Stefanie Voss zu Gast bei Peggy Patzschke

Piraten als Vorbilder für mutige Entscheidungen, klare Werte und echte Führungskraft.
Freiheit, Leadership und klare Werte: Was wir von Piraten lernen können
Ich hatte die Freude, im Podcast „Lifepunk“ mit Peggy Patzschke über ein faszinierendes Thema zu sprechen: Was können wir heute noch von Piraten lernen? In dieser Folge teile ich, warum Piraten überraschend demokratisch waren, wie sie mit klarem Wertekompass agierten und warum ihre Strategien auch heute noch für Erfolg und Freiheit inspirieren können.
Das erwartet dich im Interview:
➔ Was Piraten mit moderner Führung gemeinsam haben
➔ Warum ein klares Wertegerüst über Erfolg entscheidet
➔ Wie Du mehr Wagemut in Dein Leben bringst
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Transkript
Peggy Patzschke [00:00:00]:
Lifepunk heute mit der Einlösung eines Versprechens, denn jetzt klären wir auf, was können wir heute noch von Piraten lernen. Stefanie Voss ist wieder mein Gast. Stephanie hatte ich euch in einer der vorhergehenden Folgen schon ausführlich vorgestellt mit ihrem eigenen spannenden Lebensweg, auch als Weltumseglerin, als Teil einer Crew auf einer großen Segeljacht und sie hat versprochen, sie kommt noch mal und verrät uns Tricks und Tipps, die wir von den alten Piraten von eins lernen können, die noch heute für den Erfolg und das Glück in unserem Leben gültig sind. Bin ich sehr gespannt drauf, was da dahinter steckt. Stefanie Voss. Schön, dich noch mal zu sehen. Wir haben es versprochen. Es gibt Teil zwei, eine Fortsetzung zur Piraten Strategie, die du empfiehlst.
Du sagst, was Unternehmer, ich sag mal wir alle, wenn wir im Leben was erreichen wollen, von Seeräubern lernen können. Aber jetzt verraten wir doch erstmal Seeräuber, da assoziiere ich ja mit meinen Kinderbüchern erstmal auch Überfälle, Verbrecher, Räuber, gefährliche Jungs. Warum liebst du die so?
Stefanie Voss [00:01:17]:
Also gefährliche Jungs und Mädchen muss man ja sagen. Es gab eine ganze Reihe und gibt immer noch Piratinnen. Wir müssen jammern. Ja. Erst mal ganz klar, ich möchte hier keine Verbrechen rechtfertigen. Das ist nicht meine Intention, wenn ich über Piraten spreche. Mich hat einfach irgendwann mal die Frage fasziniert, warum Menschen überhaupt Piraten geworden sind. Das hat in unterschiedlichen Epochen ein bisschen unterschiedliche Gründe gehabt.
Aber das goldene Zeitalter der Piraterie, das war ja diese Karibik-Piraterie, die auch in den Disney-Filmen über Jack Sparrow nachempfunden ist. Letztendlich ist der erste und naheliegendste Gedanke, die wollten Geld machen. Der war es aber nicht. Der eigentliche Gedanke oder der eigentliche Grund, warum Menschen zu einer ziemlich großen Zahl sich in die Piraterie begeben haben, war der, dass ihr legales Leben, was sie geführt haben, war unerträglich. Wenn ich im Jahr, ich sag mal 1690, als Seemann auf einem Handels-Marineschiff unterwegs war, dann hab ich wirklich unter gruseligsten Bedingungen gelebt und gearbeitet. Ich wurde wie ein Leibeigener behandelt. Es gab auch die Sklaven, aber Seeleute waren per se keine Sklaven. Sie wurden aber genauso behandelt.
Sie waren völlig unfrei, sie wurden ausgebeutet von vorne bis hinten. Ganz viele Seeleute, sowohl aus der Handelsmarine als auch aus der Kriegsmarine, haben sich entschieden, ich werde Pirat, weil ich gerne freiheitlich leben möchte. Weil diese Art von Leben, was ich hier führe, ist nicht mehr lebenswert. Ich möchte mehr Selbstbestimmung. Ich möchte nicht behandelt werden wie ein Stück Vieh. Ich möchte Fairness und Gerechtigkeit in meinem Leben. Ich möchte mitbestimmen, was wir tun oder nicht tun. Und das gab es in der Schifffahrt nur auf Piratenschiffen.
