Stefanie Voss zu Gast bei Christian Conrad

Wagemut und Authentizität – ich steuere bewusst meinen Kurs durch die Herausforderungen der Unternehmenskultur.
Magnetische Unternehmenskultur: Mit Wagemut, Selbstführung und authentischer Piratenstrategie neue Ufer entdecken.
Ich hatte die Freude, im Podcast für magnetische Unternehmenskultur mit Christian Conrad über Themen zu sprechen, die mir sehr am Herzen liegen. In dieser Folge teile ich, wie meine persönlichen Achterbahnfahrten, meine Weltumsegelung und meine Erfahrungen als Keynote-Speakerin und Teamcoach meinen Weg geprägt haben – und wie Unternehmen durch Wagemut und authentische Führungskraft gewinnen können.
Das erwartet dich im Interview:
➔ Wie herausfordernde Zeiten zur Quelle persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung werden
➔ Welche Lehren ich aus meiner Weltumsegelung und dem Leben im internationalen Team gezogen habe
➔ Wie eine Piratenstrategie als Metapher für unkonventionelle, magnetische Führung dient
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Transkript
Intro [00:00:03]:
Willkommen zum Podcast von Christian Konrad, dem Podcast für magnetische Unternehmenskultur.
Christian Conrad [00:00:12]:
Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge des Podcasts für magnetische Unternehmenskultur. Und ich habe heute zu Gast, zum zweiten Mal muss ich sagen, Stefanie Voss.
Stefanie Voss [00:00:24]:
Ja, hallo Christian, schön, dass ich hier sein darf.
Christian Conrad [00:00:27]:
Stefanie ist Keynote-Speaker, Leadership und Teamcoach und sie ist Weltumseglerin. Da kommen wir dann auch noch mal drauf zu sprechen, was das damit zu tun hat. Und ihre Themen finde ich unglaublich spannend, auch aus der Unternehmenskulturperspektive, nämlich Leadership. Okay, da mache ich einen Haken dran. Aber was ganz spannend ist, ist Vagemut Und Diversity. Und gerade in dieser Dreierkonstellation finde ich das ungeheuer interessant und spannend.
Stefanie Voss [00:00:54]:
Ja, ich hoffe, dass ich ein bisschen was Spannendes erzählen kann heute.
Christian Conrad [00:00:58]:
Interessanterweise haben wir das letzte Mal gesprochen, exakt am gleichen Datum habe ich geguckt. Das war auch der 11.06.
Stefanie Voss [00:01:05]:
Echt? Ach, das wusste ich gar nicht. Ja, siehst du, okay, wenn das nicht ein Zeichen ist.
Christian Conrad [00:01:11]:
Ja, wenn das nicht ein Zeichen ist. Vor einem Jahr waren wir mitten in Corona, jetzt sind wir im Grunde gefühlt immer noch mitten in Corona, auch wenn es gerade so ein bisschen rausgeht. Wie geht es dir heute nach einem Jahr?
Stefanie Voss [00:01:25]:
Also grundsätzlich geht es mir gut. Und an dem grundsätzlich geht es mir erkennst du, dass da vielleicht noch was kommt. Ich würde mal sagen, das letzte Jahr war wirklich eine absolute Achterbahnfahrt. Rückblickend ist es ja immer schön, lässt sich das so schön verpacken in dem Satz, Ich habe wirklich viel gelernt und ich habe total viel gelernt im positiven Sinne. Also ich habe wirklich viel, viel, viel Selbsterfahrung gemacht. Aber ich muss auch sagen, ich habe mich selber in Situationen und von einer Seite kennengelernt, die ich so an mir nicht kannte. Ich bin wie viele andere Selbstständige auch durch wirklich ein echtes Tal der Tränen, durch verbunden auch noch mit der Situation vom Homeschooling mit zwei pubertierenden Jungs hier zu Hause. Also ich bin selber ungeduldig, dünnhäutig, angefressen und unerträglich geworden, auch für meine Familie.
Das hätte ich vorher nie so gedacht, dass ich so sein kann. Und letztendlich ist es aber natürlich auch wieder eine ganz wichtige Lernerfahrung, eine Selbstreflektionserfahrung zu sehen, was äußere Umstände mit mir angestellt haben Und was ich ja letztendlich auch zugelassen habe. Ich will die Verantwortung dafür gar nicht abgeben, aber dafür war es ein extrem spannendes Jahr, aber es war wirklich auch ein unfassbar anstrengendes Jahr.
Christian Conrad [00:02:43]:
Ja genau, körperlich anstrengend, emotional anstrengend, kann ich extrem gut nachfühlen. Du sagst Achterbahnfahrt, was waren denn die Highlights?
Stefanie Voss [00:02:56]:
Also die Highlights waren sicherlich…
Christian Conrad [00:02:58]:
Ich habe eigentlich immer Höhepunkte und Fehler.
Stefanie Voss [00:03:01]:
Also ich sage mal so, ein ganz ganz entscheidender Höhepunkt war letztes Jahr im Sommer, als so ein bisschen es sich ja anfühlte, als hätten wir das Schlimmste schon geschafft, sind wir sehr spontan mit der Familie, also mit unseren beiden Söhnen nach Venedig gefahren. Wir hatten in Nordrhein-Westfalen sehr früh Ferien. Wir sind Ende Juni direkt, haben uns einfach spontan ins Auto gesetzt, sind nach Venedig gefahren und haben ein menschenleeres Venedig erlebt. Und das war ein absolutes Highlight. Das war so toll. Ich musste meine Familie überreden. Keiner hatte richtig Bock auf Kultur und Architektur und so weiter. Mein Mann, muss man dazu sagen, war noch nie in Venedig.
Und als wir dann dort waren und da mehrere Tage verbracht haben, waren wir wirklich so ein bisschen im siebten Touristenhimmel, sag ich jetzt mal. Also totales Highlight. Ein weiteres Highlight war schon, dass ich so halbwegs gut durch den Herbst gekommen bin insofern, als dass ich ein paar Aufträge an Land ziehen konnte, während eben im Frühjahr mir alles weggebrochen ist. Und dann kam aber die Talfahrt, der Winter war unerträglich lang, Es war relativ wenig für mich zu tun. Und es fehlte natürlich uns allen in Sachen Corona so ein bisschen die Perspektive. Wir haben ja alle im November gedacht, naja im Januar, Februar, März ist es dann vielleicht vorbei und es ging ja weiter und es ging weiter und es ging weiter. Ja, und bei mir kam familiär dann noch dazu, mein Vater hatte im März einen Schlaganfall. Das heißt, ich hatte auch noch wirklich massive familiäre Themen, zusätzlich zu allem anderen, zusätzlich zu der Tatsache, dass meine Kinder seit Anfang Dezember im Homeschooling waren.
Und mich hat’s dann so Richtung, ich sag mal März, April, waren wirklich meine absoluten schwierigsten Monate. Und jetzt ist wieder eine Achterbahnfahrt. Es geht gerade wieder wirklich gut bergauf. Ich bin, seit die Kinder wieder in der Schule sind, deutlich gelassener. Die Auftragssituation hat sich deutlich verändert. Aber das ist natürlich auch ein bisschen Selbstständigkeit oder was ist ein bisschen, großer Teil Selbstständigkeit. Und ja, einfach an mir selber zu beobachten, was das mit mir macht, wenn ich mir jetzt Tagebucheinträge angucke von November, von Dezember, von Januar, dann sehe ich ja, was ich für ein Gefühlswirrwarr durchschritten habe.
