In vielen meiner Coachings geht es um das Thema „neu in der Führungsrolle“. Ich sage meinen Coaching-Klienten oft, dass gerade der Beginn – also ungefähr die ersten 30 Tage in der neuen Position – sehr wichtig sind.
Direkt am Anfang gilt: Du solltest Deinem Team, Deinem Vorgesetzten und Deinen Kollegen zeigen, wer Du als Führungskraft bist und was sie von Dir erwarten können.

Meistens ist der Start in einen neuen Führungsjob ziemlich überwältigend. Dein Kalender ist in null-komma-nix voll mit Besprechungen, denn alle wollen wissen, wer die spannende Teamleiterstelle oder Abteilungsleiterstelle denn nun bekommen hat.
Dein neuer Job als Führungskraft fordert Dich von Minute eins an. Jeder will Dich kennenlernen, überall sollst Du Dich vorstellen. Dein Team möchte möglichst schnell ein Gefühl dafür bekommen, wie die Zusammenarbeit mit Dir funktioniert. Und Dein Chef hat ganz viele Pläne, die Du jetzt zügig umsetzen sollst.
Eigentlich möchtest Du Dich erst mal zurechtfinden und Zeit mit Deinem Team verbringen. Stattdessen jedoch wirst Du in Strategiesitzungen und Meetings mit Deinem Chef und mit anderen Führungskräften hineingezogen, wie in einen Strudel.
Inhaltsverzeichnis
Der Start: Dein neuer Job als Führungskraft geht los, und das kann ziemlich überwältigend sein.
Irgendwie muss alles dringend erledigt werden. Du weißt aber noch gar nicht genau, welche Aufgaben wirklich kritisch sind, und welche einige Wochen warten können, bis sie erledigt werden.

Du bist begeistert in Deinen neuen Job gestartet, aber das Tempo ist schnell und rücksichtslos. Die ersten zwei Wochenenden arbeitest Du praktisch durch.
Das hört sich vielleicht etwas übertrieben an, aber ich habe es oft schon genau so beobachtet und bei meinen Coaching-Klienten erlebt. Und auch aus meiner eigenen Führungserfahrung im Konzern weiß ich, wie schnell wir unbewusst in den Strudel eintauchen, den einen neue, verantwortungsvolle berufliche Rolle mit sich bringt.
Jetzt gilt erst mal: RUHE bewahren!
Na klar kann es helfen, ein gutes Buch über Führung zu lesen (ich empfehle gerne „Radical Candor“ von Kim Scott), aber viel wichtiger ist es, sich nicht verrückt zu machen. Druck kommt, Druck bleibt, Druck ist nicht per se Dein Feind.
Ein neuer Job als Führungskraft heißt: Druck ist Dein ständiger Begleiter – und das ist okay
Egal, ob wir in ein neues Unternehmen gehen oder beim jetzigen Arbeitgeber aufsteigen: Eine neue Führungsrolle erzeugt fast immer Druck. Bestimmte Ängste und Sorgen sind ganz typische Begleiter bei so einem Übergang.

Bedenke: Wenn Führung easy peasy wäre, gäbe es dafür vermutlich nicht mehr Gehalt, als für Jobs ohne Führungsverantwortung.
Außerdem bedeutet Druck meist auch Wachstum. Es bedeutet, dass Du lernst, innerlich klar zu werden, wenn die Dinge kompliziert sind. Es bedeutet, mit schwierigen Gefühlen konstruktiv umzugehen. Alles das sind Fähigkeiten, die dich in allen Lebensbereichen weiterbringen.
Herumwurschteln gilt nicht – mit 3 Strategien startet dein neuer Job als Führungskraft klar und strukturiert
Natürlich gibt es hunderte von Tipps, aber in diesem Artikel verrate ich Dir drei elementar wichtige Strategien, die Du anwenden kannst, um aus dieser Anfangsphase des neuen Jobs das Beste zu machen.
Es geht darum, Dich souverän und wirkungsvoll von Tag eins an zu etablieren, und gleichzeitig dabei nicht auszubrennen und alle Deine Energie sofort zu verpulvern.
Natürlich kannst Du noch viel MEHR tun als das, was ich hier beschreibe. Sieh meine drei Tipps als einen guten, klaren Anfang, nicht mehr und nicht weniger.
Meine Erfahrung zeigt, dass sich Menschen in ihrer ersten Führungsrolle eher selbst überfordern als unterfordern. Daher ist weniger meistens mehr.
Ein neuer Job als Führungskraft heißt, dass Du lernen darfst, Dich entwickeln darfst, dass Dinge neu und ungewohnt sind.
Strategie 1: Achte als Führungskraft auf Dein Tempo und Deinen Freiraum gleichermaßen
Wer schlau ist, versucht überhaupt nicht erst, in den ersten zwei Wochen alles zu erledigen. Das ist unrealistisch und bringt Dir nur Stress. Ein neuer Job als Führungskraft heißt NICHT, dass du sofort alles erledigen und alle glücklich machen musst.