Und auch das weiß man häufig nicht. Piraten hatten wahnsinnig demokratische und faire Regeln des Zusammenlebens. Wir haben immer so dieses Bild von den, ich sag mal, Raufbolden, die besoffen ihre Beute auf den Kopf hauen. Die hatten extrem faire Regeln, ein extrem gleiches Verständnis von Menschen, was zu der Zeit völlig unüblich war. Männer waren, egal welcher Herkunft Sie kamen, waren gleichberechtigt in ihrem Stimmrecht, sie haben ihre Anführer gewählt. Sie hatten ein demokratisches Verständnis von Führung vor 400 Jahren. Wir reden heute immer davon, ach, demokratische Führung, ganz modern und ganz neu. Das ist überhaupt nicht modern und überhaupt nicht neu.
Das gab’s alles schon. Und die Piraten haben uns vorgelebt, dass eben der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung so stark ist, dass man dafür in die Illegalität geht. Und jetzt muss man eben auch wissen, Piraten wurden zum damaligen Zeitpunkt auf der ganzen Welt, wenn sie gefangen wurden, sie wurden immer mit der Todesstrafe bestraft.
Peggy Patzschke [00:04:21]:
Okay, das war also wirklich auch ein ganz schönes Risiko, aber das finde ich so spannend, diesen Punkt mit der Freiheit, so habe ich das noch nie gesehen. Und da sehe ich natürlich auch gleich die Parallele auch so ein bisschen übertragen auf unsere Welt. Und du sagst ja auch, wir müssen uns immer wieder diese Frage stellen, bin ich in dieser Welt ein Pirat oder bin ich Beute? Wie übersetzt du denn das jetzt auch für Unternehmen und für Leute, wo du Vorträge machst, wie übersetzt du denn das jetzt in unsere Welt?
Stefanie Voss [00:04:46]:
Also Ich übersetze das mit dem Oberbegriff Wagemut. Ich finde, dass Piraten ein sehr klares Wertegerüst hatten. Ein klares Wertegerüst ist hilfreich. Und dass sie sich anhand dieses Wertegerüstes entschieden haben zu handeln. D.h. Sie haben sehr ungewöhnliche Dinge getan. Sie sind nämlich Piraten geworden. Sie haben sich immer wieder auch mit überraschenden Manövern durchgesetzt.
Und das, finde ich, können wir auf die heutige Zeit übertragen. Wenn ich ein klares Wertegerüst habe, dann ist mein Handeln letztendlich auch klar. Und dann ist es auch einfacher, diese Schritte raus aus der Komfortzone zu tun oder ungewöhnliche Dinge zu tun, wenn mir meine Leitplanken, meine Grundwerte, wenn die mir erst mal klar sind. Und das, was ich vermisse bei Unternehmen, bei Einzelpersonen, ist dieses klare Wertegrüst. Wir reden alle immer, wie wichtig Werte sind. Wir brauchen alle Werte. Wer kennt denn schon seine Grundwerte? Und sich darüber Gedanken zu machen, zu sagen, was ist es, was mir im Leben meine Leitplanken sind? Und was heißt das für mein Handeln? Das, finde ich, haben Piraten vielleicht unbewusst, aber sie haben es auf jeden Fall vorgelebt. Und ich finde, heute in einer Zeit, in der sich so viel verändert, in der wir so viele Herausforderungen uns stellen müssen, ist es ganz wichtig zu wissen, so was ist es denn, was für mich nicht verhandelbar ist? Was sind meine Leitplanken? Und wie kann ich mich innerhalb dieser Leitplanken so bewegen, dass ich mich damit gut und wohl fühle und kann ich vielleicht auch mal an der einen oder anderen Stelle Dinge tun, die man nicht macht, die ungewöhnlich sind, die unkonventionell sind, nicht einfach nur leichtsinnig oder verrückt, sondern unkonventionell aber meinen Werten entsprechend.
