mal in Deutschland einen Segelschein gemacht hat, der weiß, dass das ziemlich viele spezielle Begriffe sind. Das ist im Spanischen nicht anders. Und das dann in der Fremdsprache, ja, war eine Also, ich bin sehr stolz auf die Leistung. Ich hab da nicht nur Segeln gelernt, sondern auch wirklich Vokabeln gepaukt. Und hab mich aber dann da irgendwo doch etabliert und mich da zurechtgefunden. Und war da auch wieder, ja, stolz, dass ich das überhaupt geschafft habe.
Stefanie Voss [00:15:20]:
Weil natürlich hatte ich da auch dieses Teil, also nach drei Monaten hab ich da gesessen und Rotz und Wasser geholt und gedacht, warum hab ich mir diesen ganzen Scheiß hier angetan? Und bin aber da durchgegangen. Und ja, im Nachhinein war es natürlich super, dass ich es gemacht habe, aber es war schwierig. Und wieder diese Erfahrung, ich kriege mich aber selber aus der schwierigen Situation an meinen eigenen Haaren rausgezogen.
Daniel Korth [00:15:48]:
Das Thema fremde Kulturen hast du jetzt ja dann im doppelten Fall gleich mitgenommen. Würdest du sagen, dass das eine ganz wichtige Erfahrung für deine Karriere war, auch im Verständnis mit Kollegen?
Stefanie Voss [00:16:00]:
Ich glaube, wer nie aus seiner eigenen Kultur rauskommt, der erlebt sich selber einfach nicht im Kontext anderer Kulturen. Und das ist eine ganz wichtige Form der Selbstreflektion. Also wir glauben ja, solange wir in einem Setting sind, wo alle so ähnlich sind wie wir, glauben wir ja, dass die Welt so ist. Und die Welt ist eben nicht so. Und je mehr ich merke, dass ich derjenige bin, der andersartig ist, desto mehr bin ich natürlich auch zu einer inneren Auseinandersetzung gezwungen. Und diese innere Auseinandersetzung, was wir heute so schön Selbstreflektion nennen, das ist ja der Baustein für jede Form von Wachstum. Und dass mir das so häufig passiert ist, dass ich mich so häufig gezwungenermaßen mit mir auseinandersetzen musste, im Nachhinein würde ich sagen, das ist ein totaler Glücksfall, vor allem, dass ich das so früh in meinem Leben hatte, weil klar, heute habe ich Menschen im Coaching, die sind 40, 45. Und da fällt ihnen das erste Mal so richtig vor die Füße, dass sie sich noch nie so richtig und ernsthaft mit dem auseinandergesetzt haben, was sie selber eigentlich ausmacht.
Stefanie Voss [00:17:00]:
Und deswegen bin ich nicht schlauer oder besser. Mir ist es einfach früher passiert.
Daniel Korth [00:17:05]:
Ja, du hast ja eben schon gesagt, du hast deinen Segelschein in Argentinien gemacht und hast dann die Entscheidung getroffen, mit 25 eine Weltumsegelung zu machen. Wie bist du denn darauf gekommen?
Stefanie Voss [00:17:17]:
Also erstmal muss ich sagen, ich habe es nicht alleine gemacht. Das wird häufig suggeriert, wenn man das Wort Weltumsegelung hört. Ich bin nicht alleine gesegelt, ich habe angeheuert. Ja, es waren die Umstände. Mein Job war in der, also ich war in Argentinien, allerdings nicht in der argentinischen lokalen Organisation, sondern die Vertretung für Lateinamerika, für den Geschäftsbereich, in dem ich war, die saß in Buenos Aires. Und dann sollte diese ganze Gruppe komplett nach Sao Paulo verlegt werden. Ja, ich habe gerade Spanisch gelernt, mich in Buenos Aires zurechtgefunden usw. Sao Paulo fand ich extrem unattraktiv.
Stefanie Voss [00:17:52]:
V.a. Für eine junge Frau war auch Sao Paulo damals risikotechnisch einfach echt ungünstig. Ich war in Argentinien vor der Wirtschaftskrise, 97 bis 99, war relativ sicher. Also man konnte da wirklich ein sehr gutes, ein nahezu europäisches Leben führen. Und das war Sao Paulo nicht. Und ich wollte nicht nach Sao Paulo. Ich hatte aber auch irgendwie noch gar keine Lust zurückzugehen nach Deutschland nach zwei Jahren. Das fand ich zu früh.
Stefanie Voss [00:18:19]:
Und es sind ja immer so Zufälle, die dann kommen. Und mein Vater schickte mir eine deutsche Zeitschrift, Yacht, diese deutsche Segelzeitschrift. Und ich las einen Artikel über eine Gruppe von Schiffen, die gemeinschaftlich die Welt segeln und dass die eben auch in Argentinien vorbeikommen an der argentinischen Küste. Dann habe ich gedacht, okay, warum eigentlich nicht mal längere Zeit segeln und ich bin ja so ein bisschen familiär vorbelastet, was das Segeln angeht. Ja, dann habe ich diese Gruppe von Schiffen, das wurde organisiert von einer Organisation, die in England saß. Ich hab da eine Mail hingeschrieben, wie ist das, kann man bei euch mitsegeln? Dann krieg ich so eine Mail zurück, ja, komm mal in den Hafen, wenn du Sprachen sprichst und segeln kannst, irgendein Schiff nimmt dich garantiert mit, es wird immer Crew gesucht. Dann hab ich tatsächlich daraufhin meine Sachen gepackt, es organisiert, alles eingeleitet, dass ich eine unbezahlte Urlaubszeit bekomme von Bayer und bin dann in den Hafen, hab mir ein Schiff gesucht, was mich mitgenommen hat.
Daniel Korth [00:19:14]:
Also Das war dann das, was wir heute als sabbatical kennen.
Stefanie Voss [00:19:17]:
Genau, das war das, was wir heute als sabbatical kennen. Gab’s damals noch nicht. Ich hab einfach gefragt. Ich hatte allerdings klar, ich werd das machen. Ich bin nicht hingegangen, so, ja, ich hab gesagt, ich würde gerne zurückkommen nach der Zeit. Ich stell mir so ungefähr ein Jahr vor. Ist das möglich, ja oder nein? Und wenn ihr sagt, das ist nicht möglich, dann gehe ich trotzdem. Also ich war schon sehr klar in meiner Entscheidung.
Stefanie Voss [00:19:37]:
Ich hatte auch einen Chef in Argentinien, der selber Segler war, der das natürlich auch ein bisschen mitgestützt hat. Und ganz ehrlich, meine ganzen Vorgesetzten, Also die vor Ort in Argentinien, aber auch die Deutschen, die dann darüber entscheiden mussten, die Personalabteilung in Deutschland. Ich glaube, die fanden das auch alle irgendwie cool. Das ist halt, da kommt da so eine Mit-20-erin und sagt, soll ich segeln jetzt mal die Welt? Und jetzt? Das war einfach ungewöhnlich. Die fanden das cool und dann haben die das möglich gemacht.
Daniel Korth [00:20:04]:
Ja, das ist natürlich eine coole Sache. Dein Opa hat auch eine Weltumsegelung gemacht.
Stefanie Voss [00:20:08]:
Genau, mein Opa ist tatsächlich Einhand-Weltumsegler gewesen. Das ist eine ganz spannende Geschichte. Der hat erst Als Rentner angefangen zu segeln, weil er zu Zeiten seiner Berufstätigkeit da keine Möglichkeiten hatte, hat als Rentner segeln gelernt, hat sich ein Schiff gekauft, hat das ausgerüstet und ist tatsächlich einhand, also alleine die Welt gesegelt. Die Karte seiner Weltumsegelung hängt hier bei mir im Büro, da gucke ich jetzt gerade drauf, während wir miteinander sprechen. Ja genau, und war zu seiner Zeit tatsächlich eine Sensation in der deutschen Seglerszene, weil er, also man hat ihm nicht viel zugetraut, weil er ja schon so alt war. Und er war aber dann auf dieser sogenannten Barfußroute durch den Panama-Kanal, also die sozusagen einfache Weltumsegelung, die nicht ums Kap Horn geht, war er dann damals der schnellste Deutsche, der das jemals geschafft hat.
Daniel Korth [00:20:56]:
Das ist aber auch eine schöne Leistung.
Stefanie Voss [00:20:58]:
Ja, super. Ist aber auch schon ein paar Tage her, das war 1971, 72. Okay, Das ist ja wirklich schon ein bisschen her.
Daniel Korth [00:21:02]:
Bei dir war es Ende der 90er. Du bist dann wahrscheinlich die große Route gefahren, oder?