Gute Führungskräfte wissen, dass das Erreichen wichtiger Ziele Zeit braucht. Sie reagieren auf die wirklich sehr dringenden Aufgaben und Bedürfnisse, und sie nehmen sich gleichzeitig Zeit für die längerfristige Strategie.
Das gelingt am besten, indem auch Dein tagtäglicher Kalender diese Aspekte abdeckt:
- Es gibt Zeiten für das schnelle Erledigen und Entscheiden der dringenden Themen. Hier wird aufs Tempo gedrückt.
- Im Kalender finden sich auch Freiräume zum Durchdenken, Planen, Skizzieren der größeren Themen und Aufgaben.
- Zeit für völlig ungeplante Dinge ist ebenfalls vorhanden. Denn ein neuer Job als Führungskraft heißt eigentlich immer: Es kommt anders, als Du denkst.
Mein Tipp: Achte besonders am Anfang darauf, dass der Freiraum nicht zu kurz kommt. Plane Deine Tage nie Meeting-an-Meeting komplett durch.
Mache Dir feste Termine mit Dir selbst, eindeutig erkennbar in Deinem Kalender. Diese Zeit brauchst Du, um Themen wirklich zu durchdringen. Es ist ein Irrglaube, dass dazu später noch genug Zeit sein wird. Diese Zeit bekommst Du (fast) nie.
Und ein neuer Job als Führungskraft heißt auch nicht, dass das Nachdenken abends auf der Couch zu Hause erledigt wird. Das darf ab und an sein, sollte aber nicht zur Regel werden!
Strategie 2: Mache Dein Team zu Deinem Wissens-Schatz
Effektive Führungskräfte drängen sich ihrem Team nicht auf. Stattdessen finden sie heraus, wie sie ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse passend zu den Bedürfnissen des Teams anwenden können. Sie stellen viele Fragen und hören sehr genau zu.

