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10 Dinge, die ich gerne schon gewusst hätte, als ich mich vor 10 Jahren selbständig gemacht habe

Heute habe ich eine kurze Pause an einem wunderschönen Bach im Schwabenländle gemacht (siehe Foto). Ich bin mal wieder unterwegs, dieses mal vom Vortrag in Ulm zur Moderation in Bad Urach – und denke über die letzten 10 Jahre nach. Am 1.4.2009 habe ich den Schritt raus aus der Großkonzern-Angestellten-Welt hinein in die One-Woman-Selbständigkeit getan. Was meine Gedanken bewegt habe ich hier zusammengefasst – in 10 Portionen individueller Lernerfahrung.

10 Dinge, die ich gerne schon gewusst hätte, als ich mich vor 10 Jahren selbständig gemacht habe - von Stefanie Voss

1. Disziplin schlägt Plan

Ich habe noch nie einen Business Plan geschrieben, habe nie einen Umsatzplan gehabt und habe auch sonst viel aus dem Bauch heraus entschieden und umgesetzt. Lange habe ich mich selbst dafür beschimpft, dass ich so planlos bin. Heute weiß ich, dass Disziplin und Fleiß wichtiger sind. Pläne hätten vielleicht an der einen oder anderen Stelle auch geholfen. Aber die Tatsache, dass ich mich nicht vor Arbeit drücke und mich auch um ätzenden Kram letztlich pflichtbewusst kümmere, hat das mehr als wettgemacht. 

2. Adrenalin ist ein guter Freund

Rote Flecken am Hals, schweißnasse Hände, Herzklopfen und Durchfall – ich habe alles erlebt. Egal ob vor wichtigen Gesprächen, vor dem Erstkontakt mit einem möglicherweise wirklich interessanten Kunden oder vor einem großen Bühnenauftritt: Ich war richtig oft richtig dolle aufgeregt. Und ich habe geglaubt, dass das nie besser wird. Und ich habe mich darüber aufgeregt, dass ich so aufgeregt bin, weil ich doch eigentlich so professionell sein wollte.

Doch dann wurde es besser, irgendwann. Letztlich bin ich heute immer noch aufgeregt, allerdings im normalen Umfang. Meine Aufregung zeigt mir, dass ich wirklich gut sein will und dass es mir um etwas geht. Und so habe ich beschlossen, dem Adrenalin dann immer freundlich „Hallo“ zu sagen. „Ah, Du bist auch wieder dabei und willst zusehen, dass ich es gut machen. Danke Dir, dass Du mich begleitest!“. 

3. Augen auf bei der Partnerwahl

„Sollen wir nicht mal etwas zusammen auf die Beine stellen? Oder uns gegenseitig unseren Kunden empfehlen?“ So oder so ähnlich habe ich das zigfach im Kollegenkreis gehört. Klar, ich habe mich immer sehr gefreut, wenn jemand an mir Interesse gezeigt hat … bis ich verstanden habe, dass 97% dieser Anfragen alleine auf meine sehr guten und sehr wertvollen Kontakte abzielen. Ich komme aus der Großkonzernwelt, viele meiner Kunden sind Großkonzerne, und diese Kunden wünschen sich auch viele meiner Kollegen. Treue Kunden und persönliche Kontakte, das sind wohl irgendwie die Währungen der Selbständigen, so empfinde ich es heute. 

Einige Verbindungen bin ich eingegangen, und davon habe ich die allermeisten wieder aufgelöst. Oft hatte ich von Anfang an ein nicht hundertprozentig gutes Gefühl … und habe leider nicht auf meinen Bauch gehört. Es muss sich für beide Seiten richtig gut anfühlen, das weiß ich heute. Das gelingt leider nur sehr selten. Wenn es nicht gelingt, dann beende ich es heute lieber direkt als später. Und wenn es gelingt – so wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit meiner Redneragentur 5 Sterne Redner – dann bin ich sehr dankbar und mache viel dafür, dass das Vertrauen und die gegenseitige Unterstützung in der Partnerschaft immer wieder spürbar werden. 