Stefanie Voss [00:21:10]:
Ich bin von Buenos Aires aus quasi nach Hause gesegelt, aber hintenrum, also den langen Weg. Also quasi nicht direkt über den Atlantik zurück nach Europa, sondern halt erstmal die Küste runter, Südamerika rum, dann durch den Pazifik, Australien, Südafrika, dann wieder nach Brasilien, Karibik und dann zurück nach Europa, den langen Weg.
Daniel Korth [00:21:28]:
Okay. Und was hast du von dieser Weltumsegelung dann für deine Karriere mitgenommen?
Stefanie Voss [00:21:32]:
Also ich habe wieder das gleiche Thema aus Butterbrot geschmiert bekommen, wie schon in den USA und in Argentinien. Ich habe eine große Portion Selbstreflexion mitgenommen. Das Besondere auf einem Schiff ist einfach die unglaubliche Enge und auch die lange Dauer, die man ja quasi zusammen eingesperrt ist. Denn wenn man rund Mallorca segelt, kann man natürlich jeden Abend im Hafen irgendwie raus und man hängt sich nicht so auf der Pelle. Wenn man im Pazifik unterwegs ist und man hat halt 14 Tage lang nur Wasser sich rum, ist man 14 Tage mit mehreren Personen auf sehr, sehr engem Raum eingesperrt. Und das ist natürlich ein wunderbarer Nährboden für Konflikte, für Auseinandersetzungen, für genervt sein, für alles, was dazugehört. Und das hab ich auch alles in der vollen Packung mitgenommen. Und hab aber da auch sehr schnell gelernt, dass so eine Opferhaltung und die anderen sind doof und ich bin richtig Ja, das ist halt das Dümmste, was du machen kannst.
Stefanie Voss [00:22:32]:
Damit kannst du dich eine Zeit lang verbarrikadieren. Das ist aber 14 Tage lang überhaupt nicht auszuhalten. Ich hätte die Reise auch fast nach einigen Wochen abgebrochen, weil ich das Zwischenmenschliche so schwierig fand. Hab aber auch da wieder durchgezogen und mich wirklich an meiner eigenen Nase gepackt und die Weltumsegelung war dann sozusagen nochmal das Hardcore-Training in Bezug auf ich bin das Problem, aber zum Glück bin ich auch die Lösung, wenn ich nämlich anfange, meine Haltung und mein Verhalten massiv zu verändern.
Daniel Korth [00:23:01]:
Warst du eigentlich die einzige Frau da auf dem Schiff?
Stefanie Voss [00:23:03]:
Nee, war ich nicht. Wir waren gemischte Crew, international gemischt, alt-jung. Kamen auch von Etappe zu Etappe unterschiedliche Leute dazu. Ich hatte eine schottische Wachführerin, mit der ich die meiste Zeit in einer Wachgruppe war. Es war noch eine Schweizerin an Bord. Es war schon eine Mehrzahl von Männern, aber wir waren durchgemischt. Mh.
Daniel Korth [00:23:25]:
Und du bist ja dann wieder nach Deutschland zurückgegangen. Wie war das für dich? Du warst extrem weiterentwickelt, auch kulturell hast du eine ganze Menge mitgenommen. Und dann kommst du wieder in so einen starren Konzern, wo eigentlich alles seinen Weg geht. Und wo du viele Menschen mit dieser Opferhaltung, die du eben genannt hast, triffst. Wie bist du damit klargekommen?
Stefanie Voss [00:23:46]:
Also lustigerweise war ich tatsächlich auch glücklich wieder zurückzukommen und ich war vor allem auch glücklich wieder zu arbeiten. Das hört sich ganz komisch an, aber so eine Weltumsegelung ist jetzt auch, also es hört sich immer so spannend an, ja, wenn man jetzt die Bilder von Boris Herrmann im Kopf hat. Das ist natürlich mega anstrengend, was der da gemacht hat. Das war natürlich bei uns nicht so. Also erst mal sind wir nicht so sportlich gesegelt. Zum Zweiten waren wir natürlich mehr Leute an Bord. Und ich will nicht sagen, es ist langweilig, aber außer dass du jetzt liest und vielleicht Gitarre lernst oder irgendwelche anderen Dinge. Du kannst ja an Bord eines Schiffes nicht wahnsinnig viel machen.
Stefanie Voss [00:24:21]:
Und ich war tatsächlich, also 14 Monate war ich ja insgesamt unterwegs, ich war so richtig froh, dass ich wieder meinen Grips für irgendwas so richtig einsetzen konnte Und hab mich auch auf die Arbeit gefreut, mal abgesehen davon, ich war nach der Weltumsegelung auch völlig blank, also ich musste auch wieder Geld verdienen. Ich hab mich wirklich gefreut wieder zu arbeiten und mir haben ja vor der Reise viele Leute gesagt, dass ich meine Karriere wegwerfen würde, wenn ich ein Sabbatical mache. Dass das also der größte Karrierefehler ist, den ich überhaupt nur tun kann. Der Witz ist, es war ja genau umgekehrt, es war der beste Schritt, den ich hätte machen können, weil mich danach jeder kannte. Ganz viele Leute haben von mir gehört, bei Bayer wurde in der Mitarbeiterzeitschrift über mich berichtet und ich war so richtig so ein bunter Hund. Und dazu auch noch wirklich von meiner Persönlichkeit her, ja, soll sich nicht arrogant anhören, aber doch echt gereift. Das war natürlich eine sehr gute Kombination. Und ich wollte zurück, ich hatte Lust zu arbeiten.
Stefanie Voss [00:25:19]:
Ich war also ich war wirklich motiviert, auch wieder mich einzubringen, was zu tun, was zu machen. Nee, ich bin damit sehr viel Enthusiasmus und Freude wieder zurück an die Arbeit gegangen.
Daniel Korth [00:25:30]:
Und du bist ja dann relativ schnell auf der Überholspur gesegelt bei Bayer, weil mit 31 Jahren warst du ja Abteilungsleiterin. Genau. Wie kam es denn dazu? Wolltest du unbedingt die Karriere in die eigenen Hände nehmen und nach oben kommen oder kam das einfach so zufällig?
Stefanie Voss [00:25:46]:
Ja, also ich glaube, ich war immer schon ambitioniert und ich habe das auch gesagt, dass ich mir vorstellen kann, Führungsverantwortung zu übernehmen. Dass das so schnell geht, davon war ich sicher selber auch ein Stück weit überrascht. Ich glaub, es hat aber tatsächlich mit der Reise auch zu tun. Ich war durch die Weltumsegelung sehr menschenkompatibel geworden. Ich würd sagen, mit Anfang 20 war ich noch sehr stark auf dem so mit dem Kopf durch jede Wand-Trip. Also vielleicht auch überambitioniert, vielleicht auch zu ehrgeizig. Das ist ja grade als Frau nicht unbedingt günstig. Ja, Du kommst ja ganz schnell in diese Zickenecke.
Stefanie Voss [00:26:19]:
Und ich glaube, durch diesen Schliff, den ich da mir auf den Weltmeeren geholt habe, war ich einfach strategischer und schlauer in meiner Selbstdarstellung und in meiner Selbstvermarktung und habe aber immer gesagt, ich möchte gerne. Es ist ja oft so, dass es auch einen guten Zufall gab. Mein damaliger Chef hat die Stelle gewechselt, seine Stelle wurde frei. Ich hatte immer gesagt, ich möchte das gerne, ich kann mir Führungsverantwortung vorstellen. Dann wurde ich eben gefragt. Wenn er noch drei Jahre länger da gewesen wäre, hätte sich die Chance eben nicht eröffnet. So kam halt die günstige Gelegenheit. Und ja, da hatte man mich dann direkt auf dem Schirm.
Stefanie Voss [00:26:56]:
Und ich habe auch direkt gesagt, klar, mache ich. Und wie das immer so ist. Und ich habe meine neue Visitenkarte bekommen. Das erste Mal Head-off auf der Visitenkarte, yes! Drei Tage später war mein Schwangerschaftstest positiv. Genau.
Daniel Korth [00:27:09]:
Das kam dann wahrscheinlich von deinen Kollegen auch ähnlich, oder? Diese Reaktion.
Stefanie Voss [00:27:15]:
Ja, also ich war ja dann eben schon verheiratet. Und natürlich war auch so, dieses typische Damoklesschwert, kriegt sie jetzt Kinder oder nicht? Das hing natürlich dann schon auch vorher da. Aber dass es natürlich zeitlich genauso zusammenfällt, war ein schöner Zufall. Ich war aber auch ganz klar, dass Kinder für mich jetzt nicht bedeuten, dass ich meine gerade durchstartende Karriere wieder hinhänge. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit meiner damaligen Chefin, unserer Bereichsleiterin, der ich das dann sagte und irgendwie so ein komisches Gefühl hatte. Die guckte mich nur an und sagte so, na ja, also Kind oder hin, Kind oder her, also, du machst doch weiter, oder? Ich sag, ja klar mach ich weiter. Und sie so, na gut, Thema erledigt, kriegen wir hin. Also, hatte ich natürlich dann auch wieder in der Situation, glaub ich, Glück, kam sozusagen zu meiner ganzen Konstellation dazu, weil das war eben auch eine berufstätige Mutter, die sogar einen Mann hatte, der zu Hause sehr viel Verantwortung übernommen hat.