Christian Conrad [00:05:09]:
Ja, und da bist du sicherlich nicht allein. Also ich kann das sehr, sehr gut nachfühlen. Und ich glaube, dass ganz viele Menschen auf unterschiedlichste Art und Weise solche Achterbahnen erlebt haben.
Stefanie Voss [00:05:24]:
Ja, und ich weiß auch, wie privilegiert ich bin, weil ich habe nie irgendwie am Existenzminimum geschraubt. Also ich hatte nie wirklich massive finanzielle Nöte. Ich bin gut aufgestellt, wir sind gut abgesichert und dennoch hat es mich echt an vielen Stellen wirklich, was meine Stimmung angeht, ganz schön weggerissen und insofern mag ich mir gar nicht vorstellen, wie das bei Leuten sich angefühlt hat, wo dann wirklich auch noch massive Existenzprobleme dazu kamen.
Christian Conrad [00:05:48]:
Ja, Die sind ja bei vielen Unternehmern, ist das eben so. Und ja, das wird sicherlich noch viele, viele, viele Themen auch nach vorne hinaus tangieren, die auch uns beschäftigen, im Bereich, in dem wir zu tun haben. Ich möchte den Bogen schlagen von Achterbahn auf Weltumsegelung. Das ist gut. Da hat man ja auch manchmal so eine Achterbahnfahrt, wenn es da so in die Täler der Wellen und so geht, wenn man ein bisschen mehr Wind hat. Viele Leute segeln, du hast die Welt umsegelt als Crewmitglied auf der Segeljacht. Und da interessiert mich natürlich, Warum hast du das gemacht?
Was hat dich motiviert? Also man kann ja mal, ich kenne Leute, die haben ja Atlantik besegelt oder so, das ist ja schon ziemlich groß. Aber Weltumsegelung ist ja schon, das ist ja schon ein ziemliches Brett.
Stefanie Voss [00:06:45]:
Ja, das ist ein ziemliches Brett. Die Idee ist natürlich, wie das oft so ist, aus verschiedenen Zufällen und Gegebenheiten in meinem Leben entstanden. Ich habe zu der Zeit, als ich die Weltumsegelung angetreten habe, war ich für meinen damaligen Arbeitgeber für Bayer im Ausland tätig, in Argentinien, und meine Stelle sollte verlegt werden, von Argentinien nach Brasilien. Also ich sollte quasi noch mal versetzt werden. Und das wollte ich nicht so richtig. Ich habe in Buenos Aires ein sehr gutes Leben geführt, ich hatte gar keine Lust auf Sao Paulo, ich hatte gerade Spanisch gelernt, war zwei Jahre in Argentinien, sollte jetzt noch mal Portugiesisch lernen. Lange Rede, kurzer Sinn, das wollte ich nicht. Zurück nach Deutschland, nach zwei Jahren schon, wollte ich auch nicht.
Stefanie Voss [00:07:24]:
Und dann habe ich zufällig erfahren, dass eine Gruppe von Schiffen in Argentinien vorbeikommt, die die Welt segeln. Habe erfahren, dass man da als Crewmitglied anheuern kann. Da war letztendlich die Idee geboren. Ich bin ein Stück weit familiär vorbelastet. Mein Großvater ist Weltumsegler, sogar Einhandweltumsegler. Also, der ist alleine die Welt gesegelt in den 70er-Jahren. Das heißt, der Gedanke lag jetzt nicht so superfern. Aber letztendlich war es eben eine Zusammenwürfelung von Zufällen und Rahmenbedingungen, die so waren.
Und ich habe nach der Schule Abitur, Auslandspraktikum, Ausbildung dann gearbeitet. Ich hatte auch so das Gefühl, ich möchte noch mal so ein Jahr raus. Also klar, ich hatte noch keine Familie, ich war nicht in einer festen Partnerschaft. Es war irgendwie ein günstiger Moment, so was noch mal zu machen. Und ich bin auch insofern vorbelastet, als dass sowohl mein Vater als auch meine Geschwister auch immer mal wieder längere Zeit auslands, ja, Praktika, Reisen und ähnliches gemacht haben, als ist bei uns in der Familie nicht so unüblich mal zu sagen, so, ich gehe jetzt mal eine gewisse Zeit auf Reisen.
Christian Conrad [00:08:30]:
Toll, also dass man auch so eine Entscheidung treffen kann, wenn man im Ausland ist, das war mir dann auch gar nicht klar, dass du das von Argentinien aus gemacht hast. Ich bin
Stefanie Voss [00:08:37]:
von Argentinien nach Hause gesegelt, aber hintenrum.
Also den langen Weg.
Christian Conrad [00:08:42]:
Den langen Weg, ne? Genau. Also über den Pazifik dann.
Stefanie Voss [00:08:45]:
Ja, genau. Von Argentinien erstmal runter die Küste, dann in den Pazifik rein, dann vom Pazifik nach Australien, Australien, Südafrika, dann nochmal zurück nach Lateinamerika, allerdings nach Brasilien, dann Karibik und dann nach Deutschland.
Christian Conrad [00:08:58]:
Wow. Welches Erlebnis hat dich auf der Reise am meisten geprägt? Du kannst wahrscheinlich ein Buch drüber schreiben. Die Reise ist natürlich gespickt von ganz tollen vielen Erlebnissen. Aber wenn du jetzt eines rauspicken müsstest, was dich da am meisten geprägt hat, auch nach vorne.
Stefanie Voss [00:09:15]:
Also wenn du mich fragst nach dem, was mich geprägt hat, würde ich sagen, gibt es gar nicht so ein Erlebnis, sondern es ist eher die Reise an sich. Es ist die Bedingung, dass du auf einem Schiff, auf sehr kleinem Raum, mit sehr vielen, sehr unterschiedlichen Menschen über eine doch lange Zeit zusammenlebst. Und lange Zeit, Klar, ich war insgesamt 14 Monate unterwegs, aber interessant sind ja so die einzelnen Etappen. Und wir hatten eben auch Etappen von 10, 14, 20 Tagen auf See. Der Pazifik hat halt einfach verdammt viel Wasser. Das ist natürlich das, was dich prägt, weil das einfach sehr anstrengend ist. Also wir waren sehr unterschiedliche Menschen an Bord, unterschiedlich zusammengewürfelt, Männlein, Weiblein, international gemischt, alterstechnisch gemischt, also beste Diversity, wie man sie sich vorstellen kann im Unternehmen. Aber die ist ja nicht bequem, die Diversity.
Die ist ja anstrengend. Und genau das habe ich da auch erfahren und erlebt. Ich sage immer, so eine Weltumsegelung, rückblickend, ist ein Crashkurs der Persönlichkeitsentwicklung. Die Konflikte sind sofort da. Du kannst nicht ausweichen. Du kannst dich nicht zurückziehen. Du musst es austragen. Du musst da durch.
Und das ist einfach massiv anstrengend. Das ist so das, was mich geprägt hat. So besondere Erlebnisse, naja, besonderes Erlebnis zum Beispiel, als wir von den Falklandinseln losgesegelt sind, hat dann mal kurz die britische Luftwaffe, die da stationiert ist, ja seit dem Falklandkrieg gibt es da unten ja einen Militärstützpunkt, die sind dann mal kurz mit ihren Militärfliegern im Tieflug über den Hafen gedonnert, uns zu verabschieden. Ja, eine Gruppe von Segelbooten. Also das sind natürlich so Sachen, klar, die vergisst man auch nicht. Oder Silvester im Jahr 99, 2000 im Royal Cape Yacht Club in Südafrika war auch was ganz, ganz Besonderes. Der Besuch auf St. Helena, wo Napoleon gestorben ist.
Also ich habe schon ein paar wirklich coole Plätze auf der Welt kennengelernt, auch wirklich fernab von allem, was so touristisch, ich sage mal, normal ist. Aber prägend war das Leben an Bord.
