Stefanie Voss zu Gast bei Katrin Hansmeier

Führung braucht Humor – und den Mut, über sich selbst zu lachen!
Piraten, Führung & Humor: Was wir wirklich lernen können
Ich hatte die Freude, im Podcast Humorexpertin fragt Führung mit Eva Ullmann und Katrin Hansmeier über Themen zu sprechen, die mir sehr am Herzen liegen. In dieser Folge teile ich, warum Humor in der Führung unverzichtbar ist, wie meine Erfahrungen auf hoher See meine Sicht auf Leadership geprägt haben und was wir von Piraten über Augenhöhe und Entscheidungsstärke lernen können.
Das erwartet Dich im Interview:
➔ Warum Humor eine geheime Superkraft für Führungskräfte ist
➔ Selbstführung: Was ich auf meiner Weltumsegelung gelernt habe
➔ Die Piratenstrategie: Mut, klare Entscheidungen und echte Augenhöhe
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Transkript
Eva Ullmann [00:00:08]:
Humorexpertin fragt Führung. Eva Ullmann und Katrin Hansmeier machen Humor für Sie berechenbar und einsetzbar. Amüsieren Sie sich, staunen Sie und erweitern Sie Ihr Repertoire.
Stefanie Voss [00:00:30]:
Piraten haben das Prinzip Augenhöhe in einer Zeit, in der es Augenhöhe wirklich nicht gab, perfektioniert. Und das, was Führungskräfte machen können, ist Emotionalität zulassen und auch zeigen und in allen Facetten zeigen. Wenn wir gemeinsam lachen können, dann sind in dem Moment meistens so was wie Angst und Wut, die sehr ungünstige Emotionen sind, sowieso im Leben, aber besonders natürlich in der Zusammenarbeit, im Arbeitskontext, die sind dann in dem Moment schon mal nicht da, wenn es guter Humor ist. Ist.
Katrin Hansmeier [00:01:08]:
Herzlich willkommen bei Humorexpertin fragt Führung. Heute zu Gast Stefanie Voss. Hallo Stefanie.
Stefanie Voss [00:01:16]:
Ja, Hallihallo und schön, dass ich da sein darf.
Katrin Hansmeier [00:01:20]:
Ja, ich bin schon ganz gespannt. Stefanie Voss ist DAX-Konzern, Führungskraft und Unternehmerin, Keynote-Speaker, Business-Coach, Kosmopolitin und Querdenkerin, wie sie selber sagt, Piratin, Mensch, Mutter und Weltumseglerin. Ich bin, ja, da musst du selber lachen. Schöne Liste, ne? Ey, Hammer. Also ich krieg schon Gänsehaut beim Vorlesen.
Stefanie Voss [00:01:45]:
Ja, ist ja nicht alles gleichzeitig, ne? Also die DAX-Konzernführungskraft, die war ich, die bin ich ja aktuell nicht mehr, sondern jetzt seit elf Jahren Unternehmerin. Aber, hach, hört sich schon schön an, wenn ich das selber nochmal so höre. Also macht mich auch glücklich, dass ich das alles schon so auf die Kette gekriegt habe.
Katrin Hansmeier [00:02:01]:
Ja. Ich finde ja total spannend, du hast mit Mitte 20 die Welt umsegelt. So. Was, warum, was hat dich getrieben? Ich finde das faszinierend.
Stefanie Voss [00:02:10]:
Also wenn du mich fragen willst, warum habe ich das gemacht, könntest du als ganz klassische Antwort sagen, weil ich total naiv war. Deswegen habe ich das gemacht. Ja, toll. Nein, also der Hintergrund ist natürlich noch ein bisschen anders. Ich habe zu der Zeit in Argentinien gelebt und gearbeitet für den Bayer-Konzern und war da auch sehr glücklich. Und Dann wurde allerdings mein Job von Argentinien nach Brasilien verlegt. Ich war in der Regionalvertretung für Lateinamerika. Und ich war gerade zwei Jahre in Buenos Aires.
Das war vor der Wirtschaftskrise Argentinien, Superland, Buenos Aires, traumhafte Stadt. Und dann sollte ich nach Sao Paulo ziehen. Und da hatte ich gar keinen Bock. Und jetzt habe ich in Argentinien, weil Buenos Aires direkt am Rio de la Plata liegt, angefangen zu segeln. Ich bin ein bisschen familiär vorbelastet, bei uns in der Familie wurde auch gesegelt. Und habe dann da meinen ersten Segelschein gemacht und hab dann überlegt, Mensch, so segeln, echt cool, macht mir richtig Spaß. Und es ist natürlich immer auch ein Zufall mit im Spiel. Ich habe zufällig erfahren, dass eine Gruppe von Schiffen die Welt segelt und die kommen in Argentinien vorbei.
Hab mich mit der Organisation in Verbindung gesetzt, hab gefragt, wie ist das hier, mit Hand gegen Koje und mit Segeln und so. Dann sagten die sofort, ja, wir haben so viele Schiffe, irgendwer braucht immer Mannschaft. Komm einfach zum Hafen, bring deinen Seesack mit, wenn du Sprachensprachen sprichst, wenn du kochen kannst, wenn du nicht zu schade für irgendwas bist, kriegst du auf jeden Fall einen Platz. Und das hört sich jetzt irgendwie blöd an, aber tatsächlich war es genau so. Ich bin da hingekommen, hab geguckt, war zunächst mal kurze Zeit noch auf einem amerikanischen Schiff, hab dann gewechselt und bin dann den größten Teil meiner Zeit auf einem deutschen Schiff mitgesegelt. Ja, Hand gegen Koje, so nennt man das. Also man arbeitet mit, man zahlt in die Bordkasse ein für Diesel und für Lebensmittel und wird aber eben dafür mitgenommen. Und ich bin von Buenos Aires aus nach Hause gesegelt, aber hintenrum.
Also ich habe den Beweis angetreten, die Erde ist eine Kugel. War allerdings tatsächlich nicht so ein super Fun-Party-Spitzenjahr, wie ich mir das immer vorgestellt hatte, sondern war, ja, Crashkurs der Persönlichkeitsentwicklung, würde ich es heute nennen.
Katrin Hansmeier [00:04:21]:
Warum? Warum Crashkurs?
Stefanie Voss [00:04:23]:
Also 35 Quadratmeter, 12 Leute, Diversity in allen Facetten, international, Männlein, Weiblein, Jung, Alt, Kleingroß, 12 Tage eingesperrt.
Katrin Hansmeier [00:04:34]:
Ja, okay. Was hast du denn da über Führung gelernt?
Stefanie Voss [00:04:37]:
Also ich habe vor allem was über Selbstführung gelernt. Ich habe mir vor allem etwas abgewöhnt und das hat mich danach noch wirklich sehr beflügelt in meinem Leben. Ich habe seit der Weltumsegelung gelernt, dass es völlig okay ist, wenn ich nicht recht habe.
Katrin Hansmeier [00:04:51]:
Diese Erkenntnis haben ja manche erst kurz vorm Sterben.
Stefanie Voss [00:04:54]:
Ja, manche haben sie nie. Da kenne ich auch Kandidaten. Nee, tatsächlich, also die Konflikte in so einer engen Situation sind natürlich total schnell da und sie sind auch sehr schmerzhaft und sehr unangenehm. Und du wirst einfach durch diese beengten Verhältnisse sehr schnell gezwungen, in die Selbstreflexion zu gehen. Und tatsächlich ist das natürlich rückblickend betrachtet ein riesen Vorteil. Damals war das nicht schön. Ich hatte das Tagebuch geschrieben, ich war frustriert, ich war sauer. Ich habe überlegt, die Reise abzubrechen, alles Mögliche.