Stefanie Voss [00:28:11]:
Also die klassische Rollenumkehrung, die es natürlich bei Bayer auch noch nicht so häufig gab. Für die war das gar kein Thema, dass ich mit Kind auch weiterhin Abteilungsleiterin sein kann.
Daniel Korth [00:28:21]:
Würdest du denn sagen, in den letzten 10, 15 Jahren hat sich da eine ganze Menge getan, auch was die Rolle der Frau in großen Unternehmen angeht?
Stefanie Voss [00:28:31]:
Also es hat sich eine Menge getan und es hat sich noch lange nicht genug getan. Also ja, es ist eine Bewegung drin, aber die Bewegung müsste noch viel viel viel intensiver und schneller laufen, weil es gibt ja Berechnungen, die sagen, Es dauert noch 100 Jahre, bis die Frauen in gleicher Macht- und Teilhabeposition sind wie die Männer. Nach Corona dauert es wahrscheinlich dann wieder 200 Jahre, weil wir doch sehr zurückgefallen sind in alte Muster. Also ich will nicht sagen, es hat sich nichts getan. Es hat sich eine Menge getan, aber es ist immer noch viel zu viel verkrustet. Und auf Männer- und Frauenseite, für Männer ist es Für Frauen ist es schwierig, diesen Spagat in die Führung, in die Machtposition zu schaffen. Aber für Männer ist es auch nicht einfach, sozusagen den Schritt in die Familienrolle zu schaffen. Das ist ja genau das Gleiche in grün, sozusagen die Rückseite der Medaille.
Stefanie Voss [00:29:21]:
Was passiert mit einem Mann, der sagt, ich möchte gerne mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen und ich möchte mal eine Zeit lang beruflich zurücktreten? Das ist für so jemanden genauso schwierig wie für eine Frau, die sagt, ich möchte mit Kindern Karriere machen. Und da ist in beide Richtungen, glaube ich, noch gerade in Deutschland und gerade in Westdeutschland unglaublich viel Luft nach oben.
Daniel Korth [00:29:39]:
Du hast in deinen Vorträgen auch immer häufiger den Faktor Diversität, den du da vorstellst. Wie ist denn das in deutschen Unternehmen? Wie divers sind die denn? Wahrscheinlich auch noch nicht genug ausgeprägt.
Stefanie Voss [00:29:51]:
Ja, kommt sehr darauf an, wo du bist, in welcher Branche du bist, in welchen Industrien und so weiter, wie groß ein Unternehmen ist. Ich glaube, dass die Deutschen das Thema immer noch sehr unterschätzen. In vielen großen Konzernen erlebe ich leider immer noch, auch jetzt im Jahr 2021, so was, ich nenne das gerne so eine Feigenblatt-Diversity. Also wir haben Diversity-Beauftragungen, wir tun auch total viel und es ist auch uns total wichtig. Aber wenn dann mal jemand mit schrägen Denkansätzen oder neuen Ideen oder ähnlichen Dingen kommt, dann greifen einfach die alten Muster. Es gibt aber schon auch Unternehmen, gerade auch im Start-up-Bereich oder in neueren, frischeren Unternehmenskulturen, die da sehr aufgeschlossen sind. Jetzt muss man fairerweise sagen, ich will da gar nicht den Großkonzernen jetzt so den Finger auf die zeigen und sagen, ihr bösen, bösen, großen, dicken Konzerne, ihr tut euch am schwersten. Letztendlich haben die einfach auch sozusagen die Belastung eines kulturellen Erbes.
Stefanie Voss [00:30:47]:
Es ist viel einfacher, eine neue Kultur neu zu etablieren, als eine alte Kultur umzuwandeln. Insofern finde ich, kann man jetzt den großen DAX-Konzernen auch nicht den Vorwurf machen, das geht alles nicht schnell genug. Es müsste viel, viel schneller gehen. Sie könnten grundsätzlich viel, viel mehr tun, aber es ist unglaublich schwierig, eine über Jahrzehnte gewachsene und verfestigte Kultur aufzubrechen. Das muss man, finde ich, auch anerkennen.
Daniel Korth [00:31:10]:
Ja, aber genau das ist ja auch das Problem, dass wir gegenüber jetzt den Amerikanern beispielsweise auch zurückfahren, weil da ist das Thema Diversity halt wesentlich ausgeprägter
Stefanie Voss [00:31:20]:
und
Daniel Korth [00:31:20]:
da hast du nicht diese engen, starren, verkrusteten Strukturen wie hier in Deutschland und das ist natürlich ein klarer Vorteil aus meiner Sicht.
Stefanie Voss [00:31:27]:
Ja, das hat sicherlich viele verschiedene Gründe. Einer der Gründe in Deutschland, und jetzt werden mich wahrscheinlich alle Gewerkschafter und so weiter hassen. Das Problem ist natürlich auch in Deutschland, dass wir relativ wenig Fluktuation haben. Leute verlassen Unternehmen nicht häufig genug, beziehungsweise es gibt nicht genug Durchmischung. Wenn du eine Kulturveränderung willst, ist es natürlich schön, Leute zu trainieren und so weiter. Aber wenn du frisches Blut, sag ich jetzt einfach mal, reinbringen kannst, passiert viel schneller, viel mehr. Und das verhindert natürlich ein Stück weit auch die Struktur des deutschen Angestelltenverhältnisses. Da kommen so systemische Probleme und individuelle Probleme ein Stück weit zusammen.
Stefanie Voss [00:32:05]:
Und eins muss man natürlich auch sagen, die Amerikaner haben natürlich auch in ihrem Grund, ja Arbeitsmarkt, schon eine hohe Diversität durch die schwarzen Amerikaner, durch die Hispanics und so weiter. Das haben wir natürlich in Deutschland auch, aber ich glaube nicht in der Intensität. Mhm.
Daniel Korth [00:32:20]:
Du hast ja dann 2009 deinen Kurs noch mal komplett geändert und hast dich selbstständig gemacht. Was waren denn die Gründe dafür, dass du auf die Corporate-Karriere dann verzichtet hast?
Stefanie Voss [00:32:30]:
Also, erst mal ganz wichtig, ich bin jetzt kein Corporate-Hasser und hatte nicht, wie das so häufig ist, so, ich hab die Schnauze voll, ich muss da raus. Das war es nicht. Es war ein Lebensereignis, ja, letztendlich tragischer Art, mit gutem Ausgang. Ich hatte bei meiner zweiten Schwangerschaft eine schwere und leider sehr spät entdeckte Form einer Schwangerschaftsvergiftung, also eine schwere Erkrankung in der Schwangerschaft. Und mein zweiter Sohn und ich, wir sind wirklich, ja wir sind echt von der Schippe gesprungen. Also Wir haben diese Geburt beide mit Ach und Krach überlebt. Wir sind heute beide gesund und glücklich. Aber es war ein Schlag vor den Bug der besonderen Art, weil wir das eben fast nicht geschafft hätten.
Stefanie Voss [00:33:12]:
Wir waren nach der Geburt, mein Mann und ich, Ich war noch relativ lang im Krankenhaus. Mein Mann und ich haben ein langes Gespräch geführt mit der Ärztin, die mich entbunden hat und gesagt hat, Frau Voss, Sie hatten so viel Glück. Und wenn Sie 20 Minuten später hier gewesen wären, ich hätte nichts mehr für Sie tun können. Und die guckte mich an und sagte, immer wenn mir so was passiert, wenn ich solche Patienten habe, gebe ich denen einen Gedanken mit, schauen sich das letzte Jahr an. Stellen Sie sich vor, es wäre Ihr letztes gewesen. Was würden Sie noch mal so machen und was würden Sie verändern? Danach haben mein Mann und ich lange, lange, lange und viel, viel, viel gesprochen. Und uns war beiden klar, wir möchten beide arbeiten, wir möchten beide eine Familie haben. Aber die Menge an Arbeit, vor allem in meinem Leben, das Pensum oder der Anteil an Arbeitszeit zu Familienzeit war viel zu hoch.