Christian Conrad [00:11:14]:
Also waren nicht die Orte, sondern es war im Grunde das Schiff.
Stefanie Voss [00:11:17]:
Das Schiff und das Leben in diesem Wachsystem, in einem sehr strukturierten Tagesablauf, aber eben mit Menschen, die du dir einfach nicht ausgesucht hast.
Christian Conrad [00:11:31]:
Du interessierst dich für Piraten. Ja. Das finde ich, da ist natürlich der Weg jetzt für mich jetzt gefühlt von außen gar nicht so weit. Also du bist jetzt sozusagen auf einem modernen Segelboot gesegelt. Die Piraten, die man sich so vorstellt, es gibt ja auch moderne Piraterie, aber die Piraten, über die man so in den Büchern liest und Abenteuerromanen liest und so weiter, und die ja auch tatsächlich so existiert haben, die haben ja auf etwas älteren Schiffen, auch auf engem Raum und wahrscheinlich nochmal unter ganz anderen Bedingungen zusammengelegt, gelebt. Du schreibst auf deiner Webseite Piratenstrategie, nennst du das, was Unternehmen von Seeräubern lernen können. Wie bist du jetzt auf die Piraten gekommen? Also ich hatte jetzt noch mal eine These, Weltumsegelung und so weiter und so fort, da kommt man drauf, aber vielleicht ist ja der Weg zu den Piraten ganz anderer gewesen.
Stefanie Voss [00:12:27]:
Ja, also tatsächlich bin ich, toi toi toi, auf meiner Weltumsegelung keinen Piraten begegnet. Und ja, du lernst natürlich schon was über Piraten, also über moderne Piraterie, wenn du segelst, wenn du auf den Weltmeeren unterwegs bist, weil das einfach eine valide Gefahr ist. Also es gibt heute noch Piraterie, es gibt sie allerdings eben sehr eingegrenzt in verschiedenen Bereichen der Welt und es gibt viele Bereiche der Welt, die ich sag mal durchaus sicher sind, wo man durchaus sicher segeln kann, aber toi toi toi, nein. Also von der Weltumsegelung kam zwar ein Wissen über Piraten, aber sicherlich nicht die richtige Auseinandersetzung. Die richtige Auseinandersetzung kam lustigerweise über meine Kinder Und zwar haben wir natürlich, ich hab zwei Jungs, irgendwann angefangen, auch Bücher über Piraten zu lesen. Und dann hab ich so gelesen, und dann gab’s ja auch mal diesen Piraten-Kodex. Und natürlich hab ich auch Pirates of the Caribbean geguckt. Und irgendwann ist mir mit diesem Piratenkodex, den ich dann mal mir genauer angeguckt habe, so nochmal klar geworden, wow, das ist 400 Jahre her, also diese Karibik-Hochzeit der Piraterie, und die hatten extrem demokratische Führungsansätze.
Ich habe interessanterweise mit meinem Sohn ein Buch über Piraten gelesen zu der gleichen Zeit, als ich von dem Frédéric Lallou dieses Reinventing Organizations gelesen habe, über moderne Führungskulturen und über demokratische Führung und habe nur gedacht, das ist ja der Knüller, das ist fast das Gleiche, also mit Unterschieden, aber letztendlich sehr, sehr ähnlich in den Grundprinzip Kinder liegen aber 400 Jahre dazwischen und wir behaupten, das wäre alles so wahnsinnig neu. Das ist ja gar nicht neu. Na ja, und dann habe ich mich eben angefangen mit dem goldenen Zeitalter, wie man das nennt, genauer zu beschäftigen und habe dann festgestellt, also es sind total viele ganz spannende Führungsgrundsätze, aber auch Teamgrundsätze, Grundsätze der Zusammenarbeit, auch der Diversität, die in der Piraterie gelebt wurden. Und was mich vor allem natürlich fasziniert hat, dass Piraten, die waren ja praktisch immer unterlegen. Sie hatten ja selten die meisten Schiffe, die meisten Waffen, die meisten Leute und so weiter, sondern sie haben ja immer ungewöhnliche und unkonventionelle Strategien angewendet. Und das habe ich dann auf die heutige Zeit übertragen, weil ich glaube, dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der so dieses, ich nenne das jetzt mal Best-Practice-Thema, so langsam aber sicher ausdient. Best-Practice ist nicht mehr so eine tolle Erfolgsstrategie, sondern unkonventionelles, disruptives, neues Herangehen. Das ist eigentlich das, was heute, glaube ich, viel mehr Erfolg bringt, als es eben sozusagen den Besten nachzumachen.
Und dafür, finde ich, stehen die Piraten. Naja, und jetzt hat es natürlich auch noch so ein bisschen so ein Marketingaspekt, das darf man nicht außer Acht lassen. Piratenstrategie hört sich einfach ganz cool an. Und wenn du als Frau auch noch mit dem Thema rausgehst, dann finden Menschen das erst mal irgendwie spannend. Und das hab ich natürlich auch ein bisschen, muss ich schon ehrlich sagen, aus der Marketingperspektive gesehen. Aber meine Faszination zu dem Thema ist auf jeden Fall total ehrlich und authentisch. Ich habe, ich weiß nicht wie viele Bücher über Piraten jetzt schon gesehen und finde immer mehr, immer interessantere Einzelaspekte, die mich in Bezug auf das Thema Führung, in Bezug auf das Thema Team, auf das Thema Wertschätzung, faire Verteilung von, ich sag mal, ja, Kapital und Beute im weitesten Sinne, die mich da sehr begeistern.
Christian Conrad [00:15:51]:
Was können denn Unternehmen von Seeräubern lernen?
Stefanie Voss [00:15:54]:
Ja, sie können von Seeräubern lernen, dass es letztendlich ganz, ganz entscheidend darauf ankommt, wie gut eine Mannschaft zusammensteht.
Du brauchst gute Leute, ja, aber du brauchst vor allem den Schulterschluss zwischen den guten Leuten. Und eine Mannschaft, die wirklich einander vertraut und sich aufeinander verlässt, kann unglaubliche Kräfte entwickeln. Und auch eine Führungskraft, die von der Mannschaft absolut anerkannt ist. Und Piraten haben ja ihre Anführer gewählt. Das ist eben, sag ich mal, ein spannendes Konzept, was wir uns noch nicht trauen, in der modernen Unternehmenskultur umzusetzen. Aber es ist ein Konzept, was durchaus funktionieren kann, weil Menschen wählen ja nicht den nettesten zu ihrem Anführer, sondern sie wählen ja den, in dem sie wirklich Leadership-Qualitäten entdecken. Und das hatten Piraten schon verstanden. Und sie hatten ja auch, wenn man sich jetzt ein bisschen beschäftigt, ja so ein interessantes Phänomen oder so ein interessantes System.
Der Kapitän, der Anführer war ja nur im Kampf der Anführer. Ansonsten waren es ja ganz basisdemokratische Prinzipien. Und es gab auch noch dieses, wie wir das aus den USA kennen, Checks and Balances System. Du hast den Anführer, der gewählt wurde. Du hast aber auch den Quartiersmeister, der sozusagen das Gegengewicht in der Macht darstellt. Sie haben sich sehr viel Gedanken gemacht über gute, gesunde Machtverhältnisse. Und ich glaube, dass da Unternehmen eine Menge von lernen können.
Christian Conrad [00:17:17]:
Wenn sie dazu bereit sind.