Stefanie Voss [00:06:22]:
Und das finde ich, ja, ich finde da sind Piraten einfach sehr, sehr faszinierende Vorbilder.
Peggy Patzschke [00:06:39]:
Ich habe das in deinen tollen Impulsen gelesen. Du hast das mal so beschrieben, dass der Verhaltenskodex der Piraten ihren Erfolg ausgemacht hat. Ist es das, was du jetzt meinst?
Stefanie Voss [00:06:49]:
Ja, also sie haben sich eben auf sehr klare Regeln und auf ein sehr einheitliches Wertegerüst verständigt und damit wussten sie sozusagen, wir wissen alle, wo wir stehen, wir haben alle die gleichen Leitplanken und damit können wir gut miteinander umgehen. Also zum Beispiel, sie haben sich ja auch gemeinschaftlich entschieden, wo sie angreifen. Das hat nicht der Kapitän entschieden, sondern die Mannschaft hat abgestimmt, machen wir das oder machen wir das. Wenn die Abstimmung gelaufen ist, ich habe anders abgestimmt als die Mehrheit, dann hatte ich die Möglichkeit, von Bord zu gehen. Ohne Probleme, ohne Kampf, ohne Streit, ohne irgendwie, dass andere sauer sind, sondern letztendlich wurde gesagt, das ist das, was wir vorhaben, wer ist dafür, wer ist dagegen. Die Mehrheit hat entschieden und Dann konnte man sich frei entscheiden, mache ich da mit oder mache ich da nicht mit. Und wenn ich mitgemacht habe, ja gut, dann war ich auch committed. Dann habe ich mich auch entschieden, da mitzugehen.
Aber ich konnte mich auch ausklinken. Also dieses, jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, auf seine eigene Haltung. Das wird respektiert. Und so ein Kapitän, das finde ich auch spannend, der wurde ja gewählt, der wurde aber gewählt nicht, überall und immer das Sagen zu haben. Nein, der Kapitän hatte in den Kampfsituationen das Sagen. Da, wo wirklich schnelle Entscheidungen nötig waren. Ansonsten hatte er das nicht. Das war also auch ganz klar, die Macht war begrenzt.
Und dieser Kodex der Piraten, den finde ich insofern faszinierend. Ich lese natürlich immer noch weiter in der Geschichte der Piraten. Da kann man ja jahrelang drüber studieren. Es gibt heute Vermutungen, dass die amerikanische Verfassung, die ja so zu einem ähnlichen Zeitraum entstanden ist wie die Karibikpiraterie, dass die amerikanische Verfassung in einigen Artikeln auch abgeschrieben hat von den Piraten, ja Verfassungen von diesem Kodex, den sich Piratenschiffe gegeben haben. Es gab auch mal eine Republik für Piraten. Auf der Insel Nassau für einige wenige Jahre haben sie quasi wie einen eigenen kleinen Staat errichtet Und sie hatten unfassbar moderne Prinzipien. Alle durften wählen, Sklaven durften wählen, Frauen durften wählen. Sie haben die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt.
Peggy Patzschke [00:08:58]:
Krass.
Stefanie Voss [00:08:58]:
Und wir denken alle, das ist eine Errungenschaft der modernen Zeit. Nein, da gabs Menschen, die haben sich schon sehr tief und ernsthaft Gedanken gemacht über, wie kann menschliches Zusammenleben und Beziehungen gut funktionieren, gesellschaftlich funktionieren. Und sie haben das eben zu der Zeit schon umgesetzt und hat nicht lange gehalten. Aber es hat natürlich trotzdem vielleicht eben sogar den Einfluss gehabt auf die Väter der amerikanischen Verfassung.
Peggy Patzschke [00:09:25]:
Wahnsinn. Also das sind ja Sachen, die habe ich ja noch nie gehört. Also erstmal dieser Teamgeist, der da eben auch auf jeden Fall rüberkommt, die waren sehr modern. Aber die waren auf der anderen Seite auch sehr, sehr klar, nicht nur in der Kommunikation, sondern auch was das Leistungsprinzip anging. Also wer keine Beute mitgemacht hat, der hat auch nichts abgekriegt. Oder wie lief das dann mit der Entlohnung?