Stefanie Voss [00:34:00]:
Mhm. Und ich möchte das ändern. Ich wusste noch überhaupt nicht, in welche Richtung und wie und was. Ich wusste, ich will arbeiten und ich möchte eine Familie haben, aber ich wusste eben, diese Stelle, die ich sehr geliebt habe, ich hatte einen tollen Job, ich hatte ein super Team, aber diese Stelle mach ich nicht weiter. Weil die kann ich nicht mit wesentlich weniger Zeit Einsatz machen. Und bevor ich jetzt entscheide, was ich tue, mache ich erst mal einen Cut und werde vor allem erst mal wieder gesund. Ich war wirklich auch sehr schwer erkrankt. Und hab dann gesagt, okay, dann nehme ich jetzt erst mal Elternzeit, dann nehme ich mir erst mal eine Auszeit, Dann gebe ich jetzt diese Stelle weg und sortiere mich einfach neu.
Stefanie Voss [00:34:34]:
Das war dann der Startpunkt für die Selbstständigkeit.
Daniel Korth [00:34:39]:
Aber meinst du denn, dass es generell so ist, wenn irgendetwas in das Leben tritt, ob das so eine Krankheit ist oder irgendwas anderes, dass die meisten Menschen erst dann darüber nachdenken, dass sie zu viel arbeiten, dass der Job ihnen keinen Spaß macht. Warum ist es denn nicht so, dass man generell mal darüber nachdenkt?
Stefanie Voss [00:34:57]:
Ja, also ich würde mir wünschen, dass wir von anderen lernen können. Aber ich glaube, solche Erfahrungen, solche Schicksalsschläge auch, sind einfach echte Aufwecker und die wecken dich nicht auf, wenn es dich nicht ganz persönlich betrifft. Leider. Also manchmal gelingt das vielleicht und an ein oder anderen Stelle gibt es sicherlich Menschen, die durch etwas aus ihrem Umfeld, was sie nicht so direkt persönlich betrifft, so eine Veränderung schaffen. Ich hätte das ohne dieses Ereignis selber nicht geschafft.
Daniel Korth [00:35:27]:
Und wie bist du dann weiter vorgegangen? Weil Du hattest ja jetzt quasi auch noch gar keine Idee, was du dann weitermachen kannst, oder?
Stefanie Voss [00:35:35]:
Ja, ich hab Ich weiß noch, da war ich sogar noch ziemlich krank zu der Zeit, aber mein Gehirn lief schon wieder, mein Körper wollte noch nicht, aber mein Geist war schon wieder, ah, was mach ich denn jetzt? Ich hab hier gesessen und hab mir überlegt, ich möchte irgendwie einen Firmennamen haben. Ich wusste noch nicht, was ich machen wollte, aber ein Firmenname musste her. Und Stefanie Voss, also meinen Namen als Firmennamen, fand ich irgendwie total unsexy. Dann hab ich noch zu meinem Mann gesagt, das weiß ich noch, ich muss irgendwas finden, womit man einen Café eröffnen könnte, womit man eine Kleidungsmarke machen könnte oder eine Beratungsfirma. So einen Namen brauch ich, weil ich einfach noch gar nicht weiß, was ich machen will. Genau, und dann hab ich gesucht, dann wurde es der Name Cutwater, das ist ein Segelbegriff, und der heißt so Wasserschneider, Wellenbrecher. Weil die Domain auch noch frei war. Das war natürlich auch ein wichtiges Kriterium und letztlich bin ich natürlich dann schon in meinen alten Beritt ein Stück weit zurückgegangen.
Stefanie Voss [00:36:28]:
Ich habe angefangen mit Kommunikationsberatungen und mit Workshops und mit Moderationen, weil ich davon schon viel Ahnung hatte. Es hat sich dann eben entwickelt zu dem, was es heute ist. Halt nicht mach Coachings, ich mache Workshops und ich mache Vorträge und habe den Namen Cutwater sehr lange Zeit sehr intensiv genutzt. Jetzt bin ich mehr oder weniger nur noch unter meinem eigenen Namen unterwegs, weil ich ja eine Personenmarke letztendlich mit meinen Produkten auch bin. Aber nee, ich hab’s iterativ entwickelt. Also ich hab mir überlegt, was macht mir Spaß, was macht mir Freude, und das tue ich bis heute. Also ich gucke immer wieder, was nehme ich jetzt dazu, was höre ich auf, was macht mir noch Freude, was macht mir keine Freude mehr. Natürlich auch betriebswirtschaftlich, was bringt Kohle, was nicht.
Stefanie Voss [00:37:10]:
Ja, und so hat sich’s Stück für Stück entwickelt, sehr langsam am Anfang. Also die ersten zwei, drei Jahre war ich wirklich, ja, auch noch sehr familiär natürlich eingespannt mit zwei Kleinkindern. Und so mit der Zeit habe ich dann aber immer mehr Momentum bekommen. Und ja, und jetzt so die letzten zwei, drei Jahre ist es wirklich sehr, sehr gut gelaufen, sehr intensiv, naja bis Corona kam. Aber ja, hat sich die Selbstständigkeit so Stück für Stück aufgebaut.
Daniel Korth [00:37:39]:
Das heißt, du hältst jetzt unterschiedliche Vorträge und hast du darüber hinaus noch bestimmte Punkte, die du hast, also Coachings oder so?
Stefanie Voss [00:37:47]:
Genau, also ich hab mich selbstständig gemacht und das ist vielleicht auch ein wichtiger Punkt für alle, die auch über diesen Schritt nachdenken. Ich hab immer gewusst, ich will drei Standbeine haben. Also mir war ganz klar, ich mach nicht nur eine Sache, ich möchte unterschiedliche Dinge machen. Einfach aus dem Grund, hat mir auch mal mein Steuerberater hinter die Ohren geschrieben, wenn sie drei Standbeine haben und einer bricht weg, dann stehen sie noch auf zwei Beinen. Ganz wichtige, ganz wichtige selbstständige Lehre. Und genau, diese drei Standbeine habe ich eben durch die Workshops, also Workshops, Training, Fortbildung, wie du es nennen möchtest. Dann mache ich eben Einzelcoachings und der dritte Teil sind die Vorträge, die ich über eine Redneragentur vermarkte. Also da bin ich ganz klassisch in diesem Rednergeschäft und habe eine Agentur, die mich und meine Themen eben an den Mann und die Frau bringt.
Daniel Korth [00:38:35]:
Okay und eins deiner Themen ist ja die schon erwähnte Piratenstrategie. Geht es da tatsächlich nur das Thema Wagemut oder steckt da noch mehr dahinter?
Stefanie Voss [00:38:44]:
Also es geht Natürlich, die übergeordnete Thematik ist der Wagemut. Und ich möchte einfach zeigen, wie unterschiedlich Wagemut gelebt werden kann. Was das auch heißt, so den Status quo haben wir schon immer so gemacht, hinter sich zu lassen. Und es ist auch, es ist natürlich eine klassische Keynote, es ist schon auch eine Menge Entertainment drin, also da sind einfach auch viele schöne Seeräuber-Geschichten drin. Ja, eine gute Keynote muss ja unterhalten. Also du willst ja nicht Fakten vermitteln, sondern da sind einfach auch sehr, sehr schöne Geschichten drin. Und es ist wirklich so ein liebevolles Anstupsen von, ja, wir müssen auch Dinge lernen und Potenziale sind wichtig und dass ich mir Skills aneigne, ist alles wunderbar. Aber wir vergessen häufig, dass es dann doch noch diesen, ich nenne das so gerne, so diese Gänsehautmomente braucht.
Stefanie Voss [00:39:35]:
Also mich selber immer wieder dazu zu zwingen, mir neue Erfahrungen zuzumuten. Der Klassiker ist ja raus aus der Komfortzone, aber ich mag diesen Satz nicht mehr so gerne. Also Dass ich mir selber immer wieder Gänsehautmomente zumute. Das ist schon das Kernthema. Und das ist ja auch, ganz ehrlich, das ist jetzt gerade das Riesenthema. Was haben wir denn das ganze letzte Jahr gemacht? Wir haben ständig Dinge gemacht, wo wir gedacht haben, fühlt sich nicht gut an. Und das ist ja genau das. Und ich finde, dass es, sagen wir mal, wenn ich an Corona irgendetwas positiv sehen kann, dann ist es, dass wir alle gelernt haben, dass wir sehr veränderungsfähig sind, wenn es denn mal sein muss.
Daniel Korth [00:40:14]:
Mhm. Wo wir grad schon beim Thema sind, ähm, Veränderung ist natürlich, wie du schon sagst, das absolute Top-Thema. Aber warum ist es denn immer noch so wichtig, immer wieder neu zu denken und zu handeln, also sowohl privat als auch beruflich?