Stefanie Voss [00:17:18]:
Wenn sie dazu bereit sind, natürlich. Naja, und eben dieser Wagemut, dieses Unkonventionelle, dieses immer wieder überraschend sein, Risiken eingehen und sich immer wieder wirklich pfiffige und ja auch so ein bisschen irrwitzige Ideen zu überlegen und denen zu folgen. Das finde ich natürlich auch, dass das Piraten einfach sehr attraktiv macht.
Christian Conrad [00:17:42]:
Und mit Sicherheit gibt es ganz, ganz viele tolle Geschichten, die du erzählen kannst. Ja. Das hören Leute da auch gerne zu, weil das irgendwo glaube ich, ja, natürlich ist es ein Marketingaspekt, aber es ist eben auch, wir hören gerne Geschichten. Also wenn wir irgendwelche trockenen Organisationsprinzipien da runtergebetet haben wollen, möchten wir doch gerne irgendwie eine Konkretisierung haben.
Stefanie Voss [00:18:07]:
Ja, also Storytelling funktioniert natürlich mit Piraten ganz hervorragend und es ist natürlich einfach auch total spannend, weil es natürlich eben auch eine historische Relevanz hat und weil Piraten einfach auch den Lauf der Weltgeschichte schon sehr massiv beeinflusst haben.
Christian Conrad [00:18:21]:
Ist so. Ist so. Ich habe ja den Piraten-Podcast, den du mir empfohlen hast, den Pirate History Podcast, auch mal gehört und das ist schon hochgradig spannend, wenn man das mit Sir Francis Drake und Konsorten auseinandersetzt. Und die hatten damals ja tatsächlich, ja, hatten eine sehr, sehr große weltpolitische Bedeutung.
Stefanie Voss [00:18:39]:
Ja, also ohne Piraten wäre Großbritannien nie an seine Weltmachtstellung gekommen. Das muss man einfach sagen. Also die haben wirklich ihre Kolonialherrschaft und ihre Weltmachtstellung der sehr, sehr gelungenen Piraterie verschiedener Freibeuter zu verdanken. Aber die haben wirklich Weltgeschichte gemacht.
Christian Conrad [00:18:56]:
Und wer sie dazu ermächtigt hat, war eine Frau.
Stefanie Voss [00:18:59]:
Natürlich.
Christian Conrad [00:19:01]:
Elisabeth I.
Stefanie Voss [00:19:04]:
Genau. Ja, Die Frauen haben ja immer schon mehr Einfluss, als man ihnen zutraut.
Christian Conrad [00:19:08]:
Ja, die hat es ihnen in die Karten gucken lassen und hat es einfach umgesetzt. Du hast das Motto, das passt dazu, das passt sowohl zur Weltumsegelung als auch zum Piraten. Du nennst das Leader on my Ship. Charmantes Wortspiel mit dem englischen Wort für Führung, Leadership. Was steckt dahinter?
Stefanie Voss [00:19:28]:
Naja, also erstmal ganz augenscheinlich natürlich der Klassiker. Selbstführung ist die Voraussetzung von Führung. Also wenn ich mich selber nicht führen kann, wenn ich selber zu mir nicht in einem guten Kontakt bin, dann werden auch andere Menschen nicht sich mir anvertrauen im weitesten Sinne. Das ist natürlich erst mal so das Erste, was dahinter steht. Ich finde aber Leader on my Ship auch eine schöne Begrifflichkeit, weil ich glaube, dass es einfach unsere Lebensaufgabe ist, unser Leben ein Stück weit bewusst zu steuern. Ich kann mich halt entscheiden, nehme ich das Steuer in die Hand und bin ich quasi der Kapitän meines Weges, meines Schicksals, wie auch immer wir das nennen möchten. Oder begebe ich mich in die Opferrolle und sage, naja, da kann ich ja jetzt nichts dafür und lasse mich von rechts nach links hin und her schubsen. Und naja, die Menschen, die zu mir kommen, sei es bei Vorträgen, Coaching, Workshops, was auch immer, die möchten natürlich Leader on my Ship sein.
Und sie suchen nach den Werkzeugen, wie das geht und wie sie das machen können. Und da gibt es Werkzeuge. Und das ist natürlich so ein bisschen auch Kern meiner Arbeit, Menschen halt zu erklären, was heißt es? Und wie kannst du es für dich auch ganz konkret und praktisch und jeden Tag umsetzen?
Christian Conrad [00:20:37]:
Wo würdest du sagen, fehlt es in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft an Selbstverantwortung und Selbstführung?
Stefanie Voss [00:20:45]:
Ja, also ich will jetzt gar nicht mal so pauschalisieren. Es gibt viele Unternehmen, da läuft eine Menge gut, aber es gibt natürlich eine Menge, da läuft auch oder viele Unternehmen, da läuft vieles nicht so gut. Ich glaube, dass wir in der Art und Weise, wie wir uns selber reflektieren, noch eine Menge lernen können. Und ich erlebe immer wieder Führungskräfte, die glauben, dass sie so wie sie sind, richtig sind und gut sind und dass sie deswegen auch alles gut entscheiden können. Und ich finde das eine sehr anmaßende Art der Selbstreflektion, weil ich glaube, dass wir auf der einen Seite verstehen müssen, dass wir Talente, Fähigkeiten und Stärken haben, aber ich glaube, dass wir uns auch immer wieder unserer eigenen Limitierungen bewusst machen müssen. Und damit meine ich gar nicht Limitierungen im Sinne von, ich bin zu blöd für irgendwas, sondern ich sehe die Welt ja nur durch meine eigene Brille. Ich kann sie ja nicht durch die Brille von jemand anderem sehen und das ist das, was ich finde, was fehlt. Da sind wir wieder beim Thema Diversity.
Ich finde, gute Führungskräfte müssen sich viel mehr Menschen sich herum suchen, die ganz anders ticken als sie selbst. Und wenn du dann Geschäftsführungen, Vorstände etc. Siehst, ich sage das jetzt mal böse, diesen Begriff, eine alte, weiße Männer und dann womöglich noch alle Ingenieure oder alle Banker oder alle aus einem anderen Berufszweig, dann denke ich immer so, die haben immer noch nicht kapiert, dass sie einen sehr einseitigen Blick auf die Welt haben. Der mag ja valide sein und an vielen Stellen auch wertvolle Entscheidungen herbeiführen, aber es gibt mit Sicherheit Situationen, in denen ihr Blick auf die Welt nicht ausreicht. Und das ist das, was mir fehlt. Mir fehlt ein gesundes Maß an Selbstreflexion, ein gutes Gespür dafür, wie gucke ich eigentlich auf die Welt und wie eingeschränkt ist eigentlich mein eigener Blick, weil er eben nur meinen Erfahrungshorizont berücksichtigt.
Christian Conrad [00:22:37]:
Und wie sehr limitiert mich das darin, auch gute Entscheidungen zu treffen?
Stefanie Voss [00:22:42]:
Ja, und das ist, also Ich nenne jetzt mal ein Beispiel, das kommt aus einer ganz anderen Ecke. Ich habe mich das erste Mal mit dem Thema Alltagsrassismus in Deutschland beschäftigt und habe immer gedacht, Alltagsrassismus gibt es wahrscheinlich, aber na ja, wir sind ja ein total liberales, offenes Land. Dann hat meine große Schwester einen Mann mit marokkanischen Wurzeln geheiratet. Und wir sind als Familie ganz oft auch mit meiner Schwester, mit meinem Schwager, mit meinen Eltern in Urlaub gefahren. Und mein Schwager Kamal sieht komplett marokkanisch aus, ist sehr dunkelhäutig, hat aber natürlich mittlerweile einen deutschen Pass. Und in vielen seiner Persönlichkeitsmerkmale würde ich sagen, Kamal ist der deutscheste von uns allen. Wenn wir irgendwo reisen, wenn wir irgendwo hingeflogen sind, es gab immer eine Person, die kontrolliert wurde und das war immer er. Immer.