Die ersten Wochen waren wirklich nicht lustig. Und im Nachhinein bin ich natürlich total dankbar, dass ich mir das angetan und durchgezogen habe.
Katrin Hansmeier [00:05:36]:
Ich finde den Punkt spannend, dass du sagst, die wichtigste Erkenntnis war, dass ich nicht immer recht habe. Ist das für eine Führungskraft auch ein wichtiger Führungsgrundsatz?
Stefanie Voss [00:05:48]:
Recht haben wollen ist auf jeden Fall ein Riesenproblem. Vor allem bei Führungskräften. Und leider gibt es ja viel zu viele, die genau dieses Problem haben. Es gibt ja auch ein schönes Buch dazu, The Ego is the Enemy. Also ein zu großes Ego und ein zu großes Ich, ich muss mich durchsetzen, ich muss entscheiden, ich kenne die Wahrheit, ist in allen Beziehungen und überall schwierig, weil die Welt nun mal sehr, sehr vielfältig ist und Menschen einfach unterschiedliche Sichten auf die Welt haben. Und wenn ich das als Führungskraft verinnerliche, so eine Haltung, und ganz ehrlich, meine Führungsaufgabe macht es mir ja leicht, das zu verinnerlichen, weil ich ja häufig auch in einer Machtposition bin, dann habe ich auf jeden Fall, zumindest langfristig, ein Problem. Auf jeden Fall.
Katrin Hansmeier [00:06:34]:
Und nimmst du da Unterschiede bei Frauen und Männern wahr, was dieses Ego oder auch das Recht haben wollen, sich durchsetzen wollen, Nimmst du da Unterschiede wahr?
Stefanie Voss [00:06:46]:
Also es ist natürlich sehr, sehr pauschalisiert und ich könnte dir jetzt nicht sofort die 18 wissenschaftlichen Studien zitieren. Tendenziell würde ich sagen, Männer haben ein größeres Ego-Thema als Frauen. Meine sehr pauschale Beobachtung Letztendlich, das ist jetzt natürlich auch wieder sehr pauschal formuliert, aber guckt ihr an, was jetzt gerade in der Weltpolitik passiert. Man kann Angela Merkel viel vorwerfen, aber dass sie sozusagen aus gekränktem Ego heraus pampig reagiert, zurückschießt, dass sie zickig wird, dass sie, ich sag mal, wenn sie beleidigt wird, zurückbeleidigt. Das ist ihr nach meinem Wissen noch nicht passiert. Und wir haben jetzt gerade vor ein paar Tagen die Situation gehabt mit Friedrich Merz und dem verschobenen Parteitag. Und da siehst du genau, da hatte er sich wahrscheinlich einen Moment nicht unter Kontrolle oder war schlecht beraten. Er hat ja ziemlich angefressen reagiert auf die Verschiebung des Parteitages.
Und das ist natürlich eine Reaktion aus verletztem Ego heraus. Ich will das, ich weiß jetzt, dass das richtig ist, wir müssen das jetzt im Dezember machen, rumsbums, und dann ist es aber anders gelaufen, sein Ego ist verletzt worden, das kann ich auch nachvollziehen, da bin ich ihm auch gar nicht böse, aber die Reaktion war eben ego-gesteuert. Und ego-gesteuerte Reaktionen, vor allem aus dem verletzten Ego heraus, sind immer ungünstig.
Katrin Hansmeier [00:08:02]:
Jetzt würde mich genau an dem Punkt mal interessieren, du warst ja lange selber Führungskraft und hast in großen Konzernen gearbeitet und auch andere Führungskräfte beobachtet und jetzt coachst du ja auch Führungskräfte. Was hat denn Humor in diesem Moment, wo ich mein Ego so ernst nehme? Wo kann mir denn der Humor helfen in meinem Führungsstil?
Stefanie Voss [00:08:24]:
Ob er dir direkt helfen kann in deinem Führungsstil, das kann ich so direkt nicht beantworten. Wo er aber sehr hilfreich ist, Ich muss mich ja zum Beispiel auch als Mitarbeiter mal entscheiden, möchte ich jetzt lieber für den Chef arbeiten, möchte ich für den Chef arbeiten. Wie sind eigentlich Menschen unterwegs? Sie kann nicht relativ einfach feststellen, ob so jemand gut ist in seiner Führungsrolle oder nicht. Und da spielt Humor eine elementare Rolle. Denn ein ganz wichtiger Indikator, ob jemand ein guter Chef ist, hat mit Humor zu tun und das ist die Frage, kann jemand eigentlich über sich selber lachen? Und Menschen, die über sich selber lachen können, sind zumindest, was so dieses ganze Prinzip Augenhöhe, Wertschätzung, Recht haben und so weiter angeht, sind in der Regel sehr gute Führungskräfte, weil sie a zu sich selber eine gesunde Distanz bilden können, weil sie in der Regel auch sich selber nicht allzu ernst nehmen. Und wenn ich ein sehr großes Ego habe und wenn ich meine, ich bin der tollste Hecht im Karpfenteich, dann finde ich es nicht angemessen, über mich selber zu lachen, weil ich mir damit sozusagen meinen eigenen Status, der mir ja ganz ganz wichtig ist, kaputt mache. Deswegen sage ich immer, das habe ich Ganz oft im Coaching, wenn Leute darüber legen, was ist das für ein Mensch, wie kann ich den einschätzen, dann ist ganz oft eine Frage, die ich stelle, kann dieser jemand über sich selber gut lachen? Auf eine nette Art und Weise. Wenn die sagen, das kann der oder das kann die, dann ist das ein Indikator dafür, dass es einfach sein wird, mit der Person zusammenzuarbeiten.
Katrin Hansmeier [00:09:47]:
Total schöner Hinweis, ja. Du hast gerade schon den Status angesprochen. Also ich beobachte in Unternehmen, je höher der Status, umso weniger Humor wird gemacht oder besser gesagt, umso weniger liebevoller Humor. Also wird eher Humor auf Kosten von anderen gemacht, aber dieses über mich selber lachen oder auch über die Witze von anderen lachen, wo ich ja auch anderen Status schenke, wird immer weniger. Und ich erlebe das auch bei Führungskräften, diese Sorge, dass Humor meiner Kompetenz schadet. Und wie erlebst du das jetzt auch in deinen Coachings? Ist das Thema für die Leute, diese Lässigkeit, Gelassenheit, das wird ja oft auch mit Humor gleichgesetzt?
Stefanie Voss [00:10:25]:
Also sagen wir mal so, da, wo Menschen in der Lage sind, anderen auf Augenhöhe zu begegnen, ist Humor da. So würde ich das sagen. Und da, wo Augenhöhe sowieso schon nicht gegeben ist, also wo sowieso schon Status eine Rolle spielt und auch ausgespielt wird, also auch auf eine nicht Entscheidungshierarchie-Ebene ausgespielt wird, sondern auf einer zwischenmenschlichen Ebene ausgespielt wird, also jetzt auf eine fiese Art und Weise. Das ist natürlich eben der Moment, wo der Humor dann nicht mehr lustig ist, sondern verletzend ist. Und genau das passiert, was du eben beschrieben hast. Ich lache über die Witze von jemandem Nicht, weil ich sie witzig finde, sondern einfach, weil ich dem irgendwie, naja, ganz böse formuliert, irgendwie in den Arsch kriechen will. Da, wo Augenhöhe da ist, hat Humor meistens einen guten Platz und eine gute Rolle und eine verbindende Rolle. Es ist ja auch was, was Vertrauen schafft und gemeinsam lachen können.