Stefanie Voss [00:40:28]:
Naja, ich glaube, Also wenn ich mir die Generationen meiner Eltern angucke, dann haben die, auch wenn sich in deren Leben viel verändert hat, gewisse Phasen von Stabilität. Und wir reden ja jetzt immer wieder von der neuen Normalität. Wann kommt die neue Normalität? Ich finde das Wort Normalität schwierig. Weil ich mich frage, ob so was überhaupt wiederkommt. Also wird’s irgendwann wieder so was geben, wo wir sagen können, das ist normal. Und Normalität hat ja, gerade wenn du jetzt wieder diesen Diversity-Aspekt dir anguckst, hat ja auch eine schwierige Komponente im Sinne von, also ich bin ja normal, und du bist ja komisch. Und ich glaube, dass wir so ein Konzept von so ist es jetzt und so bleibt es jetzt auch erst mal, dass wir uns davon ein Stück weit verabschieden können. Sondern dass wir uns mehr darauf einstellen müssen als Menschen, dass dieses Unverlässliche und Unkalkulierbare, dass das nun mal etwas ist, was die Welt nicht mehr loswerden wird.
Stefanie Voss [00:41:23]:
Wir können uns jetzt drüber aufregen, das können wir furchtbar finden. Wir mögen halt alle Gewohnheiten und Normalität. Aber sich an einem Konzept von gestern oder vorgestern festzuhalten, ist natürlich auch nicht sinnvoll, wenn ich nach vorne denken möchte, wenn ich ja, wenn ich auch so was wie Glück wieder empfinden möchte, wenn mein Glück davon abhängt, dass die Dinge stabil sind, dann wird es in der Zukunft verdammt schwierig, glücklich zu sein.
Daniel Korth [00:41:45]:
Ja, das sehe ich ja genauso. Und das fängt ja schon damit an mit dem Thema Homeoffice oder nicht. Also gerade viele Führungskräfte stehen dem Homeoffice ja immer noch kritisch gegenüber. Jetzt blieb ihnen nichts anderes übrig und sie müssen künftig damit klarkommen. Genauso ist es natürlich als Arbeitnehmer muss ich auch damit klarkommen, dass ich jetzt häufiger von zu Hause arbeite und dann eben auch mit den Ablenkungen zu kämpfen habe immer wieder.
Stefanie Voss [00:42:08]:
Ja, ja, ja, genau. Mhm. Also, es ist, ähm, es fordert viel von uns. Das Schöne, finde ich, ist es, dass es eben solche Dinge wie Homeoffice natürlich auch befördert. Wobei, das ist ja auch wieder spannend, ich hab jetzt wieder Projekte zur Teamentwicklung. Beziehungsweise hab grade in meinem Videoblog ein Video gemacht, was durch die Decke geschossen ist für das, was ich normalerweise an Traffic habe. Da ging’s die Frage, wie krieg ich wieder den sozialen Schmierstoff in diese elektronische Arbeit? Ja, weil uns das ja fehlt. Wir stehen nicht mehr in der Kaffeeküche, wir hauen einander nicht mehr auf die Schulter, so lustig und so, wir drücken einander keine blöden Sprüche mehr.
Das fehlt ja alles. Und das kann natürlich, wenn ein Team gut eingespielt ist, ist das überhaupt kein Problem, wenn das zwei, drei Monate mal nicht mehr da ist. Sind wir ein Jahr isoliert. Bald ein Jahr, ne? Und das selbst gut eingespielte Teams merken jetzt, dass sie in ihrer digitale, virtuelle Zusammenarbeit irgendwie diesen sozialen Schmierstoff wieder reinkriegen müssen, weil ohne geht’s nicht. Und ja, das ist natürlich auch irgendwie spannend. Also ja, wir wollen mehr digitalisieren, Wir wollen flexibler sein und so weiter. Aber wir müssen uns doch auch begegnen. Wir müssen uns doch auch menschlich erleben.
Wir sind soziale Wesen. Und die Kamera über dem Laptop ist einfach für gewisse Dinge ein Ersatz, der okay ist. Aber auf Dauer ist es nichts. Nee. Also, was nachhaltig Vertrauen und Vertrautheit aufbauen kann.
Daniel Korth [00:43:38]:
Ich merke das ja bei mir auch selber mit der Selbstständigkeit. Das war ja auch eine komplette Umstellung. Ich hatte vor der kompletten Selbstständigkeit ja auch meinen Job. Da war ich aber auch nur ein paar Wochen im Büro. Und von daher war das dann von jetzt auf gleich auch ein harter Cut. Also mit null persönlichem Kontakt. Und das ist schon echt schwer über mehrere Monate.
Stefanie Voss [00:43:58]:
Ja, und für Selbstständige, für die Einzelselbstständigen, so wie du, so wie ich, ist es total wichtig, sich ein sehr gutes Netzwerk aufzubauen, sich innerhalb von liebgewonnenen Kolleginnen und Kollegen immer wieder austauschen zu können. Ich treffe mich tatsächlich, also jetzt natürlich im Moment nicht, jetzt eher nur zum Spazierengehen, Aber ich treffe mich wirklich häufig auch, ich sag mal, einfach nur zum Quatschen mit Menschen hier aus meinem Umfeld, die so ähnliche Dinge tun wie ich, weil ich diesen persönlichen Austausch natürlich brauche. Ich bin diszipliniert, ich kann supergut alleine über Tage mich hier in meinem Büro konzeptionell mit Dingen beschäftigen, überhaupt gar kein Problem. Aber ich brauche auch den Austausch, nicht nur den beim Kunden, sondern auch diesen entspannten Austausch unter Kolleginnen und Kollegen. Den, glaube ich, braucht jeder Einzelselbstständige. Ja,
Daniel Korth [00:44:43]:
absolut. Welchen Einfluss hat denn Corona jetzt auf deine drei Standbeine? Hast du da was geändert im vergangenen Jahr?
Stefanie Voss [00:44:50]:
Ja, ich bin noch dabei, Dinge zu verändern. Grundsätzlich war die Drei-Standbein-Strategie auf jeden Fall eine gute Wahl. Zusätzlich zu den drei Standbeinen hab ich auch sehr solide immer von Anfang an meiner Selbstständigkeit Rücklagen gebildet, die mich ein Stück weit geschützt haben. Aber Corona hat mich auch volle Kanne getroffen. Ich hatte in der Zeit zwischen, ich glaub, dem 10. März und dem 30. März, als es richtig zur Sache ging, sind mir innerhalb von diesen zwei, zweieinhalb Wochen, ist mir ein mittlerer, fünfstelliger Betrag, ich glaube, es waren am Ende knapp 60.000 Euro, an Absagen ins Haus gekommen. Und jetzt kann ich darüber relativ locker sprechen.
In dem Moment saß ich wirklich hier und hab die Welt nicht mehr verstanden und hab nur gedacht, ach du Scheiße, was machst du denn jetzt? Weil ganz ehrlich, meine Selbstständigkeit ist nicht so ein Hobby, sondern unser Familieneinkommen baut auch auf meine Tätigkeit und nicht nur auf die Anstellung meines Mannes, der ist festangestellt. Und ich war auch sehr verzweifelt, ganz ehrlich. Ich hab die Welt nicht mehr verstanden und hab nur gedacht Und dann hab ich relativ schnell, schon so Ende März, Anfang April, hab ich gedacht, okay, alles klar, das Geld ist jetzt erst mal futsch, das holst du auch nicht wieder. Das war ja absehbar, dass sich bis zum Sommer erst mal akut nichts wirklich verändern wird. Und dann hab ich, ja, ich bin ja Coach, also ich propagiere selbst Coaching, ja, hab ich mich hingesetzt und hab gesagt, okay, also jetzt stellen wir uns doch einfach mal vor, die Führungskräfteentwicklung, die Trainings, die Vorträge, die kommen nicht mehr oder fast nicht mehr wieder. Was wäre denn dann? Was würde ich eigentlich machen, wenn meine Branche nicht mehr existiert? Ja, das war natürlich sehr schwarz gemalt in dem Moment, aber hey, ne Disruption heißt ja mal ganz anders denken. Und ich hatte dann nach einigen Stunden eine Idee, die mir schon lange so mal im Hinterkopf geschwebt hat, die habe ich dann relativ klar für mich definiert und habe mir einen richtigen Plan B zurechtgelegt. Habe gesagt, okay, ich gucke jetzt mal, Ich warte jetzt bis zum Sommer und wenn sich abzeichnet, dass mein Markt wirklich dermaßen zusammenbricht, dass da für mich keine vernünftige Einkommensperspektive mehr möglich wird, dann mache ich was anderes und mein Plan B passt schön in deinen Podcast.
Stefanie Voss [00:46:59]:
Ich habe mir überlegt, dass ich eine Schreinerlehre mache.