Egal wo wir waren, egal wo wir ein oder aus waren, immer wurde Karmal kontrolliert, wo ich nur gedacht habe, scheiße Alltagsrassismus, das ist total im System verankert. Und das war das erste Mal, wo mir das so bewusst wurde, weil ich das natürlich so wie ich aussehe, braunhaarig, grüne Augen, mir ist das einfach nie passiert und ich habe diese Perspektive nie kennengelernt und genau das meine ich. Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass unser Blick ein unfassbar eingeschränkter Blick auf eine Situation ist und dass es sich absolut lohnt und wichtig ist, je höher ich in einer Führungshierarchie steige, mir die Blickwinkel von anderen Leuten aktiv einzuholen?
Christian Conrad [00:24:09]:
Ja, ich glaube, das ist wichtig, wirklich auch zu verstehen. Aber es ist, glaube ich, auch enorm wichtig, wenn man tatsächlich auch Synergien schaffen möchte, wenn man innovativ sein möchte, wenn man in der komplexen digitalen Welt bestehen möchte, dann ist das eigentlich eine Kernkompetenz. Das funktioniert nicht so mit diesem Industriedenken.
Stefanie Voss [00:24:36]:
Genau. Und da kommt wieder der Punkt, warum machen wir das nicht? Ja, weil das anstrengend ist. Da kommt dann wieder meine Segelerfahrung. Es ist einfach anstrengend, mich mit Menschen auseinander zu setzen, die anders denken als ich. Den Feldversuch haben wir ja im letzten Jahr alle gemacht. Was haben wir denn getan? Ich ja inklusive, ich bin kein Stückchen besser. Ich habe natürlich schon in den sozialen Medien Leute, die ganz anders mit der Corona-Situation umgegangen sind als ich oder die ganz anders betrachtet haben, die habe ich natürlich nicht ganz bewusst und ganz aktiv gelesen, sondern habe ich meistens gedacht, oh nee, was ist das denn jetzt und was machen wir? Wir klicken das weg. Also wir bewegen uns in unserer Bubble und wir grenzen ja unsere Bubble zumindest in den sozialen Medien auch noch bewusst ein.
Und das ist natürlich auf der einen Seite verständlich. Ich würde sagen, es gab auch viele Phasen in dem Corona Jahr, wo ich überhaupt gar keine Kraft hatte, mich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen, zumindest nicht konstruktiv. Aber ich merke das so jetzt an mir, wo ich so denke, Mann, ich muss mal wieder aufmachen, ich muss mal wieder von Menschen lesen, die zu mir ganz konträre Ansichten haben, weil ich mich so in meiner Bahn eingefahren habe, dass ich jetzt so das Gefühl habe, Vorsicht, Vorsicht, ja du machst hier Sachen zu Diversity und Unconscious Bias und dies und das, aber du bist selber gerade ganz schön einheitlich in deinem Meinungsfeld unterwegs. Und ich arbeite jetzt gerade wieder sehr bewusst dagegen und gucke eben wieder, dass ich rechts und links und oben und unten mir andere Perspektiven einhole.
Christian Conrad [00:26:03]:
Also die Meinungsvielfalt auch in Organisationen ist halt wichtig, dass man die zulässt oder dass man die auch fördert, glaube ich. Also es geht, glaube ich, gar nicht nur darum zulassen, sondern das tatsächlich auch zu fördern, weil wir haben alle Unconscious Bias. Natürlich. Wir sind dann, so wie du das erlebt hast jetzt, wer sagt, er hat das nicht und wer sagt, er sei nicht mit Vorurteilen belastet, Der ist einfach naiv, glaube ich.
Stefanie Voss [00:26:31]:
Naja, der hat die Funktion seines Gehirns einfach noch nicht verstanden. Ich sage den Leuten immer, seien sie froh, dass sie ein unconscious bias haben, weil im Grunde genommen heißt das, ihr Gehirn funktioniert ganz gut. Ja, wir kategorisieren halt. Das ist die Aufgabe unseres Gehirns, das Leben in seiner Komplexität verdaubar zu machen. Aber ich muss eben diese Gehirnfunktion an der einen oder anderen Stelle auch mal mit systemischen Mitteln, aber auch mit eigenen Mitteln ausschalten.
Christian Conrad [00:26:57]:
Diesen breiteren Blick hinzubekommen.
Stefanie Voss [00:26:58]:
Ja, Genau.
Christian Conrad [00:27:01]:
Ich spreche ja von magnetischer Unternehmenskultur. Mein Thema ist magnetische Unternehmenskultur. Das hat natürlich, ich finde, eine ganze Menge mit Leadership, Wagemut und Diversity zu tun.
Stefanie Voss [00:27:11]:
Auf jeden Fall, ja.
Christian Conrad [00:27:15]:
Wir kommen einfach von unterschiedlichen Blickwinkeln oder haben unterschiedliche Überschriften. Wenn du diesen Begriff hörst, was assoziierst du damit?
Stefanie Voss [00:27:25]:
Ja, also ich assoziiere damit eine Kultur, die so aufgestellt ist, dass Menschen sich zu ihr hingezogen fühlen. Und mit Menschen würde ich mal alle einbeziehen, nämlich sowohl die Mitarbeiter als auch die Kunden, als auch im weitesten Sinne die Stakeholder, die es sonst noch so gibt. Und was macht das eigentlich? Also den Gedanken habe ich mir natürlich auch mal gemacht, als ich deine Begrifflichkeit gelesen habe, habe ich so gedacht, was macht denn magnetisch? Und ich glaube, magnetisch macht, wenn wir Menschen, egal in welcher Rolle wir daherkommen, wenn wir so das Gefühl haben, wir werden wirklich als Individuen gesehen. Also ich bin nicht nur die Gruppe Kunden oder die Gruppe Mitarbeiter, sondern ich werde auch ein Stück weit in meiner Einzigartigkeit und in meiner Individualität wahrgenommen und auch ernst genommen. Und ich glaube, das ist so das, Was für mich das ausmacht, dass ein Unternehmen magnetisch ist, naja, und jetzt für mich ganz persönlich, ich finde es halt auch total magnetisch, ist dann wieder mein Thema, die Überschrift, wenn Unternehmen sich was trauen. Also wenn sie eben Risikobereitschaft zeigen, wenn sie die ausgetrampelten Pfade verlassen. Aber das ist dann so ein bisschen eher so das, wie Sie Ihre Strategie ausleben. Das macht sie für mich magnetisch, aber in allererster Linie würde ich mal sagen, wie Sie Menschen gegenüber treten.
Christian Conrad [00:28:45]:
Finde ich eine sehr gute Definition, finde ich sehr schön formuliert, weil für mich hat sich herauskristallisiert, gerade im letzten Jahr, dass es eine Anziehung ist und dann habe ich addiert oder hinzugefügt, die Menschen verbindet. Also der Magnet stößt ja auch ab. Und das, was Unternehmen stärken können, ist diese Bindungskraft. Passt auch ganz gut zu dem, was du sagst, mit der Piratenmannschaft. Da ist eine Zugehörigkeit da. Und da ist der Wunsch eben auch mit diesem Menschen zusammen zu sein, auch wenn es anstrengend und wenn es schwierig ist.