Hat einfach für mich einen ganz, ganz großen Vorteil im Unternehmen. Wenn wir gemeinsam lachen können, dann sind in dem Moment meistens so was wie Angst und Wut, die sehr ungünstige Emotionen sind, sowieso im Leben, aber besonders natürlich in der Zusammenarbeit, im Arbeitskontext, die sind dann in dem Moment schon mal nicht da, wenn es guter Humor ist. Natürlich da, wo Augenhöhe nicht da ist, wo Humor verletzend ist, ja, da zeigt sich einfach dann auch sehr häufig schlechte Führung. Warum ist das, je höher ich im Unternehmen komme, so ein Problem? Naja, Weil eine Obersticht unter ist nun mal das Gesetz in Organisationen. Und Humor kann eben, ohne dass ich es beabsichtige, ganz nett gemeint sein, aber ganz falsch ankommen. Und wenn sich dann eben jemand erst mal getroffen fühlt oder in seinem Ego verletzt fühlt oder ich einen wunden Punkt getroffen habe, der mir gar nicht bewusst ist, dann ist so eine kaputte Beziehung oder dass jemand sauer auf mich ist, das ist womöglich ein Karrierekiller.
Katrin Hansmeier [00:12:11]:
Genau.
Stefanie Voss [00:12:12]:
Und deswegen sind Leute natürlich sehr vorsichtig mit dem, was sie an Humor rauslassen.
Katrin Hansmeier [00:12:17]:
Aber, wie du sagst, wenn ich also erst mal die Augenhöhe herstelle, die Wertschätzung, dann darf ich den Humor draufpacken oder er kommt halt dann auch von ganz alleine. Dann darf ich mutig sein.
Stefanie Voss [00:12:28]:
Genau, dann darf ich mutig sein. Und diese dünne Linie, die ist natürlich, gerade wenn du jetzt von unten nach oben denkst, also ich bin Mitarbeiter und mir gegenüber sitzt mein Chef, dann ist diese Linie natürlich für mich mit viel mehr Risiko behaftet als in die andere Richtung, wenn ich der Chef bin und mein Mitarbeiter sitzt vor mir. Ich hatte gerade vor zwei Tagen ein Rhetoriktraining mit drei Führungskräften. Da haben wir dieses Thema ausführlich diskutiert. Der eine ist von Natur aus sehr sarkastisch mit seinem Humor. Das war an dem Tag superwitzig. Wir hatten einen tollen Tag zusammen. Aber der hat genau dieses Problem, dass er eine Führungskraft hat, die diesen Sarkasmus nicht wirklich gut interpretieren kann.
Und dem gelingt es, total unabsichtlich immer wieder seinen Chef vor den Kopf zu stoßen, obwohl er es total gut meint. Aber dieser Humor kommt halt nicht so richtig an. Und letztendlich, das ist zwar furchtbar, aber ich rate dann in solchen Fällen, lass es raus, weil du dir selber natürlich in dem Moment viel mehr schadest, als dass du irgendwie durch den Humor was für eure Beziehung tun kannst.
Katrin Hansmeier [00:13:31]:
Oder wir würden natürlich sagen als Humorexpertinnen, trainiere nicht den abwertenden, sarkastischen Humor, sondern mach liebevollen Humor. Und da braucht es aber eben ein bisschen Übung und auch Reflexion und das ist manchen dann wieder viel zu anstrengend.
Stefanie Voss [00:13:45]:
Naja und liebevoller Humor unter Männern ist dann auch wieder, also ist natürlich noch viel, viel, viel schwieriger, als wenn jetzt zwei Frauen sich liebevoll, humorvoll begegnen wollen. Naja, die haben dann auch noch andere Themen, die da reingekommen.
Katrin Hansmeier [00:13:58]:
Ja, das ist ja interessant, Welche denn?
Stefanie Voss [00:14:01]:
Naja, ich glaube, dass unter Männern, wenn es zu wertschätzend oder schleimig, sag ich jetzt mal, wird, dass das schnell in eine falsche Richtung interpretiert werden kann. Das ist unter Frauen sicherlich viel, viel, viel einfacher. Und da kommen wir wieder zu dem Ausgangspunkt. Ich glaube auch, weil bei den Frauen insgesamt weniger Ego im Spiel ist.
Katrin Hansmeier [00:14:18]:
Spannend, finde ich total spannend. Also die Beobachtung, dass es vielleicht auch eine Scheu dafür gibt, zu nett, zu wertschätzend zu sein, weil ich so eine gewisse Männlichkeit oder so Durchsetzungskraft damit verbunden wird, dass ich eben nicht zu nett bin.
Stefanie Voss [00:14:34]:
Als Mann bin ich eben auch ein Kerl und ich bin auch stark und ich bin auch souverän. Und jemand anderem zu nett oder zu humorvoll oder zu liebevoll auch noch zu begegnen, das ist ja erstmal so eine, ey, was bist denn du für ein Weichei? Ja. Da ist natürlich alles logisch, nicht richtig, aber aus der Situation heraus kann ich schon nachvollziehen, dass Menschen sich damit schwer tun.
Katrin Hansmeier [00:14:57]:
Also ich würde es ja einfach virtuos nennen.
Stefanie Voss [00:15:00]:
Ja, schöner Begriff.
Katrin Hansmeier [00:15:01]:
Also wenn ich, ich trainiere ja auch Chefärzte zum Beispiel, da komme ich genau an den Punkt, die sind viel im Hochstatus unterwegs. Dann trainiere ich mit denen, wie sie es schaffen. Ich sage, ich verrate ihnen ein Geheimnis, wir Frauen können das schon. Wenn wir zum Beispiel in die Werkstatt gehen und unser Auto schnell repariert haben wollen, Dann können wir ganz schnell in den Tiefstatus. Dreimal mit den Augen klimpern, dann ist das Ding geritzt. Dann gehen wir wieder raus und in den Hochstatus. Wir wissen, wir kommen aus diesem Tiefstatus wieder raus. Wir setzen ihn gezielt ein und macht den so Lust da drauf.
Es ist wirklich so ein magischer Moment, wenn so ein Chefarzt es wirklich mal schafft, in diesen Tiefstatus mit Augen klimpern zu gehen. Und dann wieder in den Hochstatus geht und merkt, er hat eine Wirkung. Er kann damit entspannen, er kommt viel schneller zum Ziel.
Stefanie Voss [00:15:46]:
Das finde ich super, die Idee, greife ich total gerne auf. Und noch als Ergänzung dazu, warum ist das im Unternehmen vielleicht auch wirklich schwierig, das ist ja beim Chefarzt vielleicht auch ähnlich, viele Leute definieren sich halt auch sehr über ihren Status. Und die Idee, diesen Status freiwillig abzulegen, die ist natürlich im ersten Moment vielleicht erstmal auch total absurd.
Katrin Hansmeier [00:16:06]:
Total absurd. Ich rate auch immer dagegen. Es könnte auch sein, dass Sie Ihre Kompetenz vollkommen verlieren. Dadurch ist es auch einfach sehr gefährlich.
Stefanie Voss [00:16:14]:
Ja, Auf jeden Fall.