4. Always over-deliver

Gut ist oft gut genug, aber so richtig gut ist es eben nicht. So ähnlich habe ich es vor drei Jahren mal in einem Online Kurs gelernt. Und da habe ich verstanden, dass „over-delivering“ wirklich ein Erfolgsrezept sein kann. Schon vorher habe ich mir oft Mühe gegeben, meine Leistungen besonders gut abzuliefern, aber überhaupt nicht mit Strategie oder System dahinter. Heute überlege ich mir, was den Kunden richtig positiv überraschen könnte, was noch besonders herausstechen könnte, womit nicht gerechnet wird. Und da setze ich an. Das kostet Zeit, Mühe, Geld … und lohnt sich dennoch. Davon bin ich heute überzeugt.  

5. Selbstfürsorge ist Business, kein Luxus

Ich bin mein Produkt, ich bin das, was nachgefragt wird, ich bin das, was das Geld aufs Konto bringt. Und genau deswegen muss ich darauf aufpassen, dass ich mit mir gut umgehe. Diese wichtige Lektion habe ich viel zu spät gelernt. Und in regelmäßigen Abständen vergesse ich sie wieder ein bisschen. 

Selbstfürsorge fühlt sich manchmal so dekadent an. Der Massagetermin, obwohl ich keine wirklichen Schmerzen habe. Der Tag im Spa, obwohl genug zu tun auf dem Schreibtisch liegt. Der teure Frisör, obwohl ich auch noch zwei Wochen länger mit angegrauten Haaren hätte rumlaufen können. Der neue, ergonomische Bürostuhl, obwohl es das alte Modell ja eigentlich auch noch getan hätte.  

Aber es ist eben NICHT dekadent, sondern einfach nur schlau und wichtig, sich mit einem Job wie meinem um sich selbst zu kümmern. Und das hat nicht nur etwas mit dem Business zu tun, sondern auch mit der Familie. Denn nur wenn meine Konstitution gut ist, kann ich die Anforderungen von Job und Familie gleichermaßen geduldig und gelassen erfüllen. Deswegen habe ich seit einigen Wochen ein Zitat bei mir am Schreibtisch hängen: „The best thing I can do for others is to take good care of myself!“

6. Klare Werte sind gute Wegweiser in emotionalen Situationen

Wenn Wut, Ärger, Enttäuschung oder Überforderung zuschlagen, dann neige ich – wie wohl viele Menschen – gerne mal zu einer Schnellschuss-Reaktion. Und diese Art von Reaktion ist sehr oft ziemlich blöd von mir gewesen. Erst vor einigen Monaten habe ich das Konzept der „Emotional Agility“ von Susan David entdeckt. Es hat mir einen ganz neuen Zugang zum Thema Emotionalität ermöglicht. Oder ich sollte besser sagen: Es ist mit dieser Herangehensweise ein neuer Weg durch meine emotional aufbrausenden Momente möglich geworden. Dazu habe ich eine Wertearbeit gemacht und meine drei Kernwerte ermittelt (für mich sind das Verbundenheit, Neugier und Leistung). Und mit meinen Werten habe ich klare Leitplanken, welche Reaktionen angemessen – und welche unangemessen – sind. 

In jeder Situation, in der ich unentschieden und irgendwie genervt bin, hilft es sofort, die eigene Werte anzugucken. Ich frage mich dann: Da ich für mich weiß, was mir wirklich wichtig ist, was sollte ich im Einklang mit meinen Werten also tun und lassen? Es ist so einfach … und es hätte mir sooo viel erspart, wenn ich das schon vor 10 Jahren drauf gehabt hätte!