Stefanie Voss [00:29:25]:
Und ich finde das abstoßende oder diese andere Seite des Magnetens, ich will sie mal gar nicht abstoßend nennen, Der Begriff passt für mich nicht so, aber es ist für mich auch attraktiv, wenn ein Unternehmen sich so aufstellt. Es muss nicht allen gefallen. Ich kann auch meinen Kurs fahren und es darf Leute geben, die das anders sehen und die das anders machen. Und das ist ja gerade für uns hier in der Selbstständigkeit, das ist ja auch immer so eine Frage, wie ich sag mal konform bin ich eigentlich, wie spitz stelle ich mich auf und das war für mich lange Zeit auch ein ziemlicher Struggle so zu Beginn meiner Selbstständigkeit und mittlerweile bin ich sehr klar, es ist für mich in Ordnung, wenn Menschen mit dem, was ich mache oder wie ich Dinge sehe oder wie ich argumentiere, nicht einverstanden sind. Und deswegen sind das überhaupt keine Idioten, sondern wir haben einfach eine unterschiedliche Sicht und ich muss nicht mehr überall gefallen. Ich habe meine eigene Art, es gibt viele, die kommen damit gut klar. Es gibt auch Menschen, die sagen uns, nee, die ist zu praktisch oder zu direkt oder zu Burschikos. Das habe ich auch schon gehört.
Das ist dann so. Das ist völlig in Ordnung. Und dann passen wir eben nicht zusammen.
Christian Conrad [00:30:28]:
Und das ist auch in Ordnung.
Stefanie Voss [00:30:30]:
Das ist auch in Ordnung. Ja, Also ich muss nicht jedem gefallen.
Christian Conrad [00:30:34]:
Die halt genau das suchen, was du bietest. Und das sind die, wo dann eine Verbindung entsteht.
Stefanie Voss [00:30:39]:
Ja genau. Und jetzt gehst du zurück zu den Piraten, die haben sich entschieden, wir machen jetzt den und den Beutezug. Dann wurde darüber abgestimmt und wer nicht mit wollte, der durfte von Bord gehen und hatte dadurch keine Probleme oder Nachteile oder ähnliches. Man konnte sich überlegen, bin ich dabei oder bin ich nicht dabei, aber wenn ich nicht dabei sein will, dann muss ich auch aussteigen, weil so halb committed mitfahren geht nicht.
Christian Conrad [00:31:01]:
Das ist, finde ich, auch ein wichtiger, ein interessanter Punkt. Das können Firmen zum Teil eben auch machen, dass sie eben sagen, pass mal auf, das ist unsere Richtung, da wollen wir hin, da wollen wir hinsegeln Und wer dabei ist, der muss auch voll dabei sein. Ganz genau. Das geht wieder in die Richtung Wagemut. Den Mut, glaube ich, haben manchmal Unternehmen nicht. Gerade wenn sie in Branchen tätig sind, wo es Fachkräftemangel gibt und wo man es schwierig Mitarbeiter findet und bindet. Und gleichzeitig, glaube ich, ist es der richtige Weg.
Stefanie Voss [00:31:35]:
Naja, du musst halt für dich klarmachen als Unternehmen, was ist für mich wichtig und was sind die Standards, die ich hier setze. Und dann musst du aber auch konsequent diese Standards in irgendeiner Form einhalten. Und wenn Menschen da eben nicht mitziehen oder nicht das erfüllen, was du an Erwartungen von Anfang an formuliert hast, dann musst du eben auch Konsequenzen ziehen. Aber das zeichnet natürlich auch die wirklich erfolgreichen Organisationen aus, dass sie nicht nur Dinge vorgeben, sondern dass sie dann tatsächlich auch leben.
Christian Conrad [00:32:02]:
Absolut. Und da liegt ja auch so ein bisschen der Hase im Pfeffer. Ja, auf jeden Fall. Du sprichst ja über Führung. Ich spreche da auch drüber und habe auch die These, die ja auch nicht besonders überraschend ist, dass Unternehmenskultur eigentlich immer von oben anfängt oder geprägt wird. Auch wenn man basisdemokratisch, wenn es bei den Piraten basisdemokratisch ist, hat das wahrscheinlich irgendwann mal ein Piratenschef oder mehrere Chefs entschieden, dass sie eben nicht diese Einzigen sein wollen, die irgendwo Entscheidungen treffen. Was macht aus deiner Sicht Führungskräfte und Unternehmer, Entscheider, was macht die magnetisch?
Stefanie Voss [00:32:46]:
Also ich glaube, es ist wiederum auf der einen Seite das, was ich eben schon sagte, dass sie Menschen ihrer Individualität anerkennen, also dass sie grundsätzlich erst mal ein gutes und ein positives Menschenbild haben. Und natürlich macht es sie auch magnetisch, wenn sie wirklich einen klaren und eigenen Kurs haben. Also wenn sie Ideen haben, wenn sie vielleicht auch sehr visionäre Ideen haben und wenn sie mit einer ziemlichen Vehemenz für diese Ideen auch kämpfen. Ja, also da sind ja die Beispiele, Steve Jobs, der immer zitiert wird, wobei ich jetzt mal so ein bisschen in Frage stelle, was der für ein Menschenbild hatte, weil er ja mit Menschen teilweise auch ziemlich schwierig umgegangen ist. Aber klar, Elon Musk wurde lange Zeit als verrückter Kerl abgeschrieben und er hat es ja jetzt am Ende doch allen gezeigt. Und es sind immer wieder Menschen, die für ihre Visionen wirkliche Wadenbeißerqualitäten entwickelt haben. Wen ich momentan wirklich sehr faszinierend finde, ist Reed Hastings, der Chef von Netflix, der dieses Unternehmen auch auf einen sehr eigenen und ich finde auch unternehmerisch natürlich erfolgreichen, aber wirklich auch spannenden Weg führt, weil er ja eine sehr spezielle Kultur etabliert hat bei Netflix, die ja jetzt auch noch global ausrollt. Also das sind für mich Menschen, die haben eine sehr eigene Vorstellung.
Stefanie Voss [00:34:02]:
Und diese sehr eigene Vorstellung setzen sie mit einer großen Vehemenz durch und behalten dabei aber ein sehr wertschätzendes Menschenbild.
Christian Conrad [00:34:14]:
Das ist die Voraussetzung, das habe ich eben verstanden.
Stefanie Voss [00:34:16]:
Ja, das ist immer die Voraussetzung. Aber zum Beispiel Netflix. Netflix hat ja eine hammermäßige Leistungskultur. Wenn du nicht leistest, bist du nicht teil. Die sagen ja ganz klar, Average performance gets a nice severance package. Also wer bei uns durchschnittlich gut performt, der kriegt eine schöne Abfindung. Ja, also wir wollen nur Top Performer. Durchschnittliche Performance gibt es bei uns einfach nicht.
Was ist das Gute an diesem Menschenbild? Sie zahlen extrem gute Abfindungen. Sie setzen die Leute nicht einfach higher and higher vor die Tür. Sondern sie sagen, wenn du bei uns ein durchschnittlicher Performer bist, bist du nichts für Netflix, wir wollen dich aber auch nicht in Hintern treten, sondern wir zahlen dir einfach ein fettes Paket, damit du wirklich gut auch woanders wieder eine Stelle finden kannst. Und das finde ich fair. Das ist so ein bisschen auch piratenmäßig. Wir sind klar, wir sind hart, aber wir sind dabei fair.
Christian Conrad [00:35:05]:
Hast du Beispiele für Unternehmen, du hast jetzt eins genannt, Netflix, wo du sagst, das sind wirklich magnetische Unternehmen oder magnetische Führungspersönlichkeiten, die man auch nennen kann in so einem Podcast. Das ist eine positive Geschichte.