Daniel Korth [00:47:01]:
Genau, das Thema hatte ich ja auch schon vor kurzem.
Stefanie Voss [00:47:03]:
Genau. Genau, also das war so ein bisschen, dass ich gedacht habe, okay, was brauchen die Menschen immer? Woran habe ich Spaß? Was kann ich mir auch vorstellen, wirtschaftlich gut zu betreiben? Also wo braucht es auch so meine anderen Talente, nämlich Marketing und Betriebswirtschaft und einen Sinn für Qualität und gute Kundenansprache und alles das, was ich jetzt auch schon kann und mache. Und eben meine Liebe fürs haptische Arbeiten, die hab ich dann gedacht, okay, ich bin schlau, ich krieg so eine Schreinerlehre relativ schnell durchgezogen, Dann mach ich das. Dann fang ich jetzt noch mal an. Ich hab noch 20 Jahre zu arbeiten, vielleicht noch ein paar Jahre mehr. Dann investier ich noch mal ein paar Jahre in mich. Und dann geht die dritte Karriere los. Und ich hatte ja erlebt, dass in den letzten zwölf Jahren meine zweite Karriere sich sehr erfolgreich entwickelt hat und hab natürlich auch ein gewisses Grundvertrauen.
Klar, mein Mann hat hier im Mai gesessen und gesagt, du wirst kein Schreiner, du machst weiter. Mach auf mit dem Quatsch. Aber für mich war einfach dieses Gefühl, ich hab einen Plan B und wenn es alles zusammenbricht, dann weiß ich, in welche Richtung ich weiterarbeite. Das hat mir so viel Sicherheit gegeben, dass ich dann in meinem Plan A, also in meinem echten Business, relativ schnell aus dieser Schockstarre rausgekommen bin und dann natürlich wieder die Fühler ausgestreckt habe, was geht jetzt noch. Und das Vortragsgeschäft ist fast komplett zusammengebrochen. Ja, ich habe noch Vorträge, aber im Vergleich zu dem, was vorher war, ist es ein Witz. Dafür ist jetzt das Coaching-Business gerade ganz, ganz intensiv. Alle Leute wollen Coaching machen.
Ich habe ein Online-Coaching- Produkt. Also da ist jetzt wieder ganz, ganz viel und da hat sich diese Drei-Säulen-Strategie total bewährt. Es ist ein Teil fast komplett weggebrochen, die anderen beiden haben das jetzt nicht komplett aufgefangen, aber ich schwimme nicht. Ja, Ich bin also 2020 war finanziell eine ziemliche Katastrophe, aber wie gesagt, ich habe Rücklagen. Ich habe von den Rücklagen leben können. 2021 wird wahrscheinlich so lala. Auf der anderen Seite, das ist eben auch Selbstständigkeit. Es gehört ja auch dazu. Wir tragen ein unternehmerisches Risiko.
Daniel Korth [00:49:05]:
Du hast ja jetzt auch ein neues Vortragsthema entwickelt. Das heißt Souverän durch die Krise. Du hast es ja eben schon gesagt. Ein Jahr Corona-Pandemie und alle gehen auf dem Zahnfleisch. Wie hole ich mich denn selber jetzt wieder aus diesem Tief raus?
Stefanie Voss [00:49:19]:
Also ich habe schon gesagt, was ich Corona zumindest positiv abgewinnen kann, es ist, es fordert von uns die Auseinandersetzung mit uns selbst. Souverän heißt ja nicht locker. Souverän heißt auch nicht grundsätzlich immer nur optimistisch und happy smiling und so weiter, sondern souverän heißt, ich kann auch mit meinen schwierigen Emotionen umgehen. Und die Antwort, es ist so banal, aber die Antwort ist immer wieder Selbstreflektion. Also immer wieder, ich bin hier in einer Situation, Ich bin total dünnhäutig, ich schnauze mein Kind an, weil mein Kind seine Hausaufgaben nicht so macht, wie ich mir das vorstelle. Und mir gelingt es Gott sei Dank relativ schnell, in diese Metaperspektive zu gehen und zu sagen, Mensch, Stefanie, schau mal, du bist angespannt. Dieses, das und das und das führt dazu, dass du dieses und dieses Verhalten zeigst. Jetzt tu mal was für dich, geh mal eine Runde spazieren, koch dich mal runter, weil dein Sohn kann wirklich nichts dafür, dass du gerade so genervt bist.
Ja, der ist ja auch genervt. Also wir haben, mein Jüngerer ist zwölf, der sagte gestern noch zu mir, der sagte, Mama, wir müssen mal diese Regel einführen, jeder darf einmal am Tag ausrasten. Und erst beim zweiten Mal kriegt man Ärger. Ja, weil wir natürlich, wir hocken, also ich bin normalerweise sehr viel unterwegs. Wir hocken jetzt alle schon so lange aufeinander. Und wir haben natürlich, wir sind totaler Luxus, also wir haben Platz und ich habe ein eigenes Zimmer, mein Mann hat ein eigenes Büro bei uns im Haus, also wir haben wirklich unter allen Rahmenbedingungen einen super Luxus und trotzdem sitzen wir hier und gucken uns manchmal an und sagen, Meine Kinder sagen auch, ey, wann reißt du denn endlich mal wieder? Also, ja, das Und die Selbstreflexion in der Krise, souverän durch die Krise, heißt für mich, ich guck mich immer wieder aus der Metaperspektive an, und einen Punkt find ich noch ganz wichtig, ich gehe liebevoll mit mir Also ich beschimpfe mich nicht dafür, dass ich Dinge tue, die ich eigentlich nicht tun will, sondern ich sage, Mensch, okay, das ist dir jetzt passiert, das war jetzt doof, du kannst dich entschuldigen und du kannst dir auch selber sagen, Mensch, ich darf auch im Moment mal angefressen sein. Ja. Also Dünnhäutigkeit zu unterdrücken, so nach dem Motto, ich muss aber jetzt funktionieren, das ist ja totaler Blödsinn, sondern ich sag immer, so emotionale Agilität heißt ja, ich kann auch durch schwierige Phasen durchgehen und kann in der Zeit liebevoll mit mir sein und mir selber auch mal erlauben, mich kacke zu fühlen, genervt zu sein, angefressen zu sein und dann aber eben sozusagen nach Strategien zu suchen, da gut durchzukommen.
Und das ist, egal Corona hin oder her, das ist für jede Selbstständigkeit natürlich ziemlich wichtig. Also, dass ich mich selber immer wieder stabilisieren kann und mich selber immer wieder reflektieren kann und sagen kann, na gut, war jetzt nicht ideal, aber dann eben nicht in so ein Bashing, was bist du für ein Idiot, was für ein Scheiß, was hast du da gemacht? Sondern, okay, du bist echt unter deinen Möglichkeiten geblieben. Was hast du jetzt gelernt und was machst du das nächste Mal anders?
Daniel Korth [00:52:10]:
Und hast du jetzt da eine Menge aus Corona gelernt und dir neue Ziele gesetzt? Oder Wie sieht deine Zukunft aus für die nächsten ein, zwei Jahre?
Stefanie Voss [00:52:19]:
Ich habe schon gelernt, also die Schreinerlehre, den Plan B, diesen Zettel, den gibt es, der liegt in der Schublade. Nein, ich bleibe aber, so wie es zumindest im Moment aussieht, bei meinem Grundbusiness. Was ich aber gelernt habe, ist mich noch weiter zu diversifizieren. Nicht, dass ich noch ein viertes Standbein dazu nehme, sondern ich bin sehr stark, oder ich bin eigentlich fast zu 100% im B2B-Business unterwegs gewesen. Also meine Kunden waren immer Personalabteilungen, Coaching, Einkäufer, etc. Also Ich bin sehr, sehr stark im B2B-Bereich und ich baue jetzt ganz bewusst und ich glaube, durchaus strategisch auch einen B2C-Bereich auf. Also versuche mehr Produkte auch für Endkunden zu entwickeln, für Privatkunden zu entwickeln. Mich auch in diesem ganzen Online-Bereich noch mal stärker zu etablieren, mich eben einfach auf noch mehr Beine zu stellen, in meinen drei Standbeinen einfach die Kundenbasis nochmal massiv auszuweiten.
Daniel Korth [00:53:10]:
Na, ich drück dir auf jeden Fall ganz fest die Daumen, dass das alles auch so klappt. Ja, danke. Bevor wir jetzt zum Ende kommen, würde ich gerne noch das obligatorische Wordshuffle mit dir machen. Das heißt, ich nenne dir Begriffe, du sagst, was dir dazu einfällt. Und beginnen möchte ich mit einem Begriff, der kam jetzt häufiger vor, aber wir haben nicht ausführlich darüber gesprochen, nämlich gute Führung.