Katrin Hansmeier [00:16:17]:
Du sagst ja auch, du plädierst für ein neues Verständnis von Führung oder auch für eine ganz neue Führungskultur. Und sagst, diese autoritären Leadership-Persönlichkeiten, die sind komplett vorbei und es wird von uns als Führungskraft maximale Agilität verlangt, Flexibilität und den produktiven Umgang mit Komplexität. Da sind ja ganz viele Instrumente für sinnvoll. Für mich ist tatsächlich auch Humor eins. Im Humor denke ich halt und bin sehr flexibel. Also allein dieses Statusspiel. Ich verharre nicht in einem Zustand, in einer Denkweise, sondern ich denke Du hast so schön benannt, wenn man im Unternehmen miteinander lachen kann, ist Angst und Sorge weg.
Stefanie Voss [00:17:00]:
Wut auch vor allem. Wut und Aggression ist zumindest bei den allermeisten Formen von gemeinsamen Lachen hat in dem Moment keinen Platz. Und Angst oder Wut und Aggression ist natürlich das, was einfach total schnell, total viel kaputt macht. Und das kriege ich halt zumindest zeitweise mal durch Humor so ein Stück weit aus der Tür gedrängt.
Katrin Hansmeier [00:17:18]:
Wenn man sich jetzt diese momentanen Zeiten angucken muss, wo es ein Hin und Her gibt mit neuen Bestimmungen, mit Ungewissheit, was kann ich denn als Führungskraft auch dafür tun, meine Leute in diese Leichtigkeit mitzunehmen? Also Wie kannst du dir vorstellen, wie gelingt das? Diese Ernsthaftigkeit der Situation und trotzdem diese Leichtigkeit mitzuvermitteln?
Stefanie Voss [00:17:41]:
Im Moment ist der Satz, eine Krise ist immer eine Chance, der hat ja schon eine zynische Konnotation. Insofern, ich glaube, im Moment, zumindest auf die Corona-Situation geguckt, ist Leichtigkeit schwierig zu erreichen, aber zumindest so eine gute Funktionsfähigkeit zu erhalten. Wir sind mittlerweile schon so dünnhäutig geworden, das ist, glaube ich, gerade… Es wäre schön, wenn uns das gelänge, fände ich super. Ich für mich selber kann sagen, Leichtigkeit geht momentan ganz schön ab. Und mein Ziel ist momentan eher zu sagen, ich finde immer wieder diese Momente, wo ich mich an Dingen erfreuen kann. Dass ich jetzt mit Leichtigkeit durch Leben gehe, kann ich jetzt gerade nicht unbedingt sagen, aber zumindest bleibe ich doch in meinem, sagen wir mal, in meiner, in meiner konstruktiven Grundhaltung.
Katrin Hansmeier [00:18:26]:
Ja, du hast gepostet, ich habe das nämlich gesehen, dass du dir gelbe Rosen gekauft hast.
Stefanie Voss [00:18:32]:
Genau
Katrin Hansmeier [00:18:33]:
Und dann ein Bild. Und darunter hast du geschrieben, warum habe ich das gemacht? Gerade um mich jetzt in dieser schweren Zeit daran zu erinnern, was kann ich für mich tun.
Stefanie Voss [00:18:42]:
Genau. Und das, was Führungskräfte tun können, Und das ist auch das, was ich immer wieder rate. Und da kommen wir gleich sozusagen anknüpfend an mein anderes Lieblingsthema, ist immer wieder so dieses situative Vorgehen. Also zu sagen, in dem Moment, wenn es gerade mal ätzend ist, dann darf ich auch als Führungskraft sagen, Leute, wisst ihr was, Es ist gerade echt ätzend. Also die Emotionen, die sowieso im Raum stehen, benennen und vergemeinschaften. Und natürlich, wir bleiben jetzt nicht im Jammertal stehen, zu sagen, okay, was können wir denn jetzt dennoch für uns tun? Worüber können wir gerade mal lachen? Was ist gerade irgendwie doch noch mal nett? Ich finde Leichtigkeit, wie gesagt, ich würde jetzt nicht das Ziel ausgeben Leichtigkeit, aber ich würde sagen, es muss zumindest mal die leichten Momente geben.
Katrin Hansmeier [00:19:26]:
Nennen wir es eine Ressource.
Stefanie Voss [00:19:28]:
Genau, und situativ heißt, ich gucke immer wieder jeden Tag, was ist gerade, was braucht jemand gerade, was brauche ich gerade und handle von Situation zu Situation. Das heißt, es gibt Momente, und das haben wir gestern wunderbar erlebt, jetzt in diesen ganzen Entscheidungsfragen, wo autoritäre Führung tatsächlich hilfreich ist, weil sie schnell ist, weil sie klar ist, weil sie deutlich ist. Ich bin kein Gegner grundsätzlich von autoritärer Führung, aber ich möchte natürlich nicht jeden Tag autoritär von meiner Politik geführt werden. Also es gibt autoritäre Momente, Es gibt Momente, wo wir uns mal gemeinsam auskotzen. Es gibt Momente, wo ich ganz viel zuhören muss. Es gibt Momente, wo Lachen eine Medizin ist. Und das, was Führungskräfte machen können, ist Emotionalität zulassen und auch zeigen. Und in allen Facetten zeigen.
Also mich auch verletzlich zeigen, mich auch humorvoll zeigen, mich auch mal nicht wissend zeigen. Also was kann eine Führungskraft tun, im Moment zu sagen, wisst ihr was, Leute, ich kämpfe hier jeden Tag dafür, dass wir weiterkommen. Und genau weiß ich auch nicht, wie es wird. Ich habe auch keinen Plan, was im März, April, Mai sein wird. Ich mache jetzt einen Plan für die nächste Woche, für die nächsten zwei Wochen und habe ein ziemlich großes Gefühl dafür, dass das funktioniert. Aber Wissen weiß ich das natürlich auch nicht. Also als Führungskraft zu sagen, Ich weiß das nicht. Ich habe nicht die Übersicht.
Ich habe nicht den Plan. Ich habe nicht die schlaue Entscheidung. Das ist ja auch schon ein Paradigmenwechsel für viele Führungskräfte. Und ich finde, das ist natürlich etwas, was wir gerade wunderbar lernen. Dieses iterative, ja wir reden alle über Design Thinking, über Agilität, über iteratives Vorgehen. Wir erleben gerade, wie das ist. Und wir müssen gerade unsere Politik letztendlich dafür respektieren und akzeptieren, dass die auch nur von Tag zu Tag denken können. Stell dir mal vor, vor zwei Jahren hätte jemand gesagt, wir treffen jetzt eine sehr weitreichende Entscheidung.
In zwei Wochen gucken wir uns die dann mal an.
Katrin Hansmeier [00:21:18]:
Ja, ist mega. Eigentlich ist es Wahnsinn. Bei allem Schmerz. Aber wenn man es dann mal schafft, in diese Vogelperspektive zu kommen, was sich alles bewegt und wie unsere Gehirne gerade rattern, ist es Wahnsinn.
Stefanie Voss [00:21:34]:
Es ist Wahnsinn und es ist eben genau Wir erleben gerade alle, wie es ist, mit nicht verlässlichen und nicht durchexerzierten Informationen und keinen ganz eindeutig zuordnenbaren Trigger-Auswirkungsmechanismen, wie es ist, damit zu arbeiten. Eine super spannende Lernerfahrung, die wir alle machen können zum Thema Führung, zum Thema Agilität, zum Thema iteratives Vorgehen. Und natürlich, und das ist das Besondere, und da kommt der Humor wieder rein, dieses Wechselbad von Emotionen, durch das wir alle durchlaufen, das ist natürlich gerade auch wirklich, ich finde es nicht gerade immer nur einfach, aber es ist natürlich total lehrreich.