7. Adieu Extrawürste

Manche Menschen sind kompliziert. Das trifft auch auf Geschäftspartner und Kunden zu. Immer soll es hier nochmal anders sein, da mögen sie diesen Standard nicht, und überhaupt haben sie ihre ganz eigenen Regeln, Vorgehensweisen und ganz eigene Vorstellungen auch von den allerkleinsten Details. Und pingelig sind sie natürlich sowieso. In seltenen Fällen sind sie trotzdem irgendwie liebenswert, meistens aber eher unsympathisch.

Eine sehr gute Freundin von mir – die übrigens Psychologin ist – hat mir letztes Jahre an einem Mädelswochenende die Augen geöffnet: „Es gibt Menschen, die wollen einfach immer alles irgendwie anders und brauchen immer eine Extrawurst. Eine extra Einladung, eine Rücksichtnahme, extra dies und extra das. Ich nenne sie Extrawurst-Menschen. Das ständige „Extra“ musst Du akzeptieren, wenn Du mit ihnen in Kontakt sein willst. Oder eben nicht. Dann schmeiße sie raus aus Deinem Leben.“

Meine Entscheidung war ganz klar: Solche Leute will ich nicht mehr in meinem Leben haben. Nachdem ich viele Jahre immer nur gelächelt und geduldet und erfüllt habe, was Extrawurst-Menschen alles so wollten, habe ich nach diesem besagten Wochenende beschlossen, damit aufzuhören. Und ich habe ihnen innerlich Adieu gesagt. Das tat richtig gut! (Genau zu dem Thema habe ich dann auch noch einen Videobeitrag gemacht. Den findest Du hier.)

8. Kante zeigen ist richtig und wichtig

Darf ich bei einer Business-Konferenz in Jeans auf die Bühne gehen? Darf ich auf der Bühne „Scheiße“ sagen? Darf ich meine politische Meinung äußern? Jeder Business-Knigge beantwortet diese drei Fragen mit NEIN, ich für mich habe sie mittlerweile mit JA beantwortet. Auch das war ein Prozess, der mich viel innerliches Herumgeeiere gekostet hat. Irgendwie bin ich ja schon immer ein polarisierender Typ gewesen, aber als Selbständige und Dienstleister muss ich mich doch eher anpassen? Was ist noch okay? Was ist, wenn sich jemand über mich ärgert? Was ist, wenn ich provoziere? Diese Fragen habe ich gefühlt tausendfach hin- und hergewälzt.

Heute stehe ich zu meinen Kanten. Ich bin eben keine weichgespülte Business-Tante, sondern ich bin ein kritisch denkender Mensch mit Meinung und Haltung – und die muss nicht jedem gefallen. Gerade weil ich oft das Gefühl habe, dass wir alle irgendwie im hektischen Diktat des Alltags vor uns hin rauschen, finde ich es besonders wichtig, aufzurütteln und klare Botschaften zu senden. Ich sage, was mich ärgert und frustriert – auch auf der Bühne, und auch, wenn ich damit Menschen in meinem Publikum direkt anspreche. Und ich freue mich, wenn ich Gegenwind bekomme. Denn dann entsteht Reibung und Auseinandersetzung, und wenn diese konstruktiv und auf Augenhöhe ablaufen, dann kann durch Dialoge etwas Neues entstehen. Irgendwie bin ich halt doch eine Piratin … der Status Quo wird nie mein Freund werden.

9. Verletzlichkeit schlägt Tschakkah

Das Vortragsvideo von Brené Brown „Die Macht der Verletzlichkeit“ und ihre Forschungsarbeit zu Scham, Verletzlichkeit und menschlicher Verbundenheit hat meine Arbeit maßgeblich und grundlegend beeinflusst. Ich habe im dritten oder vierten Jahr meiner Selbständigkeit ihre Arbeit entdeckt und sie immer und immer mehr in mein eigenes Handeln und in meine Inhalte integriert. Das Ergebnis ist, dass ich immer wieder Rückmeldungen dieser Art bekomme: „Frau Voss, sie sind total authentisch. Sie sind so menschlich, so wunderbar unperfekt und dabei so klar, und so überhaupt nicht tschakkah – das gefällt uns an Ihnen!“ Ich bin jedes Mal dankbar, wenn ich das höre.