Stefanie Voss [00:53:28]:
Gute Führung ist in allererster Linie ein ganz guter Kontakt zu mir selber. Weil nur wenn ich in ganz gutem Kontakt zu mir selber bin, kann ich in gutem Kontakt zu anderen Menschen stehen. Und wenn ich dann auch noch eine Idee oder eine Richtung habe, die ich vermitteln kann, dann ist das gute Führung.
Daniel Korth [00:53:45]:
Sehr schön kompakt zusammengefasst. Der nächste Begriff ist Agilität.
Stefanie Voss [00:53:50]:
Ja, Agilität ist mittlerweile ein Buzzword, was leider furchtbar verbrannt ist und wo viele Menschen schon die Augen rollen, wenn sie es nur hören. Also das, was vor fünf Jahren Change war, das ist heute Agilität. Ich kann keine Socke mehr hören. Agilität heißt für mich, dass ich meine Denk- und Verhaltensmuster immer wieder reflektiere, hinterfrage und mir bewusst neue Erfahrungen zumute.
Daniel Korth [00:54:15]:
Okay. Der nächste Begriff, haben wir auch schon darüber gesprochen, das ist Argentinien.
Stefanie Voss [00:54:20]:
Argentinien ist ein wunderschönes Land mit wunderbaren Menschen, die allerdings leider eine Menge dafür tun, völlig unter ihren Möglichkeiten zu bleiben.
Daniel Korth [00:54:29]:
Woran liegt das?
Stefanie Voss [00:54:31]:
Ja, es ist eine Mentalität, die eigentlich super herzlich und super nett ist, aber doch so von Korruption und Unverbindlichkeit und auch ein Stück weit von Egoismus geprägt ist, dass es ganz schwierig ist, Argentinien auf einen grünen Zweig zu bringen. Also die Argentinier, ach, es ist ein traumhaftes Land. Dieses Land könnte eines der reichsten Länder der Welt sein. Die haben alles, was man dafür braucht. Und sie machen es aber leider selber an vielen Stellen kaputt.
Daniel Korth [00:55:00]:
Bist du denn noch mal da nach deiner Zeit dort?
Stefanie Voss [00:55:02]:
Nee, ich war leider nicht mehr da. Wobei nach meiner Zeit kam auch irgendwann die Wirtschaftskrise, dann war es auch wirklich schwer. Es ist eines der Dinge auf meiner Bucketlist, noch mal nach Argentinien zu reisen und es mit den Augen von heute noch mal zu sehen. Ich möchte es auch gern meinen Kindern zeigen. Und meinem Mann, der war auch noch nicht da. Aber es hat sich noch keine Gelegenheit ergeben. Ich habe sehr schöne Erinnerungen, aber tatsächlich auch sehr schwierige Erinnerungen. Weil es ist wirklich traurig, Was alles möglich wäre und was aber eben alles nicht passiert, weil die Dinge so sind, wie sie sind in Argentinien.
Daniel Korth [00:55:37]:
Dann kommen wir jetzt zu einem Begriff. Da habe ich überhaupt nicht verstanden, was dahinter steckt. Aber das taucht bei dir auf der Seite auch immer wieder auf, nämlich WUKA.
Stefanie Voss [00:55:45]:
Ja, VUKA ist ein Akronym aus dem Amerikanischen Volatilität, Unsicherheit, Komplexität und Ambiguität. Und das ist jetzt alles furchtbar kryptisch. Ich übersetze das immer so. WUKA heißt, wir leben in einer Welt, in der Unkalkulierbarkeit die Norm ist. Wir leben in der WUKA-Welt. Der Begriff wurde von dem amerikanischen Militär geprägt, als sich die klassische Kriegsführung verändert hat. Man hat nicht mehr mit Panzern aufeinander zugerollt, sondern man hat auf einmal Grabenkriege geführt usw., Guerillakriege. Dann haben die Amerikaner gesagt, das ist eine VUCA World.
Und so in den letzten 20, 25 Jahren ist dieser Begriff dann in die Businessliteratur rübergeschwappt. Zunächst in den USA, jetzt immer mehr bei uns. Und VUCA heißt, also Corona ist ganz klassisch VUCA.
Daniel Korth [00:56:32]:
Okay.
Stefanie Voss [00:56:32]:
Ja, das kommt die Ecke. Du hast keine Ahnung, wie sehr es dich betrifft. Und auf einmal hat es dein ganzes Leben im Griff.
Daniel Korth [00:56:39]:
Und du musst dann gucken, was du daraus machst.
Und du musst gucken, was du daraus machst und wie du dich, wenn von außen keine Stabilität mehr kommt, Kann die Stabilität nur noch von innen kommen und dann ist eben die große Frage, wie kriege ich mich stabilisiert, wenn mich herum mir alles die Ohren fliegt.
Daniel Korth [00:56:54]:
Ja, damit sind wir dann auch beim nächsten Begriff. Es ist dann auch ein langer Weg hin zum Erfolg. Also Erfolg ist der Begriff.
Stefanie Voss [00:57:00]:
Ja, Erfolg ist was sehr Persönliches und was sehr Individuelles und Erfolg ist für mich, ja, ich glaube, da sind wir wieder da, wo ich am Anfang war, Erfolg ist für mich, das Gefühl zu haben, ich bin mit den richtigen Menschen jetzt genau in dem Moment am richtigen Ort. Dann fühle ich mich glücklich, dann habe ich das Gefühl, ich habe in meinem Leben, ja, ich habe in meinem Leben was, was erreicht. Ja, für mich ist Erfolg wenig materialistisch und sehr wenig monetär.
Daniel Korth [00:57:27]:
Okay, das ist eine interessante Sichtweise, aber Du hast recht. Also, es ist immer Definition da. Dann kommen wir zum nächsten Begriff, das ist Segeln.
Stefanie Voss [00:57:36]:
Ja, Segeln ist die wunderbarste Art, der Welt und sich selbst zu begegnen. Also, Segeln ist einfach, mach dich demütig, die Welt da draußen, wenn du auf einem Schiff bist, mitten auf dem Ozean, dann wird dir mal klar, wie klein und unbedeutend du selber bist. Und wie schön die Welt ist. Und gerade diese eben nicht so vollgestopfte Welt. Du hast ja auf dem Ozean nichts außer Wasser und Himmel. Und das ist aber so mächtig und so gewaltig. Ich bin auch Also, das hat nachher Für mich war das die Faszination meiner Weltreise, nicht die Küsten und die Orte, sondern ich war einfach unglaublich gerne draußen. Also, Wir hatten ein Wachsystem, sechs Stunden Freiwache, drei Stunden Wache und die Wache morgens drei bis morgens sechs, die viele Leute hassen, weil du halt halb drei aufstehen musst.
Für mich war das die schönste. Also Sonnenaufgang draußen auf dem Meer, ja, nichts dich rum ist einfach, ist magisch.
Daniel Korth [00:58:32]:
Segelst du denn heute auch noch?
Stefanie Voss [00:58:34]:
Ja, wenn es sich ergibt, sägele ich noch. Ich habe leider einen nicht segelbegeisterten Mann. Mein jüngerer Sohn hat jetzt einen Segelschein gemacht, da habe ich so ein bisschen die Hoffnung, nein, ich warte tatsächlich darauf, dass ich wieder mehr Freiheiten habe, familiärer Art, also noch ein paar Jahre, bis meine Kinder erwachsen sind, dann bieten sich sicherlich wieder auch mal die Möglichkeiten zu sagen, so jetzt gehe ich noch mal drei, vier, fünf Wochen aufs Schiff, weil ich segle auch mal gerne von Küste, also von Hafen zu Hafen oder mal für ein drei Stündchen oder sowas. Aber eigentlich schlägt mein Herz für das sogenannte Blauwasser-Segeln also wirklich raus für mehrere Tage und dafür brauchst du einfach schon eine gewisse Zeit. Das finde ich jetzt im Moment schwierig, mich da mit meinen Interessen meiner Familie gegenüber durchzusetzen. Ich bin genug unterwegs und ich bin genug beruflich eingespannt, jetzt auch noch daherzukommen und zu sagen, jetzt möchte ich aber bitte auch noch mal kurz in den Atlantik überqueren und mach mal vier Wochen weiter ohne mich. Das finde ich einfach im Moment nicht angemessen.
Daniel Korth [00:59:28]:
Aber irgendwann kommt’s bestimmt wieder.
Stefanie Voss [00:59:33]:
Irgendwann kommt’s mit Sicherheit noch mal wieder, doch. Es gibt noch ein paar Dinge, die ich noch nicht gesegelt bin oder noch nicht gemacht habe, seglerische Art, die ich gerne mal machen möchte. Was ich sicherlich nie machen werde, ist alleine segeln. Also so Boris Herrmann-mäßig und irgendwie Einhandsegeln ist nicht meins und ist auch in der heutigen Zeit saugefährlich.