Stefanie Voss [00:09:42]:
Genau, also die Beute wurde ja sehr viel verteilt. Auch das finde ich total spannend. Wir reden ja heute über Gender Pay Gap und transparente Bezahlung. Bei den Piraten wusste jeder, was er bekommt. Es gab eine ganz klare Regelung. Der Kapitän hat ein bisschen mehr bekommen als die Mannschaft. Normalerweise auch ein oder zwei besondere Funktionen an Bord. Die haben ein bisschen mehr bekommen vom Anteil, wenn jemand das Schiff gehörte, dann vielleicht auch.
Und alle anderen haben den gleichen Anteil der Beute bekommen. Jetzt wird es aber spannend. Natürlich haben sich auch Menschen verletzt. Natürlich sind in den Kämpfen auch Piraten schwer verletzt worden. Und sie haben eine, wie soll man das nennen, eine Art Sozialversicherung gehabt. Also, wenn dir ein Finger abgehackt wurde, wenn du ein Auge verloren hast, ein Arm verloren hast, ein Bein verloren hast, dann gab es Entschädigungen, die man bekam. Und Diese Entschädigungen wurden immer zuerst aus der Beute bezahlt. Also erst wurden die Geschädigten bezahlt und das, was übrig blieb, nur das wurde dann verteilt.
Das heißt, die Geschädigten hatten, was die Beute anging, immer Vorrang.
Peggy Patzschke [00:10:44]:
Weil die sich mit engagiert haben.
Stefanie Voss [00:10:46]:
Ja, weil sie sich mit engagiert haben und weil sie eben, Ich meine, ganz klar, wenn du zum Beispiel ein Bein verloren hast, dann war natürlich deine Piratenkarriere vorbei. Das heißt, sie haben auch da so eine Art Fürsorge und Gemeinschaftsgefühl in diese Systeme reingebracht. Und wie gesagt, immer wieder. Also vor 400 Jahren. Die Sozialversicherung hat eben nicht Herr Bismarck erfunden, sondern das gab es schon vorher. Das finde ich total faszinierend.
Peggy Patzschke [00:11:13]:
Toll. Und auf der anderen Seite aber, wenn du dann diese historischen Filmfiguren siehst, dieser, wie hieß der Captain Blackbird oder so, auf der anderen Seite kommen ja manche dieser Figuren doch sehr zerrig rüber. Also war es dann trotzdem so, dass man nur dann respektiert wurde, wenn man auch so ein ganzer Kerl war und wenn man ein bisschen roh war?
Stefanie Voss [00:11:34]:
Also es waren natürlich auch größtenteils wirklich sehr einfache Menschen, die ja jetzt auch nicht unbedingt irgendwie eine riesen Bildungshistorie oder ähnliches hatten. Da gab es natürlich Unterschiede. Es gab auch Piraten, die kamen aus sehr gebildeten Elternhäusern. Aber grundsätzlich waren es natürlich auch eine ganze Reihe von wirklich rauen Kerlen. Das musste man aber nicht sein. Also dadurch, dass ja Piraten ihre Anführer gewählt haben, haben sie sich natürlich schon genau überlegt, wen nehmen wir denn? Und man weiß heute, dass es viele Piratenkapitäne gab, die sehr fair waren, sehr klar in ihrer Kommunikation. Nicht unbedingt die Nettesten, die mussten natürlich schon auch mutig sein. Also so einen Feigling will ich natürlich nicht als Kapitän haben.