Katrin Hansmeier [00:22:17]:
Was postete unser wunderbarer Kollege Holger Müller, AKA-Ausbilder, mit gestern. Jetzt noch endlich bis Montag. Ich habe noch vier Vorstellungen, alle ausverkauft. Und dann schrieb jemand unten drunter, es ist wie bei den Rolling Stones, alle zwei Wochen hat man eine Abschiedstour. Man muss nicht so lachen, weil es löst nicht den Schmerz, aber es erlaubt mir über meinen Schmerz zu lachen und ich hab auf einmal, ich hab dann tatsächlich einen anderen Umgang Und auch eine Leichtigkeit in dem Moment mit diesem großen Schmerz, dass ich nicht auf eine Bühne darf.
Stefanie Voss [00:22:50]:
Genau. Also es ist einfach immer wieder dieses von Situation zu Situation denken und auch Führung von Situation zu Situation neu denken. Und ich habe es eben schon angerissen, Da kommen wir dann zu den Piraten. Das ist das, was die für mich wirklich perfektioniert haben. Und ich weiß nicht warum, aber es ist irgendwie in Vergessenheit geraten, dieses iterative Führen. Es gibt diktatorische Führung und autoritäre Führung in dem Moment, wo es darauf ankommt, nämlich im Kampf. Und ansonsten gibt es eine total flache Hierarchie. Es werden alle Sachen demokratisch entschieden.
Es gibt immer das unbedingte Prinzip von Augenhöhe. Und diesen Wechsel ständig zu vollziehen und den auch zu respektieren und zu leben, Das ist das, was mich überhaupt auf dieses Piratenthema gebracht hat und weswegen ich zum Thema Führung mittlerweile also ein großer Piraten-Fan bin. Auch wenn natürlich Piraten noch so ein paar andere, naja, sagen wir mal, Eigenschaften an sich haben, die ich auf gar keinen Fall unterstütze. Aber das Führungsthema in Bezug auf diese Karibik-Piraterie, also goldenes Zeitalter der Piraterie vor 400 Jahren, das ist genial. Die haben das perfektioniert, ganz schnell zu wechseln und die Führungsstile den Situationen super effizient anzupassen.
Katrin Hansmeier [00:24:03]:
Wenn du jetzt so ein, zwei konkrete Tipps einer Führungskraft geben würdest, was kann der sich von so einem Pirat abgucken?
Stefanie Voss [00:24:11]:
Ja, der kann sich einfach überlegen, welcher Führungsstil ist jetzt im Moment in dieser Situation gerade sinnvoll? Brauche ich eine ganz schnelle und eine ganz klare Entscheidung? Dann ist natürlich die Entscheidung, die ich treffe und kommuniziere, die schnellste und einfachste und klarste, die ich treffen kann. Oder habe ich Zeit für einen Diskurs, für einen Austausch? Dann treffe ich keine Entscheidung, sondern lade zum Beispiel zum Dialog ein. Und diesen Wechsel, der in der Piraterie eben üblich war, also es wurde zum Beispiel immer gemeinschaftlich abgestimmt, was ist unser nächstes Ziel, wo ist der nächste Beutezug. Dann wurde abgestimmt und Diejenigen, die sich nicht dafür entschieden haben, konnten dann auch noch sagen, okay, dann verlasse ich jetzt die Mannschaft hier. Wenn ich denen nicht mitgehen will, kann ich immer noch gehen. Wenn ich aber an Bord geblieben bin, dann habe ich mich der Mehrheitsentscheidung gefügt. Dann wurden immer noch viele Dinge gemeinschaftlich entschieden. Aber in dem Moment des Kampfes, wenn der Angriff lief, damit der wirklich koordiniert lief, gab es eine ganz klare autoritäre Führung.
Es gab den Kapitän und die anderen haben sich dem untergeordnet. Und das ist jetzt heute in Unternehmen noch nicht Alltag, aber was natürlich auch spannend ist, Piraten haben ihren Kapitän immer selbst gewählt. Und natürlich auch abgewählt, wenn es nicht so lief.
Katrin Hansmeier [00:25:23]:
Sag mal, gab es auch Piratinnen?
Stefanie Voss [00:25:26]:
Ja, gab es auch. Natürlich nicht so wahnsinnig viele. Und vor allem sind die natürlich auch nicht so gut dokumentiert. Aber es gab auf jeden Fall auch Frauen. Das ist wieder so ein Thema, was für mich die Piraten, wofür die stehen und was man überhaupt nicht so genau weiß. Piraten haben das Prinzip Augenhöhe in einer Zeit, in der es Augenhöhe wirklich nicht gab, perfektioniert. Also, alle waren gleich, alle Brüder sind gleich. So stand das ja auch immer in diesen Piratenregeln.
Und das ist heute, sprechen wir davon, alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Okay, funktioniert heute, sagen wir mal ganz gut. Damals, Sklaverei, Leibeigenschaft, das Verhältnis von Männern und Frauen, alles ganz, ganz anders. Bei Piraten war wirklich jeder gleich. Es gab, das ist heute fast vergessen, für wenige Jahre, ich glaube Es waren insgesamt fünf oder sechs Jahre, gab es mal eine Piratenrepublik auf der Insel Nassau in der Karibik. Da durften Frauen wählen, da durften Sklaven wählen, ja, schwarze, weiße, alles. Da durften schwule Paare heiraten. Das gab’s alles schon, diese Gleichheit, diese wirkliche menschliche Gleichheit, die gab’s schon.
Die haben die Piraten vorgelebt. Es hat sich natürlich dann erst mal wieder alles verschlagen, aber alle auf Augenhöhe, alle mit einer Stimme, wirklich gleichberechtigt, das ist für mich etwas, was natürlich für Führung elementar wichtig ist, dass ich Menschen auf einer Ebene begegne. Und ja, das haben die einfach vorgelebt. Und leider, leider, leider haben wir das vergessen über viele Jahrhunderte und jetzt kommt es natürlich auch in unserer Gesellschaft wieder an.
Katrin Hansmeier [00:26:58]:
Ja, und zum Glück gibt es Menschen wie dich, die Vorträge darüber halten, die man ins Unternehmen holen kann. Und dann lebt man das halt. Man muss es ja auch nicht immer so kompliziert machen, weil so kompliziert ist es nicht. Man hört dir zu und dann macht man es mal so. Fertig.
Stefanie Voss [00:27:12]:
Genau. Also in meinem Vortrag geht es natürlich Piraten. Die Überschrift über den Vortrag ist so ein bisschen auch das Thema Wagemut, also wagemutige Schritte gehen. Und Wagemut heißt eben für mich, und da kommen wir wieder zum Thema Führung, ich tue Dinge, die vielleicht ungewöhnlich sind, die aber ganz tief in meinem Wertegerüst verankert sind. Und wenn in meinem Wertegerüst ganz tief verankert ist, Menschen sind gleich und ich möchte allen Menschen auf Augenhöhe begegnen, dann kann ich vielleicht auch mal Dinge tun, die ungewöhnlich sind. Also, dann kann ich mich eben auch aus meinem Status heraus begeben und auch wenn ich Vorstandsvorsitzender bin, kann ich mit einem, sag ich mal, Vertriebsmitarbeiter, der irgendwie gerade einen Schicksalsschlag hat, kann dem einfach mal eine Stunde meiner Zeit widmen, sich mich einfach hinsetzen und dem einfach nur zuhören. Also solche Dinge.