Verletzlichkeit zu zeigen ist für mich heute kein Tabu mehr, sondern es ist das Fundament, um vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Nur wenn ich mich wirklich ganz zeige, wenn ich meine Ängste und Sorgen genauso erlebbar mache wie meinen Humor und meine Kompetenzen, nur dann kann ich Menschen wirklich erreichen und berühren. Und das ist heute das Ziel meiner Arbeit. Ich habe für mich entschieden, dass ich nicht einfach nur schlaue Inhalte vermitteln will. Ich will Menschen berühren. Und das erlauben sie mir nur, wenn ich mich ungeschminkt und mit allen meinen Facetten zeige. 

10. Der Lottogewinn der Vereinbarkeitsthematik

Fast jeder Kunde fragt mich früher oder später, wie ich denn meinen Job und die vielen Reisen mit meinem Familienleben und zwei Kindern unter einen Hut bringe. Es ist die typische „Frauenfrage“, die interessanterweise auch heute, im Jahr 2019, kaum Männern mit Kindern gestellt wird. Meine klassische Antwort: „Ich habe einen super tollen Ehemann, eine zuverlässige Kinderfrau und wir sind gut organisiert.“

Der super Ehemann ist Jurist und angestellt in einem mittelgroßen Unternehmen. Auch als ich noch angestellt war haben wir immer ein klares, gleichberechtigtes Bild von unseren familiären Pflichten gehabt. Es gab nie eine klassische Rollenteilung, sondern wir wollten immer beide die unterschiedlichen Bereiche des Familienlebens abdecken, und wir haben uns beide für eine Kinderfrau anstelle der „kompletten Eigenbetreuung“ durch uns entschieden. Als es mit meiner Selbständigkeit immer besser lief, war irgendwann klar, dass allein die Kinderfrau nicht reicht. Also haben wir gemeinsam überlegt, was wir ändern können. 

Seit 2016 arbeitet mein Mann in Teilzeit, er hat dafür seine Führungsposition aufgegeben und betreut an zwei Nachmittagen pro Woche unsere Kinder. Die Kinderfrau haben wir auch noch, so dass ich sehr viel Flexibilität in meiner Zeitplanung habe – die ich für diesen Job allerdings auch brauche. Mit Engagements in ganz Europa ist die Kombination Speaker / Coach / Moderator einfach sehr reiseintensiv.  

Dafür habe ich andere Freiheiten: Ich kann auch mal vormittags in der Schule sein, kann alle Ferien frei nehmen, und ich kann an Wandertagen und bei Projekten wie dem Klassen-Segelschein unterstützen. Das weiß ich sehr zu schätzen – und meine Familie auch. Ich kümmere mich unter der Woche um Handwerker und Steuern, allen Papierkram, Krankenversicherung, Rechnungen und Finanzen, so dass das am Wochenende nicht das Familienleben bestimmt. Meine Berufstätigkeit ist extrem unregelmäßig und unstet, dafür eben sehr selbstbestimmt und frei. 

Das gleichberechtigte Verständnis von familiären Pflichten, welches wir als Paar leben, ist für mich der Lottogewinn meiner Selbständigkeit. Mein Mann ist der Grundpfeiler meines Erfolgs als selbständige Frau MIT Kindern, denn durch unsere kooperative Aufteilung aller Pflichten habe ich sehr viele Möglichkeiten, in meinem Beruf voranzukommen. Dafür bin ich SEHR dankbar – jeden Tag und immer wieder neu. Ich habe mit meinem Mann einen echten Partner an meiner Seite, einen wunderbaren Freund, eine große Stütze und einen unendlich liebenswerten Menschen.

Jetzt gerade sitze ich also im Süden der Republik vor dem Laptop … und er macht sich mit unseren Jungs einen gemütlichen Männerabend zu Hause. Und das ist auch gut so. 

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Stefanie Voss mit Stift

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