Aber Fairness und Klarheit waren so die ganz großen Überbegriffe, die immer wieder gewählt werden. Und ne praktische Anwendung heute, ich gehe immer in meinem Führungskräfte-Coaching. Das ist meine Lieblingsfrage. Damit eröffne ich das Führungskräfte-Coaching. Wenn eine neue Führungskraft bei mir im Coaching ist, dann frage ich immer, jetzt stellen sich mal vor, Ihre Mannschaft könnte Sie wählen. Würden die Sie eigentlich zum Anführer wählen oder nicht? Ja, und das ist eine total spannende Frage. Und wenn du mit der im Coaching anfängst, hast du direkt ein schönes Band, Eine schöne Bandbreite an Themen, an denen du dich abarbeiten kannst.
Peggy Patzschke [00:13:00]:
Was würdest du jetzt mit deiner Erfahrung sagen? Wie viele heutige Führungskräfte haben das Zeug zum Piraten und die die guten Dinge übernommen?
Stefanie Voss [00:13:08]:
Also es gibt viele super Führungskräfte. Ich erlebe viele tolle Führungskräfte. Ja klar, ich erlebe natürlich auch die Führungskräfte, die in ihrer Rolle überfordert sind. Ich finde, was uns fehlt und was ich mir mehr wünschen würde, ist, dass wir mehr Menschen erlauben, Führung auszuprobieren. Ob ich wirklich als Führungskraft geeignet bin oder nicht, das erlebe ich ja erst, wenn ich die Rolle habe.
Peggy Patzschke [00:13:27]:
Du musst ja wachsen, du musst ja vorbereitet werden.
Stefanie Voss [00:13:29]:
Genau, Du musst wachsen, du musst dich vorbereiten. Und ich würde mir wünschen, dass wir es normaler finden, wenn Menschen in eine Führungsrolle gehen und sich dann überlegen, bin ich da gut aufgehoben, fühle ich mich da wohl, klappt das oder gehe ich vielleicht auch wieder zurück. Das ist, wer aus der Führungsrolle heute rausgeht in irgendeine Organisation, der ist ja schon, Der kriegt ja schon so einen Gescheitertstempel. Und es sei denn, man macht es so wie ich. Ich würde mich jetzt nicht als gescheitert bezeichnen, bin aber natürlich auch aus einer Führungsrolle rausgegangen, aber in die Selbstständigkeit. Aber ich finde es schön, wenn es normal wäre, dass man Führungen ausprobiert, dass man Führungen auch wieder abgeben kann, dass man sie vielleicht ein paar Jahre später nochmal wieder ausprobieren kann. Es ist ja am Ende auch eine Aufgabe, die Komplexität mit sich bringt, wie viele andere Aufgaben auch. Und so zu sagen, ja, aber entweder man hat das Talent, Führungskraft, oder man hat das nicht, das finde ich Quatsch.
Ich finde, Führung kann man lernen. Klar gibt es persönliche Voraussetzungen, die hilfreich sind oder nicht so hilfreich sind. Aber ich fände es schöner, wenn wir damit ein bisschen lockerer umgehen würden. Jetzt bin ich Führungskraft. Wir schnallen uns nachher so goldene Schnallen auf die Schultern und das darf ich jetzt auf gar keinen Fall wieder aufgeben. Das finde ich echt schade. Ich würde mir da mehr Flexibilität in den Organisationen wünschen.
Peggy Patzschke [00:14:43]:
Ja und das gilt ja dann auch bis hin zur Politik, wo ich jetzt schon wahrnehme, dass viele Menschen da draußen sagen, wow, wo sind eigentlich die Persönlichkeiten, die Charaktere hin, die auch das meinen, was sie sagen. Auch da kann man sich, glaube ich, hier und da in der Politik vom Verhaltenskodex der Piraten mal was abgucken. Also ich habe gelernt, flache Hierarchien, Teamgeist, klare Kommunikation. Waren die auch schon PR-Könner? Die filmischen, ja. Die filmischen Black Sparrow-Dude.
Stefanie Voss [00:15:09]:
Filmisch natürlich sowieso. Also wer PR-Meister war, das ist auch so einer meiner Lieblingspiraten, der ist natürlich auch sehr bekannt, das ist Blackbeard. Der hat eine ganz interessante Geschichte. Es ist bis heute nicht klar, ob Blackbeard überhaupt jemals Menschen getötet hat. Also ganz klar, viele Piraten haben getötet und zwar ohne mit der Wimper zu zucken. Und es gab natürlich auch ein paar wirklich eklige Sadisten, muss man auch ganz klar sagen. Bei Blackbeard ist es ganz interessant. Vor dem hatten die Menschen wahnsinnige Angst.