Katrin Hansmeier [00:27:58]:
Oder halt auch mal Humor machen. Das hat auch was mit Wagemut zu tun.
Stefanie Voss [00:28:01]:
Genau, Oder Humor machen. Mich vor meine gesammelte Belegschaft stellen und erst mal erzählen, dass mir heute Morgen irgendwas ganz Lustiges passiert ist.
Katrin Hansmeier [00:28:09]:
Genau. Ich bin mir sicher, Piraten hatten auch Humor, sonst wären die nicht so erfolgreich gewesen.
Stefanie Voss [00:28:14]:
Also die mussten ja auch Humor haben, weil ganz ehrlich, die hatten ja ein hartes Leben. Also die haben sich ja, wer sich für die Piraterie entschieden hat, wusste, er wird mehr oder weniger auf der ganzen Welt mit der Todesstrafe bestraft, wenn er geschnappt wird. Das heißt, also es war eigentlich immer dieses Gefühl von, wenn sie mich kriegen, dann ist es vorbei. Und ich glaube, das hat schon mal viel Humor freigesetzt. Ja, und sie haben natürlich, also das ist übrigens auch schön, das weiß man heute auch nicht mehr, auf den Schiffen, auf den Piratenschiffen gab es immer Musiker, es gab immer Tanz, Es gab immer Musik, es gab immer, die haben natürlich auch viel gespielt, aber das war wichtig. Es gab sogar Regeln, dass die Musiker nur einen Tag in der Woche frei hatten und sechs Tage lang Musik machen mussten, damit man tanzen konnte, damit man fröhlich sein konnte, weil die Bedingungen, Die Rahmenbedingungen waren natürlich furchtbar.
Katrin Hansmeier [00:29:02]:
Wenn wir das nochmal auf Krisenzeiten übertragen, spricht das für sich, oder? Ja. Du bist ja auch viel für Frauen, also mit weiblichen Führungskräften unterwegs, auf Female Leadership Summits, Netzwerkveranstaltungen für weibliche Führungskräfte. Und auf deiner Website entdeckt ein Satz, dass du sagst, gerade für uns Frauen ist es allerhöchste Zeit, endlich selbstbewusst und souverän voranzukommen. Wir sind also noch nicht souverän genug, deiner Meinung nach.
Stefanie Voss [00:29:27]:
Ja, leider ist das, also das, was Männer vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu viel an Ego haben. Das haben wir Frauen an der einen oder anderen Stelle, finde ich zumindest, und auch das ist natürlich eine pauschalisierte Aussage, aber ich finde, wir haben es generell zu wenig. Also der Klassiker, sag einer Frau, Mensch, das hast du wirklich gut gemacht, oder Mensch, du bist befördert worden, das ist ja super. Was kommt als Antwort? Ah ja, ich hatte Glück. Ja, also da hat mir jemand geholfen. Ja, mein Mann hat mir bei den Bewerbungsunterlagen geholfen. Also, dass du einer Frau ein Kompliment machst und sie sagt, danke schön, ich find’s auch geil.
Katrin Hansmeier [00:30:04]:
Ich find’s auch geil. Auch bei Frauen wäre so ein Tipp, mehr Wagemut, mehr Danke. Ich find’s auch geil.
Stefanie Voss [00:30:11]:
Ja, mehr Selbstbewusstsein, mehr ich erarbeite mir meinen eigenen Erfolg. Und ja, natürlich habe ich Förderer, habe ich Unterstützer, habe ich Hilfe. Letztendlich bin ich aber diejenige, die die PS auf die Straße bringt. Und Frauen, also wir prahlen ja jetzt sowieso schon mal nicht so wahnsinnig viel in Deutschland, würde ich sagen, aber wir Frauen prahlen noch viel, viel weniger als die Männer. Und ich finde, wir könnten auch mal mehr sagen, ja, das hab ich wirklich gut gemacht.
Katrin Hansmeier [00:30:38]:
Ja, also üben.
Stefanie Voss [00:30:40]:
Genau, es gibt einen ganz bösen Witz. Frage, Wie bringst du Frauen zum Reden? Mhm. Frage sie, was sie an ihnen selber nicht gefällt. Wie bringst du Frauen zum Schweigen? Frage sie, was sie an sich selber richtig gut finden.
Katrin Hansmeier [00:30:56]:
Ja, das ist ja eigentlich noch nicht mal ein Witz.
Stefanie Voss [00:30:58]:
Ja, das ist ein böser Witz und er ist leider wahr. Also Coaching, eine meiner ersten Übungen. Wenn eine Coaching-Klientin zu mir ins Coaching kommt, die ist, was weiß ich, 43 Jahre alt, dann lege ich ihr eine Liste hin und sage, hier sind 43 Punkte, ich möchte, dass sie jetzt 43 Dinge aufschreiben, die sie selber richtig gut können. Das schaffe ich nicht.
Katrin Hansmeier [00:31:15]:
Und dann schaffen sie es doch.
Stefanie Voss [00:31:17]:
Natürlich. Und was ist dann? Dann ist man auf bei 56 oder so.
Katrin Hansmeier [00:31:20]:
Ja und wie ist dann die Wirkung?
Stefanie Voss [00:31:22]:
Ja die Wirkung ist, die sind total geflasht und ich rate dann auch oft dazu, stellen Sie sich bitte diese Liste an Ihren Badezimmerschrank, so dass wir da jeden Tag mindestens zwei, drei Mal drauf gucken müssen. Ja. Und wir haben natürlich auf der anderen Seite, dieser mangelnde Selbstwert ist, wir haben eben gelernt, wir sind nett, wir halten uns eher zurück, wir sind eher still, wir sind eher brav. Das passt natürlich nicht in, ja Natürlich habe ich das richtig und gut gemacht. Natürlich darf ich eine eigene Meinung haben. Natürlich darf ich auch unbequeme Dinge äußern. Das passt nicht in das Frauenbild, was wir leider gesellschaftlich immer noch haben. Und da sind natürlich die Piraten wunderbar.
Weil Piraten haben sich einen Dreck darum geschert, was andere Leute denken. Und haben einfach ihr Ding gemacht.
Katrin Hansmeier [00:32:03]:
Frauen noch mal viel mehr diesen Vortrag angucken. Seit Piratinnen. Seit Piratinnen, find ich super. Du sagst, das hatten sicherlich die Piraten, dass klare Kommunikation für dich ein Schlüssel zum Erfolg ist. Dass du als Mutter von zwei wilden Jungs, als Ehefrau, als Businessfrau, als Seglerin, also in all deinen Rollen immer wieder erlebst, dass klare Kommunikation den Unterschied macht. Hast du mal ein Beispiel für mich, ein Beispiel für klare Kommunikation und eins für unklare?
Stefanie Voss [00:32:33]:
Der Klassiker in der klaren Kommunikation ist das beherzt ausgesprochene Nein. Also der Klassiker in der klaren Kommunikation ist das wunderbare Wörtchen Nein. Klare Kommunikation heißt, du fragst mich irgendwas, bittest mich einen Gefallen, und ich sage dir auf eine sehr klare Art und Weise Nein. Ich muss dich ja nicht vor den Kopf stoßen, ich muss ja nicht direkt sagen Nein. Ich kann ja auch sagen, Mensch, Katrin, ich freue mich, dass du mich fragst, und nein, mit der Sache kann ich dir jetzt nicht helfen. Du kannst mich gerne an anderer Stelle bei einer anderen Sache wieder fragen und damit habe ich dir ganz klar und deutlich nein gesagt, ich habe mich nicht gerechtfertigt und habe dir aber gesagt, ich bin grundsätzlich offen. Was tun wir? Du fragst mich irgendwas und ich sage, also ja, hm, also muss ich jetzt nochmal, ähm, ähm, also ich, ähm, naja, also vielleicht, aber ich, äh, darf ich da noch, darf ich da vielleicht nochmal drüber nachdenken?