Stefanie Voss [00:35:20]:
Also ich habe jetzt aus verschiedenen, also Reed Hastings ist jemand, der mich momentan sehr fasziniert. Wen ich auch, jetzt gar nicht so sehr unternehmerisch, sondern mehr als thematischen Unternehmer sehr faszinierend finde, ist Melinda Gates, die sich ja mit ihrer Stiftung sehr stark für Frauenrechte in verschiedenen Belangen weltweit einsetzt. Warum finde ich das so spannend? Weil sie hat ein Buch geschrieben, ich weiß nicht, ob du es gelesen hast, ist schon einige Zeit auf dem Markt, The Moment of Lift, wo sie auch so ihren eigenen inneren Kampf beschreibt. Gehe ich jetzt raus, nutze ich meinen Namen und meine Plattform, irgendwas zu tun oder nicht zu tun? Und sie hat da sehr, sehr lange mit sich gerungen und hat aber letztendlich, naja, auch ihren unfassbaren Reichtum, finde ich, auf eine spannende Art und Weise eingesetzt. Oder setzt sie ja immer noch ein, sich wirklich für Frauen ja am ganz, ganz, ganz anderen Rande der Gesellschaft einzusetzen. Und was ich bei ihr glaube, aus meiner natürlich eingeschränkten Perspektive, es geht ihr wirklich die Sache und sie macht da kein, ich mache jetzt mal was hübsches Soziales, weil das macht sich ja so gut, die ist ja wirklich auch schon durch halb Afrika gereist, die hat auch schon mit afrikanischen Familien in ihren Dörfern übernachtet und da Zeit verbracht und sich wirklich mit der Lebenssituation von Frauen in den ärmsten Teilen der Welt auseinandergesetzt und ich finde, wie sie ihre Stimme einsetzt und wie sie sich einsetzt und wie sie Hebel in Bewegung setzt. Das finde ich sehr, sehr faszinierend. Das begeistert mich. Und bei Unternehmen so insgesamt, ich will jetzt nicht die großen nennen, weil das sind so die klassischen Beispiele.
Ein Unternehmen, was mich als Kunden immer wieder begeistert, ich weiß nicht, ob du sie kennst, ist Buch7.de. Sagt dir das was? Nee. Also viele schimpfen halt über Amazon. Amazon zahlt nicht genug Steuern und so weiter. Ich bin auch nicht so ein wahnsinniger Amazon-Freund. Und Buch7, die machen es einfach. Also, es ist ein Buchversand, das wo mit Amazon angefangen hat. Die sitzen in Deutschland, die zahlen in Deutschland ihre Steuern, die verschicken super schnell, hervorragend verpackt und ein großer Teil ihrer Unternehmensgewinne wird gespendet und du kannst auf der Webseite mit jeder einzelnen Bestellung sehen, wir haben ja Buchpreisbindung, wie viel deines Einkaufes jetzt in Spendenprojekte geht und sie berichten eben auch über diese Spendenprojekte.
Stefanie Voss [00:37:35]:
Und das ist ein absolut tippitoppi eingerichteter Online-Shop, funktioniert super. Du hast, was mich bei Amazon immer nervt, du musst dir deine Rechnung irgendwie suchen und drucken. Bei Buch7 bestellst du deine Bücher. In dem Moment, wo du die Bestellung abschickst, hast du die PDF-Rechnung im E-Mail-Eingangspostkorb.
Christian Conrad [00:37:52]:
Gar nicht so schwer offensichtlich.
Stefanie Voss [00:37:54]:
Ist eigentlich nicht so schwer, genau. Sie zahlen in Deutschland, steuern, Sie engagieren sich sozial, Sie sind gut aufgestellt, die Sachen kommen gut verpackt hier an. Und Sie weißt, sie meckern nicht, sondern sie bieten einfach eine Alternative, zumindest für Bücher, in der Buchpreisbindung, die für mich besser funktioniert als Amazon, weil ich einfach Unternehmen, die sich, ich finde, jetzt nicht als guter Corporate Citizen Verhalten, die möchte ich einfach nicht unterstützen.
Christian Conrad [00:38:20]:
Fair enough. Ich finde es gut, wenn nicht rumgejammert wird, sondern wie du sagst, dann auch gemacht wird. Und das hört sich auch sehr anziehend an. Was macht dich magnetisch, Stefanie?
Stefanie Voss [00:38:34]:
Was macht mich magnetisch? Oder soll ich jetzt vielleicht mal meinen Mann fragen?
Christian Conrad [00:38:38]:
Ja, wenn ich den fragen würde, was würde der denn dann sagen?
Stefanie Voss [00:38:40]:
Oh, der würde nach einem Jahr Pandemie sagen. Das ist
Christian Conrad [00:38:43]:
eine dissoziative Coaching-Frage. Wenn ich jetzt meinen Mann frage, ich würde da rübergehen und würde den jetzt fragen, was wird der sagen?
Stefanie Voss [00:38:50]:
Er würde sagen, nach einem Jahr Pandemie muss ich da erstmal nochmal drüber nachdenken.
Christian Conrad [00:38:54]:
Was sagt der Herr Weinberg?
Stefanie Voss [00:38:55]:
Also ich glaube, was macht mich magnetisch? Also ich bin jemand, der sich vorgenommen hat und das lebe ich auch. Ich zeige mich sehr oft und sehr persönlich, egal ob ich auf der Bühne stehe oder ob ich im Einzelcoaching bin oder ob ich im Workshop bin. Ich mache keine Show im Sinne von, ich muss hier irgendwas darstellen, sondern ich glaube, ich lasse die Menschen sehr viel an der echten und authentischen Stefanie Voss teilhaben, weil ich gemerkt habe, dass das den größten Effekt hat im Sinne von Menschen erlauben mir, sie zu berühren. Also dieses sich verletzlich machen, sich zeigen, das ist der Türöffner, wirklich Zugang zu Menschen zu bekommen. Und ich möchte eben mit meiner Arbeit, ich habe mir irgendwann mal, als es so mein Warum ging, habe ich mir irgendwann mal aufgeschrieben, mir reicht es nicht, Menschen irgendwas beizubringen. Mir reicht es nicht, Trainerin zu sein. Mir reicht es nicht, inspirational Speaker zu sein, sondern ich möchte, dass meine Vorträge in den Menschen wirklich was auslösen und dass sie ins Handeln kommen. Und dafür, glaube ich, muss ich, muss ich mich oder möchte ich mich sehr authentisch zeigen und sehr ehrlich und offen zeigen.
Und das ist ja der Türöffner. Und wenn ich meinen Piraten Vortrag halte, Da geht es eben das Thema Wagemut. Dann lade ich die Menschen immer am Ende ein und sage, tun Sie was Wagemutiges. Gehen Sie jetzt bitte nicht hier raus. Sie haben gerade eine Stunde Ihrer wertvollen Lebenszeit mit mir verbracht und sagen sich, es war einfach ein netter Vortrag, sondern machen Sie irgendwas.
Und dann habe ich natürlich immer noch so ein kleines Incentive. Ich sage dann, wenn sie was tun und wenn sie mir das schreiben, dann kriegen sie von mir so ein richtiges Geschenk mit der Post geschickt. Und das funktioniert. Und ich kriege so coole Rückmeldungen. Und Menschen haben, weil mein Vortrag das Fass zum Überlaufen gebracht hat, haben schon so tolle Sachen getan und so wunderbare Dinge in ihrem Leben umgesetzt, dass ich so denke, ja, das funktioniert. Also ich glaube, was mich magnetisch macht, ist, dass ich eben nicht jedem gefallen muss, aber dass die Menschen, die sich für mich interessieren, die kriegen von mir wirklich viel zu sehen.