Zuhören können ist wirklich eine Kernkompetenz, die leider sehr, sehr oft unterschätzt bzw. überhaupt nicht trainiert wird. Schade! (Wenn Du noch mehr über typische Führungsfehler und blinde Flecken wissen willst, hier entlang.)
Wenn Dein neuer Job als Führungskraft gelingen soll, dann mache Dir schnell bewusst, dass es am effektivsten ist, Deinen Standpunkt zur richtigen Zeit im richtigen Kontext zu teilen.
Gute Führungskräfte besprechen ihre Ideen mit ihrem Team und erklären offen, was sie nicht wissen. Eine wirklich gute Chefin oder ein wirklich guter Chef weiß ganz genau, dass sie oder er nicht alles selbst wissen und selbst erledigen kann.
Mein Tipp: Gerade zu Anfang ist Dein wichtigstes Führungswerkzeug die Frage. Immer wieder solltest Du nachfragen, Dingen auf den Grund gehen und hinterfragen.
Versuche, das Bild, was Du Dir von einer Situation machst, aus verschiedenen Perspektiven mit dem Wissen der Teammitglieder zu vervollständigen. Und – ganz wichtig! – sei in Deinen Fragen immer wertschätzend und nie abwertend!
Strategie 3: Integriere Dich in Dein Team durch eine sogenannte „offene Auftakt-Runde“
Eine der besten Möglichkeiten, in eine neue Führungsrolle zu starten, ist die sogenannte „offene Auftakt-Runde“, die idealerweise ca. eine Woche nach dem Start einer neuen Führungskraft durchgeführt werden sollte.
Falls das nicht direkt klappt, kannst Du es diese Methode auch erst zwei oder drei Monate nach Deinem Start in den neuen Job als Führungskraft anwenden.
Wichtig ist, dass Du dieses Format überhaupt nutzt, denn es bringt ganz viel Klarheit in die für alle Beteiligten neue Situation.
Diese Integrationsübung für Deinen Start als Führungskraft ist extrem wertvoll, und sie funktioniert mit 2 Runden mit je 8 Fragen. Ist wirklich ganz einfach!
Übung Teil A (ca. 30 – 45 Min):
- Zunächst sitzt das Team OHNE die neue Führungskraft zusammen und bespricht eine Reihe von Fragen. Diese habe ich unten als Liste unter Teil A notiert.
- Dazu werden die diskutierten Antworten in Stichpunkte notiert, z.B. auf einem Flipchart. So können diese im Anschluss ab dieses „ohne-Chef/Chefin-Gespräch“ mit der neuen Führungskraft geteilt werden.
- Es ist wichtig, dass sich alle Teammitglieder gleichermaßen beteiligen. Bei größeren Gruppen oder einem deutlichen Unterschied zwischen extrovertierten und introvertierten Menschen sollte immer wieder geprüft werden, dass alle sich einbringen.
Übung Teil B (ca. 45 – 60 Min):
- Dann kommt die neue Führungskraft hinzu, sie ist zunächst in einer rein zuhörenden Rolle.
- Jemand aus dem Team (gerne auch zwei Personen) gibt einen kurzen Überblick über die eben besprochenen Inhalte. Der neuen Führungskraft wird jetzt also erklärt, was das Team zu der Fragenliste unter Teil A alles besprochen hat. Die neue Führungskraft darf gerne Verständnisfragen stellen, sollte aber BITTE NICHT direkt abwerten oder kommentieren, was ihr nicht gefällt.
- Anschließend werden weitere Fragen, die ich unten als Teil B markiert habe, in der Runde besprochen. Hier gibt in der Regel die neue Führungskraft ihre Antworten, und das Team darf gerne Verständnisfragen stellen. Auch hier gilt: Das Team sollte jetzt zuhören und verstehen wollen, und BITTE NICHT direkt abwerten oder kommentieren, was nicht gefällt.