Der hat sich ja so Pistolen in den Gürtel gesteckt. Dann hat er sich diesen Rauchbart gemacht. Das hat er ja alles inszeniert. Er war ein kleiner Mann, er hat sich hohe Schuhe angezogen. Er hat sich manchmal vier Hüte aufgezogen, also besonders groß und angsteinflößend zu wirken. Man weiß aber gar nicht, ob er wirklich getötet hat oder nicht. Er hat also sozusagen sein Image, er ist der böse Blackbeard, das hat er sehr geschickt eingesetzt. Der hat eine Zeit lang mit einem anderen Piraten zusammen Beute gemacht und dieser andere war wirklich ein fieser Sadist.
Und Blackbeard hat das ganz geschickt für sich genutzt. Der hat nämlich den Menschen so viel Angst gemacht, dass er quasi seine komplette Beute immer kampflos bekommen hat. Also Wenn der irgendwo hinkam, haben sich die anderen sofort ergeben. Der hat auch die, die sich ergeben haben, hervorragend behandelt. Hat die ziehen lassen, war ganz charmant. Und ich sag mal, harmlos zu denen, die sofort die weiße Fahne gehisst haben. Das ist auch eine Art von PR oder Image-Strategie und damit hat er unglaublich viel Beute gemacht. Ohne zu kämpfen, fanden seine Leute natürlich auch super.
Peggy Patzschke [00:16:39]:
Ja, aber ich finde, das ist die ganz hohe Schule, oder? Wenn die Leute einem die Dinge freiwillig geben. Und sag mal, der kleine Pirat, der da hinten sitzt bei dir, was ist das für einer? Hat der auch einen Namen? Den nimmst du wahrscheinlich immer mit, wenn du dann
Stefanie Voss [00:16:49]:
mit vorträgst? Also den nehme ich immer schon mal ganz gerne mit auf die Bühne, wenn ich meinen Piratenvortrag halte. Ich finde der, ja, also was ich an dem mag, ist so, der ist ja auf der einen Seite schon auch hässlich, aber der ist ja irgendwie auch charmant. Und ja, und ich finde, der zeigt so gut dieses zwiespältige Bild. Klar, es gibt eben die Verbrechen und es gibt das Blutvergießen und es gibt das Brutale, was den Piraten anhaftet. Aber es ist eben auch dieses, sie haben sich halt den Konventionen radikal widersetzt. Sie haben genau das gemacht, was man nicht machen soll. Da schlägt mein eigenes Piratenherz. Ich kriege immer schon eine leichte Gänsehaut, wenn mir jemand sagt, was man denn machen muss oder man denn nicht machen muss.
Und ich finde, das gibt die Welt einfach heute nicht mehr her. Ich möchte selber entscheiden, was ich mache. Und was ich richtig finde, da sind wir wieder beim Wertegerüst, was meinen Werten entspricht. Und ich finde, wir können alle uns ein bisschen mehr Unkonformität einfach mal zutrauen. Also Konformität, die gab es natürlich damals schon, die gibt es heute auch, das ist immer so der Schlusssatz bei meinem Vortrag. Ich weiß natürlich auch nicht, wie sich die Welt entwickelt, aber Konformität ist mit Sicherheit kein Erfolgsprinzip.
Peggy Patzschke [00:18:03]:
Das finde ich so wichtig, was du gerade sagst. Viele Dinge sind, finde ich, heute so austauschbar und auch zu glatt. Und man nennt dich, glaube ich, auch manchmal die Businessfrau. Wie war das mit dem Piratenblut? Oder wie sagt man?