Christian Conrad [00:41:06]:
Ja, und gerade ich finde es eine tolle Idee, dann eben zu sagen, pass mal auf, ich fordere dich heraus, jetzt auch was umzusetzen. Ich wohne auch dafür. Und Ich glaube, das machen nicht so viele.
Stefanie Voss [00:41:19]:
Das passt. Es wird auf jeden Fall gerne angenommen. Es ist tatsächlich, also man muss ein bisschen vorsichtig sein. Ich mache das bei dem Piraten-Vortrag mittlerweile immer. Bei meinen anderen Vorträgen mache ich das manchmal. Aber es kann natürlich nicht. Ich hatte letztens, also vor Corona, hatte ich irgendwann mal einen großen Vortrag mit 800 Teilnehmern. Und du hast je nachdem, wie gut der Vortrag läuft, so eine Rücklaufquote von, ich sage mal, 5 Prozent ungefähr.
An dem Tag muss ich also einen Bomben-Tag gehabt haben. Ich habe die Halle da wirklich gerockt und dann hatte ich nachher weit über 100 Zuschriften und dann habe ich also nach meinem Vortrag erstmal 100 Päckchen gepackt und ich mache das dann auch wirklich. Jeder kriegt dann von mir eine handgeschriebene Karte in Bezug auf das, was er oder sie mir geschrieben hat. Also ich mache das wirklich. Ich zeige mich da auch sehr und stecke da sehr viel Herzblut rein. Dann habe ich also tatsächlich danach tagelang nur Päckchen gepackt. Und aber auch das, da entstehen Connections, die bleiben.
Christian Conrad [00:42:16]:
Ja, genau. Wunderbar. Das ist das, was ich mir auch wünsche übrigens. Das ist das, was für mich magnetisch heißt. Es sind Verbindungen, die bleiben. Es sind Verbindungen, die Bestand haben, die nachhaltig sind. Zum Abschluss habe ich immer vier Fragen, die sich auf vier Dimensionen magnetischer Unternehmenskultur beziehen. Das erste ist sicherlich eine sehr persönliche Frage.
Magst du die Vision, die du für dein Leben hast, dein persönliches Wozu oder Warum? Auf Englisch würde man sagen Purpose, mit uns teilen. Du hast das ja eben ja im Grunde schon gemacht. Aber vielleicht fassst du es mal in einen Satz zusammen.
Stefanie Voss [00:42:54]:
Ja, also ich habe diesen Satz tatsächlich formuliert nach einer ziemlich schweren Krise, die vor sechs Jahren in meinem Leben passiert ist. Da ist meine große Schwester ist ganz plötzlich und unerwartet verstorben. Das hat mich sehr, sehr, sehr umgehauen. Und das ist mir noch mal was mir da bewusst geworden ist, ist, dass im Leben einfach nichts selbstverständlich ist. Das war die große Erkenntnis aus dem Tod meiner großen Schwester. Ich habe damals für mich genau entschieden, habe gesagt, nichts ist selbstverständlich und ich möchte meine Zeit nicht mehr damit verwenden, wie ich das eben sagte, beizubringen, zu trainieren, ein paar nette Tools zu verbreiten, sondern ich möchte Menschen in ihrem tiefsten Innersten erreichen. Ich möchte Menschen so erreichen, dass sie mit sich selber in einen guten Kontakt kommen. Also das Thema Selbstführung, Selbstreflexion wirklich verankern.
Das ist mein Purpose, mein Warum. Warum gehe ich da raus? Weil ich glaube, dass die Welt eine bessere wäre, wenn wir alle mit uns selbst in einem besseren Kontakt wären.
Christian Conrad [00:43:57]:
Super schön. Was gibt dir Energie? Ja,
Stefanie Voss [00:44:03]:
also das habe ich natürlich jetzt auch im letzten Jahr auf jeden Fall gelernt. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und diese Freiheitsliebe ausleben zu können, reisen zu können, Zeit für mich haben zu können, Obwohl ich auch super gerne Mutter, Ehefrau, Freundin, Tochter, alles das bin. Ich bin gerne mit Menschen, aber ich bin tatsächlich auch sehr, sehr gerne alleine und lebe meinen Freiheitsdrang aus. Und dieser Freiheitsdrang gibt mir Energie.
Christian Conrad [00:44:28]:
Dann war die Pandemie für dich besonders schwer.
Stefanie Voss [00:44:31]:
Ja, auf jeden Fall.
Christian Conrad [00:44:33]:
Weil dann hat dir einfach eine große Quelle gefehlt. Was sind deine wichtigsten Beziehungen? Also wir haben über Verbindung gesprochen und für mich ist das, diese Wertdimension, wer mit wem habe ich diese engste Verbindung, Das ist für mich unheimlich wichtig, sowohl im individuellen als auch im Unternehmenskontext.
Stefanie Voss [00:44:57]:
Also das hört sich jetzt vielleicht egoistisch an, aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, die allerwichtigste Beziehung ist die, die ich zu mir selber habe. Und wenn ich die gut pflege und wenn ich für die gut sorge, dann bin ich sehr gut in anderen Beziehungen. Und wenn ich die nicht gut pflege und nicht gut sorge, dann kann ich auch sehr unerträglich sein. Aber natürlich ist das, was mir unglaublich viel Halt gibt, mein Mann, meine Kinder und mein engstes soziales Umfeld. Und das ist ein schöner Nebeneffekt der Pandemie gewesen, der einzige wirklich positive Nebeneffekt. Meine mittlerweile engste Freundin, die war eigentlich, hat die im Ausland gelebt, ist aber bedingt durch die Pandemie zu ihrem Partner nach Deutschland gekommen. Die haben eine Wochenendbeziehung geführt und sie ist aber dann pandemiebedingt quasi die ganze Zeit in Deutschland gewesen und das war für mich sozusagen der Lottogewinn der Pandemie. Ich konnte mit meiner engsten besten Freundin jede Woche zwei Stunden walken gehen.
Stefanie Voss [00:45:50]:
Und ja, das ist so das, was mich wirklich sehr, sehr trägt.
Christian Conrad [00:45:57]:
Aktuell Sommer 2021, was ist dein Fokus?
Stefanie Voss [00:46:01]:
Die Normalität genießen. Es gibt keinen besonderen Arbeitsfokus, es gibt keinen besonderen irgendwie, was ich jetzt unbedingt, nee, ich möchte einfach diese Normalität, die wir ja im Moment haben, sehr genießen, sehr wertschätzen, weil ich doch auch durchaus Befürchtungen habe, dass die wieder gehen könnte.
Christian Conrad [00:46:21]:
Ich glaube, da muss man jeden Tag genießen. Ich war gestern das erste Mal im Biergarten, das war wundervoll. Man saugt es auf. Ja, vielen Dank. Normalität heißt wahrscheinlich auch, dass du mal ein paar Vorträge wieder hast, weil du wirklich mit Menschen zusammen bist. Ganz, ganz im Herzen. Und danke dir für dieses inspirierende Gespräch und wünsche dir einen richtig tollen Sommer.
Stefanie Voss [00:46:46]:
Vielen, vielen Dank und den wünsche ich dir natürlich auch und den Hörern.
Christian Conrad [00:46:50]:
Dankeschön.
Outro [00:47:00]:
Kultur. Mit Impulsen wie Unternehmen, die passenden Mitarbeiter und die idealen Kunden anziehen. Dazu inspirierende Interviews mit Unternehmern, Entscheidern und Mitarbeitern. Jeden Montag und Donnerstag auf Spotify, iTunes und dem Kanal Ihrer Wahl. Bitte empfehlen Sie den Podcast weiter und unterstützen Sie Christian Konrads Arbeit durch eine Bewertung auf iTunes.