WICHTIG: Die offene Auftakt-Runde funktioniert nur in einem ehrlichen und wertschätzenden Kommunikationsrahmen.
Als externe Moderatorin für Teamcoaching- und Teamentwicklungsprozesse begleite ich solche Auftaktrunden regelmäßig. Das macht es für alle Beteiligten natürlich einfacher, weil ich dann den Prozess in der Hand halte und gegensteuern kann, wenn etwas in eine falsche Richtung läuft. Soll dein neuer Job als Führungskraft also erfolgreich starten, dann überlege dir, zum Auftakt eine externe Moderation dazuzunehmen.
(WICHTIG: Wenn es aufgrund der Teamdynamik aber wahrscheinlich ist, dass hier (mit oder ohne externe Moderation) auf jeden Fall abwertend, hinterhältig oder sogar bewusst böswillig agiert wird, dann ist das keine gute Übung. Dein neuer Job als Führungskraft bringt Dich in ein komplett dysfunktionales Team? Dann solltest Du Dir UNBEDINGT eine externe Begleitung organisieren, für Dich als Coach und / oder für das gesamte Team!)
Die offene Auftakt-Runde basiert auf zwei Listen von Fragen
Hier sind meine persönlichen Empfehlungen für die Fragerunden:
Teil A – Die Fragen für das Team, die zunächst besprochen werden, die neue Führungskraft ist dabei NICHT anwesend:
- Was wissen wir bereits über (Name)?
- Was wissen wir nicht, möchten es aber gerne über (Name) wissen?
- Was sind Wünsche oder Hoffnungen, wenn jetzt (Name) unser neuer Chef oder unsere neue Chefin wird?
- Was sind unsere Ängste oder Bedenken, wenn jetzt (Name) als Führungskraft zu uns kommt?
- Was muss (Name) darüber wissen, wie wir kommunizieren, zusammenarbeiten, Besprechungen abhalten, Entscheidungen treffen, uns gegenseitig zur Rechenschaft ziehen und mit Konflikten umgehen?
- Welche Empfehlungen haben wir für den Umgang mit schwierigen Problemen oder Herausforderungen für (Name)?
- Was soll (Name) sonst noch über uns wissen?
- Welche Verpflichtungen sehen wir bei uns, um (Name) in seiner neuen Rolle zu unterstützen?
Teil B – Die Fragen, die NACH den Erläuterungen zu den Antworten zu Teil A dann mit der neuen Führungskraft gemeinsam besprochen werden:
- Warum hast Du Dich für diesen Job entschieden? Was ist Dein Antrieb?
- Wie ist es am besten, mit Dir zu kommunizieren (E-Mail, Text, Live, Telefon)?
- Was ist Dein Verständnis von Delegation und Kontrolle, und bei welchen Entscheidungen möchtest Du eingebunden werden?
- Was für strategische Fragen beschäftigen Dich in Bezug auf unser Business?
- Was für strategische Fragen beschäftigen Dich in Bezug auf uns als Team?
- Wenn Du eine Sache in unserem Unternehmen ändern könntest, welche wäre das?
- Wenn Du eine Sache in unserem Team ändern könntest, welche wäre das?
- Was sollten wir sonst noch unbedingt über Dich wissen?
Ein intensiver Austausch ist ein solides Fundament für gelungene Zusammenarbeit
Diese Art des Einstiegs in eine neue Führungsrolle kann der Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit sein.
Wenn die „kritischen und wichtigen Themen“ von Beginn an offen angesprochen werden und für alle sichtbar auf dem Tisch liegen, entfällt die Mühe und Zeit, die es kostet, das alles „im laufenden Betrieb“ herauszufinden.
Ein Meer von Missverständnissen, Halbwahrheiten, falschen Vermutungen und und und wird so direkt mal eben aus dem Weg geschafft. Das Getriebe wird geölt, um reibungslos zu starten. Die Schwierigkeiten und Konflikte werden auch so irgendwann auftauchen, das ist fast immer sicher.
Dein neuer Job als Führungskraft entwickelt sich von Anfang an zu einer Traumreise ohne jegliche Probleme? ACHTUNG … wenn sich dieses Gefühl einschleicht, könnte es sein, dass du etwas Wichtiges übersiehst.
Mache also direkt einen Termin klar und informiere Dein Team über Dein Vorhaben: Dein neuer Job als Führungskraft kann mit dieser Integrationsübung einen starken, die Zusammenarbeit auf ein gutes Fundament setzenden Anfang nehmen.
Ätzende Teammeetings?
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Die Erfahrung zeigt: Die Integrationsübung mit der offenen Auftakt-Runde wirkt!
Ich habe so eine Runde schon mehrfach als Moderatorin erlebt, und wenn es gut läuft, entstehen echte Gänsehautmomente. So hatte ich mal ein Team im Teamcoaching-Prozess, welches durch so eine Runde direkt erfuhr, dass der Teamleiter-Job für die neue Chefin der Ausweg aus einer jahrelangen, heftigen Mobbing-Situation in einem anderen Unternehmen war.
Sie legte offen, wie sehr sie gelitten hatte und ihre eigentlichen Stärken und Fähigkeiten im letzten Job verloren gegangen waren – und wie sehr sie jetzt motiviert war, das Ruder herumzureißen und wieder echte Freude und Erfüllung in ihrer Arbeit zu finden.
Zudem machte sie deutlich klar, dass für sie – geprägt durch diese Erfahrung – jede Form von Unehrlichkeit absolut intolerabel sei. Sie sei offen für jede Kritik, wenn sie ihr direkt und unter vier Augen entgegengebracht werde. Das Team war verblüfft über so viel Offenheit und Ehrlichkeit – und stand vom Anfang an zu 100% hinter ihr.

Ein guter Start in deine neue Rolle als Führungskraft ist wichtig – mache Dir wirklich Gedanken dazu!
Du startest gerade in einer neuen Führungsposition mit einem neuen Team? Du möchtest Deine Sache richtig gut machen? Du willst das Steuer von Anfang an fest in der Hand halten? Du willst echtes Leadership leben und LEADER on my SHIP sein?
Dann teste doch direkt diese Strategien – und besonders die Integrationsübung! Solltest Du dazu eine professionelle Moderation für Dein Teamcoaching benötigen, dann kannst Du Dich gerne jederzeit bei mir melden.