Stefanie Voss [00:18:13]:
Die Businessfrau mit der Piratenseele. Mit der Piratenseele. Das ist auch
Peggy Patzschke [00:18:17]:
so ein bisschen,
Stefanie Voss [00:18:17]:
habe ich zu meinem Claim gemacht, eine Business Mind meets Pirate Soul. Also klar, ich bin eine Business Frau. Ich komme aus einem Großkonzern, ich bewege mich in Organisationen von kleiner und großer Größe und ich bin da auch gerne und ich gehöre da auch hin. Aber ich bin schon auch unkonventionell. Ich bin, glaube ich, für eine Frau auch durchaus Burschikos und bin sehr praktisch und anpackend. Und ich mag es eben, Dinge zu hinterfragen. Also, wir machen irgendwas, weil wir das schon immer so gemacht haben. Das, finde ich, ist das bescheuertste Argument, was es überhaupt nur gibt.
Die Zeit verlangt von uns, dass wir nach neuen Lösungen suchen, dass wir uns hinterfragen, dass wir innovativ sind. Ich finde, da sind die Piraten ein tolles Vorbild.
Peggy Patzschke [00:18:59]:
Sonst fahren wir immer die alten Wege. Du hast ja dann bestimmt auch Rückläufe in deinen Vorträgen, wenn du da so mit Konzernchefs sprichst. Die wirst du erst mal überraschen mit dem Vortragsthema Piratenstrategie. Hast du da aber auch schon so ein Echo manchmal bekommen von dem einen oder anderen Chef, der dann hinterher gesagt hat, du, die Sache habe ich mal ausprobiert Oder da hat sich dann auch wirklich was geändert dadurch? Gib mal, was ist denn da so ein Beispiel?
Stefanie Voss [00:19:19]:
Also ich lade ja immer ein nach meinem Vortrag, ich sag den Leuten, so, Sie haben jetzt eine Stunde was über Vagemut gehört und jetzt können Sie doch nicht zurückgehen und einfach nichts tun. Das geht doch nicht. Machen Sie mal was Vagemutiges. Und da kommen ganz interessante Dinge. Ganz häufig kommen natürlich wichtige Gespräche. Ein Konfliktgespräch, was ich seit Monaten nicht geführt habe. Das führen Menschen dann und berichten mir davon, wie sehr sie das teilweise erleichtert hat, dass sie das geführt haben. Es haben auch schon Menschen nach meinem Vortrag ihren Job gekündigt, weil sie gemerkt haben, wagemutig und meinen Werten entsprechend ist das alles hier nicht mehr.
Also meinen Werten entspricht es nicht und der wagemutige Schritt ist rauszugehen. Das ist natürlich auch schon passiert. Es sind aber auch schon die irresten Sachen passiert. Eine Zuhörerin eines öffentlichen Vortrags bei einem Zeitungsverlag. Die hat mir geschrieben, sie ist nach dem Vortrag abends nach Hause gefahren. Sie wollte schon so lange mal als Senderin auf einer Alm arbeiten, einen Sommer lang. Sie war Pensionärin und sie hat sich an dem Abend beworben und sie hat eine Stelle bekommen. Sie ist dann einen Sommer als Senderin auf eine Alm gegangen und sie hat immer gedacht, kann man das machen? Und es ist doch irgendwie… Und dann ist sie aus dem Vortrag raus und der Vortrag war so der Tropfen, der das fast zum Überlaufen gebracht hat.
Stefanie Voss [00:20:29]:
Und das finde ich natürlich mega, wenn Menschen sich animiert fühlen, wirklich was zu verändern. Ein Geschäftsführer eines Unternehmens, wo ich den Vortrag gehalten habe, der hat mir am nächsten Tag einen Screenshot geschickt von seinem Kalender, der vollgepackt war. Und hat mir geschrieben, Frau Voss, Ich gucke mir meinen Kalender an, ich kotze. Ich werde jetzt erst mal alles Mögliche rausschmeißen. Sie kriegen gleich einen 2. Screenshot von mir. Dann ist die Hälfte dieser Termine rausgeflogen. Ich will wieder der Herr werden über meine Zeit.