Katrin Hansmeier [00:33:28]:
Und eigentlich merken wir schon im Bauch, Es ist ein Nein, ne?
Stefanie Voss [00:33:31]:
Es ist ein Nein. Und der erste Schritt, weil mir das natürlich manchmal schwerfällt, direkt Nein zu sagen, der erste Schritt, den ich immer rate, ist zu sagen, ich danke dir für die Frage, ich möchte bitte einen Tag darüber nachdenken und du bekommst morgen von mir eine Antwort. Und das kann ich ja als Standardsätzchen letztendlich auswendig lernen. Und dann kann ich mir das Nein für den nächsten Tag ein bisschen ausführlicher zurechtlegen und muss das nicht so spontan aus dem Bauch raushauen, was natürlich vielen Leuten wirklich schwerfällt.
Katrin Hansmeier [00:34:01]:
Ja, und was ich auch raushöre, also gerade wenn wir auch noch mal Frauen und Männer, wo ich das Gefühl habe, Männer sind oft viel klarer in ihrem, die merken das ist ein Nein und dann sagen die das. Wir Frauen eiern da öfter mehr rum und da auch wieder den, ja sich auch auf sein Bauchgefühl zu verlassen.
Stefanie Voss [00:34:20]:
Ja, hat natürlich auch wieder was mit Selbstwert zu tun. Also wenn ich selbst sicher bin, dann kann ich Nein sagen, weil mir ist zwar schon bewusst, dass dem anderen das nicht gefallen wird, aber ich kann gut damit leben. Wenn ich wenig Selbstbewusstsein habe, sage ich nein, weiß, dass der andere mich danach weniger mag und habe damit ein großes Problem. Also wer sehr souverän ist und wer selbstsicher ist und wer weiß, ich bin gut und richtig und wertvoll so wie ich bin, der kann in ganz vielen Situationen viel eher Nein sagen, weil er nicht auf die Anerkennung des Gegenübers angewiesen ist.
Katrin Hansmeier [00:34:50]:
Also ein Thema, was viele, viele, viele Schichten hat, die es auch zu entdecken und reflektieren gilt, wahrscheinlich erst mal, bevor man dann in ein schnelles Nein kommt, in schnelle Entscheidungen. Also auch die Piratenstrategie wahrscheinlich etwas ist, wo man auch viel über sich selber und seine eigenen Glaubenssätze nachdenkt.
Stefanie Voss [00:35:10]:
Es geht immer über die Selbstreflexion. Also das ist, und da sind wir dann wieder beim Anfang unseres Gesprächs, bei der Weltreise. Also das ist einfach, da kommst du nicht drumherum. Und nicht umsonst heißt es ja, die ehrliche Begegnung mit mir selbst ist ja die konfliktreichste Begegnung meines Lebens, weil das natürlich anspruchsvoll ist, in mich reinzugucken und zu sagen, ja, wie ticke ich denn eigentlich und warum ticke ich eigentlich so und so und was gefällt mir daran und was gefällt mir daran nicht und wenn ich aber diesen Einstieg wähle, wenn ich wirklich bewusst mich mit mir selber auseinandersetze, dann habe ich natürlich die Chance, unheimlich viele Dinge zu entfalten, weil ich dann einfach mit mir selber in einem guten Kontakt bin. Weil ich dann, ne, da sind wir wieder beim, ich kann über mich lachen, ich weiß, dass ich ein wertvolles Wesen bin auf dieser Welt, dass ich meinen Eindruck hinterlasse und Ja, kann in mir selber auch eine gewisse, also ich kann zu mir selber auf Distanz gehen. Das sind natürlich alles Kompetenzen, die sind für Führungskräfte total wichtig. Also wer kann gut führen? Wer kommt in guten Kontakt mit anderen Menschen? Ja, alle die, die mit sich selber in einem guten Kontakt sind.
Katrin Hansmeier [00:36:16]:
Ich höre bei dir auch so eine ganz starke Neugierde, also auch neugierig auf sich selber zu sein und nicht so einen Perfektionsanspruch zu haben, sondern zu sagen, wir alle sind unfertig und in einer permanenten Entwicklung und das ist schön.
Stefanie Voss [00:36:28]:
Den Satz würdest du bei mir auch auf einer Postkarte bekommen, so formuliere ich das gerne, dass ich sage, wir sind immer perfekt und wir sind niemals fertig. Also wir sind jetzt in dem Moment, du und ich, wir sind beide jetzt hier heute so wie wir sind, wunderbar und perfekt und wir dürfen uns in fünf Minuten und heute Abend und morgen und die nächsten 20 Jahre weiterentwickeln.
Katrin Hansmeier [00:36:49]:
Seminare. Ich habe ja jetzt ist ja so, Seminare ist ja jetzt gerade auch schwer, aber du hast auch natürlich, du hast ein Online-Business-Coaching, was über acht Wochen geht. Ich habe mir die Referenzen angeguckt und bin total neugierig geworden. Wenn ich Führungskraft wäre, würde ich sofort das buchen. Das findet man auf www.stephanie-voss.de, korrekt?
Stefanie Voss [00:37:10]:
Genau, das ist das Leader on My Ship Programm. Das gibt’s als Online-Programm lustigerweise schon seit 2015. Das ist gar nicht aus Corona heraus entstanden, sondern ein lange konzipiertes, durchdachtes und schon hundertfach durchgeführtes Programm. Es geht natürlich die Selbstreflektion. Allerdings nicht einfach so mit netten Fragen. Die Menschen, die das buchen und die das machen, kommen richtig ins Handeln, müssen richtig was tun. Es ist mega kreativ und es ist vor allem besonders für die Leute spannend, die sich selber als überhaupt nicht kreativ einschätzen.
Katrin Hansmeier [00:37:46]:
Stefanie, also ich bin ja jetzt schon so ein Fan von dir.
Stefanie Voss [00:37:48]:
Ich kann stundenlang mit dir weiterreden. Ich bin auch ein Fan von dir.
Katrin Hansmeier [00:37:51]:
Ach ist das schön. Ja, jetzt können wir auch beide sagen, ja genau, und das darf man auch sein, ne? Weil wir sind einfach geil.
Stefanie Voss [00:38:00]:
Ja, und zu sagen ja, Also ich sag das immer gerne, dass es das schon so lange gibt, das Programm, weil jeder so, ja, ja, jetzt machst du ja auch einen auf online. Wo ich sage, nein, Freunde, ich mache seit 2015 auf online und bin da wirklich erfahren und bin da auch wirklich gut. Es ist nicht irgendein dahingerotztes, mal schnell, schnell in Corona zusammengezimmertes Ding, sondern das hat echt Hand und Fuß und ist seit vielen Jahren auch in einem iterativen Verbesserungsprozess. Und da bin ich auch stolz drauf.
Katrin Hansmeier [00:38:29]:
Und du bist ja, wie wir schon festgestellt haben, auch deiner Zeit voraus.
Stefanie Voss [00:38:32]:
Genau.