Daniel Korth [00:59:49]:
Ja, dann kommen wir zum letzten Begriff, das ist Mut.
Stefanie Voss [00:59:53]:
Ja, Mut und ich mag ja noch lieber den Wagemut, ist eine ist eine Ingredienz unseres Lebens, die wir glaube ich notorisch unterschätzen. Und Insofern freut es mich, dass Menschen wie du so einen Podcast hier machen, immer wieder diesen Funken zu setzen. Wir haben sehr häufig ganz viel in uns, was uns ganz viel ermöglichen würde, aber der Funken, der zündet. Das ist der Mut oder der Wagemut. Und den braucht es mehr in der Welt, den braucht es gesellschaftlich mehr, den braucht es individuell mehr und ich glaube, wenn dieser Funken sich mehr verbreitet und mehr Menschen an ihn glauben und ihn bewusst nutzen, dann haben wir die Möglichkeit, die Welt Stück für Stück neu und besser zu gestalten.
Daniel Korth [01:00:40]:
Ja, vor allen Dingen auch in Unternehmen, da braucht es ja auch mehr Mut und der fehlt da eindeutig.
Stefanie Voss [01:00:45]:
Ja, der fehlt eindeutig, wobei der natürlich auch fehlt, weil die Menschen lange erlebt haben, dass Mut nicht honoriert wurde. Also es braucht den Mut und es braucht vor allem Menschen, die zeigen, dass mutig sein honoriert wird. Auch wenn es nicht unbedingt dahin führt, wo man hin wollte, sondern ganz andere Dinge dadurch passieren. Also du kriegst, was du willst, oder du kriegst Erfahrung, wenn du mutig bist. Und beides muss gut sein. Beides muss erlaubt sein. Und es ist natürlich für Unternehmen, also da möchte ich die Unternehmen auch wieder so ein Stück weit in Schutz nehmen. Es ist natürlich schwierig, wenn du lange Jahre auf Sicherheit getrimmt wurdest, auf Prozesse getrimmt wurdest, auf Einheitlichkeit getrimmt wurdest, dann auf einmal zu sagen, oh ja, schmeißt man jetzt alles über den Haufen, jetzt mal ganz mutig.
Es muss immer auch verankert sein in dem, was man wirklich erreichen will. Und es muss in allen Ebenen der Organisation gelebt und vorgelebt werden. Also du brauchst mutige Menschen, andere mitzureißen. Also Das ist wirklich ein Funke, der überspringen muss.
Daniel Korth [01:01:51]:
Also ein bisschen mehr Elon Musk in Deutschland.
Stefanie Voss [01:01:54]:
Ja, ein bisschen mehr Elon Musk in Deutschland. Und ein bisschen mehr gegenseitiges. Mensch, mach’s doch einfach mal. Und egal, wie’s ausgeht, ich steh zu dir. Das kann auch in der Familie, in Freundschaften, in Kollegenkreisen sein. Ich find deine Idee verrückt. Ich weiß nicht, ob du damit dahinkommst, wo du hinwillst, aber ich halte dir den Rücken frei und ich steh zu dir. Und nicht dieses, bist du sicher? Nee, also jetzt echt? Davon weniger und mehr, egal, was du machst, ich halte zu dir, ich glaube an dich und du wirst auf jeden Fall interessante Dinge lernen.
Daniel Korth [01:02:27]:
Also ich denke auch, mit der destruktiven Art und diesen Aussagen kommt man überhaupt nicht weit. Und das ist mir auch viel zu viel in den sozialen Medien. Das reißt einen immer wieder runter. Und das ist dann natürlich auch so ein Nährboden für Querdenker und Sonstiges. Und das find ich gerade momentan sehr schwer.
Stefanie Voss [01:02:43]:
Ja, also es ist tatsächlich Und du kannst ja bei dir selber anfangen. Du kannst ja einfach selber ganz viel Mut und Ermutigung und Wertschätzung in die Welt da rausbringen, indem du einfach eben sehr auf eine positive Tonalität und so weiter achtest. Das ist, find ich, auch noch so schön, wenn ich Ich krieg natürlich auch Kritik. Wer sich Businessfrau mit Piratenseele nennt, muss nicht damit rächen, dass das jeder cool findet. Und was ich gelernt hab, ist, Menschen, die mich kritisieren, die überschütte ich mit Wertschätzung. Im Sinne von, ich find das so nett, dass du mir offen sagst, was dir an mir nicht gefällt. Das ist auch ganz schön mutig. Es ist viel einfacher zu sagen nach einem Vortrag, toll, Frau Voss, super, wenn dann jemand kommt und sagt, wissen Sie was, also da und damit geh ich aber gar nicht klar, das seh ich ganz anders, dann ist meine erste Reaktion immer, boah, das find ich super, dass Sie hierherkommen und das mit mir teilen.
Danke schön dafür. Ja, aber das ist doch, Wenn ich jetzt sage, ich stand aber auf der Bühne, nicht sie, was mach ich denn damit? Der nimmt eine schlechte Erfahrung mit, während der vielleicht sonst die Erfahrung mitnimmt, wow. Also, Ob ich das dann für mich umsetze oder nicht, ist ja eine ganz andere Geschichte. Aber einfach mal zu sagen, Sie haben eine andere Sicht auf die Dinge als ich, das ist interessant, und ich lass einfach mal Ihre Sicht gelten, genauso wie ich meine Sicht gelten lasse. Wir müssen doch nicht entscheiden, wer jetzt Recht hat und wer nicht. Sondern wir können auch sagen, wir haben beide Recht, weil Sie haben einen Erfahrungshorizont und ich hab einen Erfahrungshorizont.
Daniel Korth [01:04:12]:
Und die müssen doch gar nicht übereinstimmen. Ja, ist ein absolut wichtiger Gedanke. Und vor allen Dingen, wenn einer auf einen zukommt und
Stefanie Voss [01:04:17]:
das sagt, Dann hab ich auch den höchsten Respekt. Die meisten
Daniel Korth [01:04:17]:
schreiben das anonym in sozialen Netzwerken. Und dann ist der Respekt halt nicht da.
Stefanie Voss [01:04:22]:
Ja, also da hab ich für mich eine klare Regel. Wer bei mir anonym kommentiert, die Kommentare lösch ich. Okay. Ja, also, Wir sind alle in der Arena, wir zeigen uns alle und Anonymität, mir kann jeder kritisch entgegenbringen, was er mir kritisch entgegenbringen möchte. Ich höre mir die Sachen an, ich nehme sie mir auch zu Herzen, aber ich möchte wissen, wer das ist und ich finde, darauf habe ich auch ein Recht, weil ich zeige mich auch in den sozialen Medien mit meinem Gesicht, mit meinem Namen, mit meiner Haltung, mit meinem Herzblut. Das erwarte ich auch von anderen. Kritik, die anonymisiert kommt, da finde ich nicht schlimm, löschig.
Daniel Korth [01:04:59]:
Sehr gut. Stefanie, ich danke dir herzlich für das tolle Interview. Ich glaube, da kann jeder und jede Hörerin und Hörer ein ganzes Stück mit rausnehmen. Und ich fand das sehr inspirierend, das Gespräch mit dir.
Stefanie Voss [01:05:11]:
Vielen, vielen Dank.
Daniel Korth [01:05:14]:
Ja, soweit das Interview mit Stefanie Voss. Es hat mir eine menge spaß gemacht und da kamen wirklich einige interessante Ansichten wo ich auch selber noch mal nachdenken musste und gerade solche Interviews finde ich immer sehr sehr wertvoll und ich hoffe dass es dir genauso ging Ganz kurzer Hinweis noch auf meine Ankündigung in der letzten Folge. Da habe ich gesagt, es gibt eine Reisefolge in Folge 13. Da mussten wir das Interview leider verschieben. Deswegen gibt es das erst nächsten Monat im April. Also wir haben es auch schon aufgenommen und dieses mal gab es dann eine etwas andere folge und ich hoffe dass sie dir gefallen hat ja ganz zum Schluss noch mal ein kurzer Hinweis wenn dir mehr Mut zum glück gefällt würde ich mich unheimlich über eine Bewertung bei itunes freuen Denn nur so wird das Thema und der Podcast dann auch sichtbar bei iTunes. Und von daher wäre es wirklich klasse, wenn du eine Bewertung abgeben könntest. Ich danke dir schon ganz herzlich im Voraus.
Wünsche dir eine schöne Zeit bis Mitte April. Dann hören wir uns wieder. Ciao.