Dass ich Menschen so zum nachdenken bringe und so noch mal zu sich und zu ihren Werten bringe und dass sie eben rauskommen aus so Schleifen wie, naja ich gehe zu dem Meeting, weil da muss man halt hingehen. Ja, was für ein Quatsch. Ja, muss man überhaupt nicht. Dass ich das anstoßen kann, ja das ist für mich ein großes Geschenk.
Peggy Patzschke [00:21:18]:
Ja und das ist auch ein Geschenk, dass du zufällig zwei Jungs bekommen hast. Du bist Mama von zwei wilden Kerlen und den konntest du dann eben dadurch auch immer schön Piratengeschichten vorlesen und nicht Pippi Langstrumpf oder Prinzessinnen.
Stefanie Voss [00:21:31]:
Also wir haben auch Pippi Langstrumpf gelesen, aber wir haben natürlich auch Piratengeschichten gelesen. Wir sind hier sehr bunt unterwegs. Was jetzt mittlerweile lesen sie natürlich selber, beziehungsweise 12 und 14 jährige Jungs lesen ja ehrlicherweise nicht mehr so wahnsinnig viel zum Leidwesen ihrer Mutter, aber ja, die sind auf jeden Fall auch mit viel Energie und Wagemut ausgestattet. Ja, aber
Peggy Patzschke [00:21:50]:
in dem Alter guckt man dann auch diese ganzen Animes, diese spannenden japanischen Animes, wo dann solche tollen Captains auch wieder vorkommen. Also diese Personen ziehen sich durch die Geschichte. Das war so spannend, so eine kleine Reise mit dir durch die Piratenwelt. Ich habe das nicht vermutet, was da alles so dahinter steckt und wie die so gelebt haben. Und wenn wir einmal so in diesem Bild sind, vielleicht dein letzter Schlachtruf an alle heute hier an Bord, also alle Zuschauer, die jetzt noch hier dabei sind und die vielleicht in nächster Zeit was vorhaben. Von dir vielleicht noch ein Gruß.
Stefanie Voss [00:22:18]:
Ja, also mein Gruß ganz klar, Leute, hört auf eure inneren Werte. Nehmt euch mal die Zeit, euch zu fragen, was sind die Leitplanken in meinem Leben? Und mit denen wird es unglaublich einfach, gute Entscheidungen zu treffen, ungewöhnliche Wege zu gehen und vielleicht auch Ziele zu erreichen, die man normalerweise überhaupt nicht ins Auge nimmt. Und ja, das ist, ne, nehmt mal ein bisschen mehr Wagemut mit in euren Lebensweg, das tut uns gut.
Peggy Patzschke [00:22:47]:
Das lassen wir so stehen und das sagt eine Frau, die selber eine Menge erlebt hat und auch durchaus einige Klippen umschrift hat. Wer da nicht dabei war, hört euch die Folge mit Stefanie an, die es bereits schon auf diesem Kanal gibt und guckt auch mal auf ihren YouTube-Kanal. Stefanie Voss. Ich bedanke mich ganz ganz herzlich und freue mich schon, wenn wir uns doch vielleicht auch ein drittes Mal wiedersehen. Alles Liebe für dich.
Stefanie Voss [00:23:06]:
Ja, freut dich auch. Dankeschön. Tschüss.
Peggy Patzschke [00:23:08]:
Ja, Wahnsinn, oder? So viele Parallelen zwischen diesen Räubern von einst auf den Weltmeeren zu unserem heutigen Leben. Hättet ihr das gedacht? Ich bin sehr gespannt auf euren Kommentar. Vor allem, wo wendet ihr jetzt vielleicht schon den ein oder anderen Tipp an, den auch schon die Piraten genutzt haben? Und was mich besonders interessiert, was glaubt ihr, welche Persönlichkeiten, Welche Gruppe in unserer heutigen Gesellschaft brauchen dringend so ein paar Piraten-Tubenden? Da bin ich sehr neugierig drauf. Also, schreibt hier rein, direkt unter das Video hinterlasst ein kostenloses Abo, dann sehen wir uns wieder mit dem nächsten spannenden Gast und eine schöne Woche für euch. Bleibt schön am Ruder eures Lebens. Alles Liebe, eure Peggy. Tschüss!