Katrin Hansmeier [00:38:33]:
Und ich muss dir auch ehrlich sagen, von dir, also kann ich mir auch überhaupt nicht vorstellen, dass du mit irgendwas dahin gerotzt und rausgehen würdest. Das entspricht sowas von gar nicht deinem Naturell. Da müsste dir jemand wahrscheinlich irgendwie die Knarre ran halt sagen, los, raus damit. Das wäre ja auch…
Stefanie Voss [00:38:49]:
Also ja, ich hab schon, das ist sicherlich eine der Dinge, die mich auszeichnet, dass ich schon sehr hohen Qualitätsanspruch habe. Das stimmt und das freut mich, dass du das so wahrnimmst, weil das tatsächlich auch eines der Dinge ist, die mir wichtig sind, dass Menschen mich so wahrnehmen, dass ich eben nicht rausrotze, sondern dass ich mir tatsächlich viele Gedanken mache. Ich bin natürlich dennoch auch iterativ unterwegs. Also ich probiere Sachen aus und ich gebe natürlich auch schon von Anfang an viel Energie und viele Dinge rein. Und natürlich habe ich auch Erlebnisse, die nicht funktionieren. Wir sitzen hier in einem Podcast. Ich habe schon gepodcastet, ganz, ganz, ganz früh. Und es hat einfach keinen interessiert.
Es war mega viel Arbeit. Ich war zwischen 2010 und 2013 als Podcasterin unterwegs. Und dann habe ich nach drei Jahren gedacht, Mann, ey, ich sitze hier immer, ewige Vorbereitung, ja, Riesentechnik, dann alles noch im Kleiderschrank, damit der Sound mega optimal ist.
Katrin Hansmeier [00:39:45]:
Du saßt im Kleiderschrank?
Stefanie Voss [00:39:46]:
Ich saß im Kleiderschrank. Ich hab mir meine ganze Technik in den Kleiderschrank gepackt. Naja, weil du halt umgeben von Textilien einen mega dichten Supersound hast.
Katrin Hansmeier [00:39:56]:
Ich stell mir grad vor, Stefanie Voss in ihrem Kleiderschrank, umgeben Von Textilien.
Stefanie Voss [00:40:01]:
Sehr schön. Ja, das ist aber zum Podcasten damals wirklich state of the art gewesen. Ich hatte keine Räumlichkeiten, mir jetzt ein Audio-Studio einzurichten. Also hab ich das im Kleiderschrank gemacht. Und dann hab ich so viel Arbeit da reingesteckt. Und dann hat’s einfach irgendwie am Ende haben’s dann irgendwie 60 Leute gehört. Oder irgendwie mal, ne, dann auch mal 120. Ja! Ja.
Dann siehst du ja aber auch, wie weit hören die und so. Und Dann hab ich nach drei Jahren gesagt, das war alles total nett, jetzt hör ich wieder auf. Ja, und ich war einfach drei, vier, fünf Jahre zu früh. Und so ist es.
Katrin Hansmeier [00:40:33]:
Also ein kleines Scheitergeheimnis von dir. Fällt dir noch eins ein? So ein schönes Scheitergeheimnis von Stefanie Voss?
Stefanie Voss [00:40:41]:
Ja, so ein schönes Scheitergeheimnis ist natürlich, also, erstens, wenn ich scheitere, Distanz dazu. Also nicht ich scheitere, sondern das Projekt scheitert. Ja. Also immer die Distanz zu mir. Ich als Person bin völlig okay, auch wenn meine Idee gerade völlig kaputt ist. So ist der erste Tipp. Und Der zweite Tipp ist natürlich immer, was ist das Gute an dem Scheitern? Also was habe ich jetzt gerade gelernt? Wenn diese Tür jetzt gerade zugeht, wofür habe ich dann wieder Kapazitäten frei? Wofür war es gut? Also und irgendwas findet sich immer. Und Ich verbiete mir nicht zu schimpfen.
Das finde ich so dieses, wir müssen immer positiv sein. Und immer alles, ach ja, das finde ich total bescheuert. Da bin ich auch wieder Piratin. Ich sage auch mal, Mann, darf auch mal frustriert sein und rumschimpfen und mich ärgern. Und wenn ich das genug gemacht habe und darüber gelacht habe, dass ich mich jetzt so geärgert und geschimpft habe, dann gehe ich in das, okay, was war jetzt wichtig daran? Ich glaube, was mich auszeichnet oder was Menschen auszeichnet, das beziehe ich jetzt gar nicht so sehr auf mich, die in der Selbstreflexion ziemlich weit sind, ich komme sehr schnell aus den Tälern wieder raus. Wobei das natürlich auch sehr auf die Täler ankommt. Ich hatte natürlich auch schon Situationen, das ist nun mal so, wenn man irgendwie in der Mitte des Lebens angekommen ist, wo ich auch über Wochen und Monate aus dem Tal nicht rausgekommen bin. Wenn schwere Schicksalsschläge kommen und die kommen nun mal im Laufe des Lebens, dann brauche ich auch meine Zeit und übrigens auch externe Unterstützung, da wieder rauszukommen.
Und das finde ich ist vielleicht auch noch mal ein wichtiger Hinweis. Ich kann gut über mich lachen. Ich mache viel mit Humor. Ich mache viel mit meinen eigenen Coaching-Techniken. Und natürlich gibt es auch Situationen, wo ich auch da stehe und sage, so, und jetzt brauche ich Hilfe. Jetzt brauche ich jemand anderes, weil ich einfach selber nicht mehr weiterkomme. Und auch das erlaube ich mir. Ich muss nicht alles selber machen.
Ich muss auch nicht alles können. Und ich darf auch in meinem ureigenen Coaching-Thema irgendwo an einem Punkt sein, wo ich sage, nee, jetzt bin ich mit meinem Latein echt am Ende. Jetzt möchte mir bitte mal jemand anders die schlauen Fragen stellen, die ich sonst immer stelle.
Katrin Hansmeier [00:42:46]:
Schön. Willst du noch was loswerden?
Stefanie Voss [00:42:51]:
Will ich noch was loswerden? Ja, ich will loswerden, dass ich finde, dass du und das Humorinstitut, dass ihr und die Eva, dass ihr eine super wichtige Arbeit macht Und dass gerade in dieser dünnhäutigen Zeit, in der wir jetzt sind, dass ich glaube, dass Humor wirklich eine super, super wichtige Medizin ist. Vielleicht noch viel, viel, viel wichtiger, als sie sonst schon ist. Ich glaube, dass wir viel lernen können. Ich will das auch nicht alles schlecht reden. Und trotzdem glaube ich, dass wir sehr viel verzeihen müssen und Abstand gewinnen müssen und dass der Humor eine wunderbare Corona-Winter-Riese ist, Wie wir uns alle verschreiben sollten. Weil es wird garantiert viele Momente geben, wo wir alle da sitzen und sagen, ich will nicht mehr, ich find’s doof, ich bin sauer. Und dann in diesen Abstand zu kommen und zu sagen, ach guck mal, jetzt kriegst du gerade wieder in dein Jammertal, jetzt bleibst du da mal einen Moment, jetzt machst du mal einen Moment mi, mi, mi, mi, mi und dann kommst du wieder raus und lachst über dich.
Katrin Hansmeier [00:43:58]:
Das war Stephanie Voss zu Gast bei Humorexpertin fragt Führung. Danke für dieses wundervolle Gespräch.
Stefanie Voss [00:44:06]:
Ja, ich danke dir.
Eva Ullmann [00:44:16]:
Humorexpertin fragt Führung. Eva Ullmann und Katrin Hansmeier machen Humor für Sie berechenbar und einsetzbar. Amüsieren Sie sich, staunen Sie und erweitern Sie Ihr Repertoire.